"Swiss made geniesst in Thailand einen ausgezeichneten Ruf"

Durch ein Freihandelsabkommen, das den Handel zwischen der Schweiz und Thailand ab dem kommenden Jahr erleichtern soll, wird der thailändische Markt mit seinen mehr als 65 Millionen Einwohnern für die Schweizer KMU noch attraktiver.

Als zweitwichtigster Wirtschaftspartner der Schweiz in Südostasien hat Thailand im Jahr 2024 Schweizer Waren im Wert von CHF 953 Millionen (ohne Edelmetalle) gekauft. Der gesamte Handel zwischen den beiden Ländern belief sich auf CHF 7,6 Milliarden, was einem Anstieg von 2% gegenüber 2023 entspricht. Schweizer Exportunternehmen, die in den Bereichen Uhren (27%), pharmazeutische Produkte (22%) und elektrische Maschinen (10%) tätig sind, waren 2024 auf dem thailändischen Markt am erfolgreichsten. Das im vergangenen Jahr in Davos zwischen Thailand und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), zu der auch die Schweiz gehört, unterzeichnete Freihandelsabkommen soll nach der Ratifizierung durch das Parlament 2027 in Kraft treten. Marco Rudin, Executive Director der Schweizerisch-Thailändischen Handelskammer in Bangkok, rechnet für die nächsten Jahre mit einer Erleichterung und Zunahme des Handels.

Welche Branchen sind für Schweizer KMU in Thailand am vielversprechendsten?

Marco Rudin: Man sollte hierfür die Bereiche betrachten, in denen Thailand den grössten Bedarf hat. Der Staat strebt an, in den nächsten Jahren den Übergang von einer Wirtschaft mit mittlerem Einkommen zu einer Wirtschaft mit hohem Einkommen zu vollziehen, und möchte bestimmte Schlüsselbranchen im Rahmen verschiedener Programme wie dem Eastern Economic Corridor weiterentwickeln. Dazu gehören beispielsweise die Ernährung der Zukunft, die digitale Wirtschaft, erneuerbare Energien, die Automobilindustrie – in der japanische Akteure traditionell stark vertreten waren, heute aber die chinesische Industrie auf dem Vormarsch ist –, aber auch der Medizintourismus und das Gesundheitswesen. Jedes Schweizer KMU, das Spitzentechnologien, Werkzeuge und Maschinen, Ingenieur- und Automatisierungsdienstleistungen in einem oder mehreren dieser Bereiche anbietet, sollte sich für den thailändischen Markt interessieren.

Unternehmen wie Ricola, Nestlé oder Swatch verkaufen ihre Produkte bereits auf dem thailändischen Markt. Was wird sich für sie durch das neue Freihandelsabkommen ändern?

Rudin: In bestimmten Branchen, beispielsweise Uhren, Textilien, Käse oder Schokolade, werden die Zölle bei der Einfuhr nach Thailand fast vollständig wegfallen. Die Zollvergünstigungen für Schweizer Exportunternehmen könnten sich laut dem SECO auf über 63 Millionen Dollar belaufen. Schweizer Produkte, die manchmal unter ihrem Preisniveau leiden, können somit in Thailand günstiger als bisher vermarktet werden. Es ist jedoch zu beachten, dass in bestimmten Bereichen, beispielsweise Kaffee (ein wichtiges Schweizer Exportprodukt), die Zölle nicht abgeschafft werden, da der thailändische Markt in Bezug auf seine nationalen Produkte relativ protektionistisch geregelt ist. Weitere Vorteile im Zusammenhang mit dem Patentschutz und der Bekämpfung von Fälschungen, der Einhaltung des Swissmade-Labels oder dem Verkauf von Dienstleistungen in Thailand sind in dem Abkommen ebenfalls vorgesehen.

Mehrere mittelständische Schweizer Unternehmen wie der Druckwerkzeughersteller Polytype, der Nähmaschinenentwickler Bernina oder der Industrieanlagenlieferant Bühler produzieren bereits in Thailand. Wird das neue Abkommen für diese Firmen etwas ändern?

Rudin: Ich kann nicht für ein bestimmtes Unternehmen sprechen, aber das neue Abkommen dürfte Vereinfachungen für den Import aus der Schweiz von Materialien oder Produkten, die für die Bearbeitung oder Montage von Waren in ihren lokalen Fabriken benötigt werden, und umgekehrt mit sich bringen. Auch gewisse administrative Erleichterungen sind zu erwarten.

Was sind die Vorteile einer Präsenz in Thailand?

Rudin: Mit einem Büro in Thailand kann man dank der zentralen Lage des Landes in Südostasien und seiner guten internationalen Flugverbindungen die gesamte Region abdecken. Mit Produkten "Made in Thailand" kann man ausserdem von den Freihandelsabkommen profitieren, die die Regierung mit ihren Nachbarländern unterzeichnet hat. Ein Büro vor Ort ermöglicht es auch, seine Kunden zu besuchen und den Kundendienst sicherzustellen.

Was den thailändischen Markt selbst betrifft, schätzen es lokale Unternehmer, ihre Schweizer Partner persönlich zu kennen und zu wissen, dass diese verfügbar sind. Dies ermöglicht es den Schweizer Mitarbeitern des Unternehmens auch, die thailändische Kultur gut zu verstehen. Die Thailänder haben eine andere Arbeits- und Geschäftsweise als andere Volkswirtschaften in der Region, beispielsweise Singapur, Indonesien oder Vietnam.

Darüber hinaus ist es für einen Schweizer Lieferanten oder Hersteller nicht teuer, den Markt zu sondieren. Es ist möglich, über eine Beratungsfirma für sechs bis zwölf Monate eine einheimische Person einzustellen, die sich für einen relativ geringen Betrag um den Verkauf des Produkts kümmert. Die Lohnkosten für geschultes Personal, das gut formulierte Anweisungen befolgen kann, bleiben in diesem Land im Rahmen. Thailändische Arbeitnehmer sind jedoch in typischen lokalen Unternehmen nicht daran gewöhnt, "out oft he box" zu denken, und sie werden Zeit brauchen, um sich an diese neue Situation anzupassen. Dieser Ratschlag gilt auch für Unternehmen, die sich für eine Produktion im Land entscheiden. Mit guten Managern ist eine präzise Fertigung gewährleistet. Aufgaben im Bereich Forschung und Entwicklung oder das Ergreifen von Initiativen und die Übernahme von Verantwortung fallen der lokalen Belegschaft jedoch weniger leicht.

Und umgekehrt, welchen Herausforderungen könnte ein Schweizer KMU begegnen?

Rudin: Formal gibt es zahlreiche Zugangsbeschränkungen, wie beispielsweise die Begrenzung ausländischer Beteiligungen an thailändischen Unternehmen auf 49% oder die Regel, dass auf vier lokale Mitarbeiter ein ausländischer Mitarbeiter kommt. Es sind jedoch Ausnahmen vorgesehen, insbesondere in den zu Beginn des Interviews genannten Schlüsselbranchen. Es lohnt sich also, sich am Anfang anzustrengen, um die richtigen Kontakte und nützliche Informationen zu erhalten und den richtigen Partner zu finden. Sobald das Unternehmen vernünftig etabliert ist, wird es gut funktionieren.

Wie wird die Schweiz in Thailand wahrgenommen?

Rudin: Ihr Image ist ausgezeichnet. "Swiss Made" geniesst in der Bevölkerung einen ausgezeichneten Ruf für hohe Qualität. Die obere Mittelschicht schätzt Schweizer Marken wie On Shoes oder Läderach. Thailändische Unternehmer freuen sich im Allgemeinen darauf, mit Schweizern zusammenzuarbeiten oder Geschäfte zu machen, da diese als zuverlässig und kompetent gelten. Der inzwischen verstorbene König Bhumibol verbrachte 18 Jahre seines Lebens in Lausanne, was vielen Thailändern bekannt ist und eine wichtige Verbindung zwischen unseren beiden Ländern darstellt.


Zur Person/Firma

Marco Rudin, Executive Director der Schweizerisch-Thailändischen Handelskammer

Nach Abschluss seines Masters in internationalem Recht an der Universität St. Gallen zog Marco Rudin 2022 nach Bangkok, um dort in der Schweizer Botschaft zu arbeiten. Ein Jahr später übernahm er die Leitung der Schweizerisch-Thailändischen Handelskammer, der mehr als 130 Schweizer Unternehmen unterschiedlicher Grösse angehören.

Letzte Änderung 21.01.2026

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