Bankenkredite: kurz- und langfristige Finanzierung

Die Banken unterscheiden zwischen kurzfristigen Betriebskrediten zur Finanzierung des Umlaufvermögens und langfristigen Investitionskrediten zur Finanzierung des Anlagevermögens.

Als kurzfristiges Fremdkapital gelten alle Verpflichtungen, welche innert Jahresfrist zur Zahlung fällig werden. Fremdkapital, welches der Unternehmung für mehr als 1 Jahr überlassen wird, gilt als langfristig.

Das klassische Instrument zur kurzfristigen Sicherung der Liquidität und zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs ist der Kontokorrentkredit. Wie hoch die Kreditlimite ist und wieviel Zins darauf entrichtet werden müssen, hängt vom Risiko ab.

Das Finanzinstitut vergütet auf Kontokorrentguthaben einen minimalen Zins von 0,125% oder 0,25%. Beansprucht man dann tatsächlich Kredit, so verlangt die Bank evtl. nebst dem Zins zusätzlich eine Kommission, die sie normalerweise pro Quartal erhebt. Die Kommission kann beispielsweise 0,125% oder 0,25% auf den höchsten oder bloss auf den durchschnittlich beanspruchten Kreditbetrag betragen. Wie hoch sie genau ist und ob die Kommission auf den höchsten oder bloss auf den durchschnittlich beanspruchten Kreditbetrag erhoben wird, muss verhandelt werden.

Als Variante zu Kontokorrentkrediten gewähren die Banken feste Vorschüsse mit Laufzeiten ab 1 bis 12 Monaten.

Blankokredite (Kredite ohne Sicherheit), gibt es bei Neugründungen praktisch nicht. Und auch gestandene Unternehmen erhalten Kreditlimiten ohne Deckung nur, wenn sie über Jahre bewiesen haben, dass sie erfolgreich geschäften und ihren Verpflichtungen immer pünktlich nachgekommen sind. Werden Sicherheiten, wie beispielsweise nicht voll belastete Immobilien, eine noch nicht verpfändete Lebensversicherung oder auch Wertpapiere, geboten, wirkt sich das positiv auf den Preis (Kreditzins) aus.

Bankdarlehen, also Investitions- oder Festkredite, gewähren die Banken zur langfristigen Finanzierung des Anlagevermögens. Je nach Fall müssen sie in Raten amortisiert oder am Ende der Laufzeit einmalig zurückbezahlt werden.

Vergleichsweise günstig sind Festhypotheken auf Geschäftsliegenschaften, wobei die der Absicherung dienenden Immobilien marktgängig sein müssen.

Höhe des Zinssatzes

Die Höhe des Zinssatzes hängt vom zu Grunde liegenden Marktzins zur Refinanzierung risikoarmer Kredite ab, so etwa von den Libor-Sätzen (Libor = London Interbank Offered Rate. Marktzinssatz, zu dem sich erstklassige Banken in London gegenseitig kurzfristige Gelder ausleihen) für Laufzeiten unter 12 Monaten oder von den Swap-Sätzen (Interbanken-Zinssatz) für Laufzeiten von mehr als 1 Jahr.

Normalerweise steigen die Marktsätze mit zunehmender Laufzeit. Die Bank schlägt auf den Marktzinssatz einen Zuschlag für Risiko-, Eigenkapital- und Betriebskosten sowie die Gewinnmarge. Dieser Zuschlag wird in Basispunkten (1 Basispunkt (Bp) = 0,01%) oder landläufig in Prozenten angegeben. Er hängt primär vom Risiko des Schuldners (Bonitätsrating), der Kredithöhe und von den gebotenen Sicherheiten ab. Daneben kann auch eine breite und nicht nur das Kreditbegehren betreffende Kundenbeziehung zur Bank eine (konditionenverbessernde) Rolle spielen.

In der Regel liegt der Zuschlag bei guter bis mittlerer Bonität zwischen 50 und 150 Basispunkten. Das heisst beispielsweise, dass ein Festkredit mit 3 Jahren Laufzeit bei einem Swapsatz von 2% auf 2,5% bis maximal 4% zu stehen käme (Stand 2009). Da unter den Banken ein recht intensiver Preiswettbewerb herrscht, lohnt es sich, bei 2 oder mehreren Banken Offerten einzuholen.

"Risk Adjusted Pricing" heisst im Fachjargon der Banken die Abstufung der Kreditkonditionen nach dem individuellen Risiko. Das heisst: Je höher das Risiko, desto höher der Preis für den Kredit. Als Basis nimmt die Bank dazu finanzielle und nichtfinanzielle Faktoren des Unternehmens und stuft die Risiken danach mittels Rating ab. Dieses kann sehr fein abgestuft sein:

  • UBS kennt 15 Schuldnerkategorien (von C0 bis D4)
  • bei CS sind es 19 Kategorien (von CR01 bis DCR)
  • bei den Kantonalbanken rund ein halbes Dutzend

Wer es nicht in die mittlere Risikogruppe schafft (Bonitätsstufe mittel bis gut), hat Schwierigkeiten, einen preislich akzeptablen Kredit zu erhalten. Hier kann eine Bürgschaft als Sicherheit helfen. Doch auch diese ist nicht gratis zu haben, denn der Kreditnehmer zahlt der Bürgschaftsgenossenschaft eine Risikoprämie von beispielsweise 1,25% pro Jahr.


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Letzte Änderung 13.11.2018

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