Eine erfolgreiche Firmenübertragung hängt von einer guten Planung über mehrere Jahre ab. Der Präsident des Schweizer Dachverbands für Unternehmensnachfolge (CHDU) Hans Jürg Domenig erläutert die Herausforderungen für die Verkäufer und erklärt, wie wichtig es ist, dass das Thema bei den Unternehmenden aufgewertet wird.
Mehr als jedes sechste Schweizer KMU sucht gegenwärtig einen Nachfolger, wie aus einer Studie der Wirtschaftsberatung Dun & Bradstreet hervorgeht. Diese Zahl dürfte in den kommenden Jahren noch steigen, da dann die Baby-Boomer in Rente gehen werden. Bei der Firmenübertragung handelt es sich um einen komplexen Prozess, bei dem juristische, finanzielle und menschliche Aspekte zu berücksichtigen sind, und für die Beständigkeit des Schweizer Wirtschaftsgeflechts stellt sie eine grosse strukturelle Herausforderung dar. Hans Jürg Domenig, Präsident des Schweizer Dachverbands für Unternehmensnachfolge (CHDU) und Gründer von ANSATZ, einem Unternehmen, das KMU bei der Suche nach einer Nachfolgelösung begleitet, fordert, dass dieses Thema mehr Beachtung findet.
Warum sind heute so viele Unternehmer in der Schweiz auf der Suche nach einer Nachfolge?
Hans Jürg Domenig: Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe. Erstens einen demografischen: Die Firmenchefs aus der Generation der Baby Boomer werden alle bis 2029 in Rente gehen, wodurch die Zahl der Verkäufer steigt. Zweitens ist es eine kulturelle Frage. Die Schweiz verleiht dem Thema Gründung über zahlreiche entsprechende Programme einen hohen Wert, der Übernahme dagegen kaum, obwohl es mehr potenzielle Käufer als Verkäufer gibt. So kommen auf rund 20'000 zu übertragende Unternehmen (5-Jahres-Median) pro Jahr rund 50'000 Neugründungen. Und schliesslich hängt das Geschäftsmodell häufig sehr stark vom Inhaber der Firma ab, sodass die Übernahme aufgrund der engen persönlichen Bindung ein sensibles Thema sein kann.
Wann sollte ein Unternehmenschef mit der Vorbereitung der Nachfolge beginnen?
Domenig: Man muss mindestens drei bis fünf Jahre einplanen. Idealerweise sind es sogar zehn Jahre. Eine gute Planung besteht darin, die Schlüsselkompetenzen des Unternehmens zu strukturieren und mit dem künftigen CEO zu teilen, die Beziehungen zwischen den verschiedenen Parteien zu formalisieren, aber auch die Kunden auf die Nachfolge vorzubereiten, damit das Unternehmen unabhängig von der aktuellen Geschäftsführung dauerhaft fortbestehen kann. In unserem Jahresmagazin Nachfolge Post stellen wir einen Nachfolgeplan über zehn Jahre vor, der mehrere Kniffe enthält, zum Beispiel, dass man nur eine begrenzte Zahl ernsthaft interessierter Bewerber kontaktieren sollte, damit das Vertrauen und die Verhandlungsbedingungen geschützt werden.
Was sind die häufigsten Hürden bei einer Firmenübertragung?
Domenig: Die grössten Hindernisse sind fast immer menschlicher Natur. Viele Firmeninhaber haben nicht über ihr Leben nach dem Unternehmen nachgedacht, was ihren Abschied oft sehr schwer macht. Wenn es um den potenziellen Nachfolger geht, suchen viele häufig eine Kopie von sich selbst, die natürlich nicht existiert. Und viele denken, dass die Nachfolge nur ein simpler Verkauf ist. Dabei bringt sie einen tiefgreifenden Wertewandel mit sich, der sowohl die Firma betrifft (deren Identität oft diejenige des Inhabers widerspiegelt) als auch den scheidenden Unternehmer, der mit einem Statusverlust und einer persönlichen Veränderung konfrontiert ist, was einem vorher bewusst sein sollte.
Neben dem traditionellen Modell der familieninternen Nachfolge entstehen neue Formen der Firmenübertragung. Welche erscheinen Ihnen besonders vielversprechend?
Domenig: Ein sehr interessantes Modell ist das der Aktionärsvereinbarung, bei dem sich mehrere Personen zusammentun, um ein Unternehmen zu kaufen und zu leiten. Diese Lösung macht es möglich, eine der grössten Herausforderungen einer Nachfolge zu bewältigen, nämlich die, eine einzige Person zu finden, die sowohl über die Kompetenzen als auch über die finanziellen Mittel verfügt. Man muss sich jedoch vergewissern, dass alle Aktionäre dieselben Werte, dieselbe Vision und dasselbe Engagement haben, ebenso wie klare Regeln in Bezug auf die Gesamtstrategie.
Wie hilft der CHDU den KMU bei der Planung ihrer Nachfolge?
Domenig: Wir arbeiten an vier Hauptachsen. Einerseits organisieren wir auf Ebene der Praxis kostenlose Informations- und Networking-Veranstaltungen für Verkäufer sowie den Phoenix Award, mit dem Schweizer Unternehmen ausgezeichnet werden, die ihre Nachfolge seit mindestens einem Jahrhundert erfolgreich meistern. Zudem sind wir im Bereich "Profession und Lehre" aktiv, mit Programmen, die ein hohes Kompetenzniveau bei Nachfolgeberatern gewährleisten sollen. Politisch engagieren wir uns für eine Gesetzgebung, die für Firmeninhaber und -übertragungen bessere Bedingungen bietet. Und schliesslich gibt es noch unsere "Forschungs"-Achse, die dabei helfen soll zu verstehen, warum bestimmte Firmen mehrere Generationen überdauern, damit man diese Erkenntnisse teilen und als Inspiration für andere KMU nutzen kann.
Welche institutionellen oder politischen Massnahmen könnten die Unternehmensnachfolge in den kommenden Jahren erleichtern?
Domenig: Das heutige System bestraft die Nachfolger. Die Bankregelungen wie Basel III erschweren die Finanzierung und gewisse Steuerpraktiken behandeln eine Firmenübernahme wie ein "Geschenk", auf das Steuern fällig werden. Gemeinsam mit Dominik Blunschy, Nationalrat des Kantons Schwyz (Die Mitte), hat der CHDU den Bund dazu aufgefordert, bessere Finanzierungsmöglichkeiten mit leichterem Zugang zu Krediten sowie klügere Steuerregelungen anzubieten, die die Nachfolge als echte Investition anerkennen. Ich bleibe optimistisch: Immer mehr politische Akteure erkennen, wie wichtig es ist, sich um bereits bestehende solide Unternehmen zu kümmern, um die Schweizer Wirtschaft dauerhaft zu stärken.

