Fallbeispiel für die korrekte Preisberechnung

Um eine Leistung angemessen in Rechnung zu stellen, muss der Unternehmer eine Reihe von Faktoren berücksichtigen. Ein Fallbeispiel.

Das Grafikunternehmen Design Durrer wurde angefragt, Grafik und Layout für einen Versandhauskatalog zu entwerfen. Nun muss Hans Durrer (zusammen mit seinem Geschäftspartner der einzige Angestellte der Firma) eine Offerte berechnen. Den Aufwand schätzt er auf rund 230 Stunden. Er muss also seinen Stundenansatz mit 230 multiplizieren sowie die Materialkosten und einen Gewinnanteil hinzurechnen.

Ermittlung des Stundenansatzes (sämtliche Angaben in CHF):

Mitarbeitergehalt 8'500 x 13 110'500
Lohnnebenkosten (18%) 19'890
Personalkosten total 130'390

Ermittlung der Betriebskosten:

Energiekosten (Strom, Wasser, Heizung) 4'000
Büromiete (inkl. Reinigung und Nebenkosten) 48'000
Versicherungen 2'000
Bürobedarf 4'000
Fahrzeuge 8'000
Werbung 10'000
Unterhalt 4'000
Sonstige Kosten (Steuerberater und Buchhaltung) 8'000
Betriebskosten total 88'000

Hans Durrer hat zwei Kredite laufen, mit denen er die technische Ausstattung seiner Firma finanziert hat:

Kredit über mehr als CHF 75'000, Zinssatz 7% 5'250
Darlehen seines Vaters über mehr als CHF 20'000, Zinssatz 2% 400
Finanzierungskosten total 5'650

Für die technischen Geräte für das Grafikbüro (Hardware und Software) hat Hans Durrer CHF 70'000 bezahlt. Er will sie mindestens drei Jahre lang nutzen. Sie erleiden aber einen Wertverlust, den er als Kostenfaktor berücksichtigen muss (Abschreibung). Durrer teilt den Anschaffungspreis durch die drei Jahre und kommt auf einen jährlichen Abschreibungsbetrag von CHF 23'300.

Für sich setzt er CHF 10'000 plus Sozialleistungen (18%) als (kalkulatorischen) Unternehmerlohn ein. Das sind insgesamt CHF 153'400. Davon bestreitet er seinen Lebensunterhalt und bezahlt Einkommenssteuer.

Nun zählt Hans Durrer alle Kosten zusammen:

Personalkosten 130'390
Betriebskosten 88'000
Kapitalkosten 5'650
Abschreibung 23'300
Unternehmerlohn 153'400
Kosten total 400'740

Diese Gesamtkosten teilt Hans Durrer durch die durchschnittliche Anzahl Stunden, die er und seine Mitarbeiter das ganze Jahr über in etwa verrechnen können. Er kommt nach Abzug der Sonn- und Feiertage, der Urlaubstage und sonstiger Fehlzeiten (Beispiel: Krankheit) auf rund 1'700 Stunden pro vollbeschäftigte Person. Also teilt er CHF 400'740 durch 3'400 Stunden und kommt auf gerundete CHF 118 pro Stunde.

Jetzt berechnet Hans Durrer, welchen Preis er seinem Auftraggeber in der Offerte nennen soll:

230 für den Auftrag veranschlagte Arbeitsstunden (230 x CHF 118) 27'140
Materialkosten 4'900
20% Gewinn 6'408
Total 38'448
plus MWST (8,0%) 3'076

Fazit: Hans Durrer kann ein Angebot zum Preis von CHF 41'524 (inkl. MWST) unterbreiten. Damit hat er etwas Spielraum für Preisverhandlungen mit dem Kunden. Gegebenenfalls kann er seine Gewinnspanne auf 15% reduzieren, den Auftrag in weniger als 230 Stunden ausführen oder Teile davon an ein Drittunternehmen vergeben, das für weniger als CHF 118 pro Stunde arbeitet.


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Letzte Änderung 13.10.2015

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