"Dank einer guten Planung lief bei der Firmenübertragung alles glatt"

Das KMU Laurastar ist einer der Marktführer im Bereich hochwertiger Bügelsysteme. Die beiden Kinder des Firmengründers, die kürzlich die Leitung übernommen haben, erläutern die Positionierung des Unternehmens.

Laurastar wurde 1980 von Jean Monney gegründet und hielt stets seinem Ursprungskanton Freiburg und sogar dem Ort Châtel-Saint-Denis die Treue. Im letzten Jahr zog sich der Gründer allmählich aus dem Geschäft zurück und übergab die Führung des Unternehmens mit 236 Beschäftigten seinen beiden Kindern Julie und Michaël. Die Übertragung planten alle gemeinsam, unterstützt durch Coaches, sodass alles reibungslos ablief. Die neue Doppelspitze machte insbesondere die Digitalisierung der Produkte und der betrieblichen Abläufe zu einem Motor ihres Geschäftsmodells. Ausserdem wollen sie die Marke in Asien weiter ausbauen. Nach China (2013), Südkorea (2017), Hongkong (2018) und Taiwan (2019) will sich Laurastar nun auch in Japan dauerhaft positionieren, was für 2020-2021 geplant ist.

Seit knapp einem Jahr stehen Sie gemeinsam mit Ihrer Schwester Julie an der Spitze von Laurastar. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Michaël Monney: Wir können sagen, dass wir mit Laurastar geboren wurden und in der Firma aufgewachsen sind. Als Studenten haben wir dort gearbeitet, ich in der Produktion, meine Schwester Julie in der Personalabteilung. Dann war ich fünf Jahre bei Ernst & Young angestellt, bevor ich 2010 als Verkaufsleiter bei Laurastar einstieg. Meine Schwester kam ein Jahr später als Marketingleiterin dazu, nachdem sie Berufserfahrungen bei Procter & Gamble gesammelt hatte.

Wie ging die Übertragung vonstatten?

Julie Monney: Wir stehen uns als Familie sehr nah und haben die Planung gemeinsam mit unserem Vater aufgestellt. Es war ein sanfter Übergang, wir konnten in unserem eigenen Rhythmus vorgehen und wurden von Coaches dabei begleitet. Wir haben uns für die gemeinsame Geschäftsführung entschieden, da wir auf diese Weise beide die Verantwortung für das Unternehmen haben. Das hat nichts mit Job-Sharing zu tun – wir stellen wirklich alle Überlegungen gemeinsam an. So sind wir agiler und reaktionsfähiger gegenüber der Komplexität der Welt. Ausserdem steht uns unser Vater immer zur Verfügung, falls wir mal weise Ratschläge brauchen.

Wie konnten Sie sich innerhalb der Firma behaupten?

Michaël Monney: Als wir die Geschäftsführung übernahmen, gehörten wir schon zu Laurastar. Und ich denke, dass wir uns mittlerweile bewährt haben, indem wir hart arbeiten und einen engen Kontakt zu unseren Angestellten pflegen. Wir wollen vorbildliche Führungskräfte sein. Zudem haben wir mit dem Vorstand an einer klaren gemeinsamen Vision für die nächsten Jahre gearbeitet.

Laurastar hat mit einer App für Mobilgeräte eine digitale Wende vollzogen. Sind diese Innovationen notwendig oder ist das eine Spielerei?

Julie Monney: Genau wie die Firmenübertragung ging auch die Digitalisierung von Laurastar Schritt für Schritt über die Bühne. Unsere Firma gehörte schon immer zu den Pionieren. 2001 waren wir zum Beispiel eines der ersten Schweizer KMU, das eine ERP-Software nutzte, also ein Programm, mit dem sich alle Prozesse eines Unternehmens, zum Beispiel im Personalbereich, steuern lassen. Mit dem ersten Entwurf für ein vernetztes Bügeleisen haben wir das gesamte Kerngeschäft digitalisiert, indem wir die Prozesse automatisiert, Heimarbeit eingeführt und vor allem den E-Commerce und die digitale Kommunikation mit unseren Kunden aufgebaut haben. Angesichts der aktuellen Gesundheitskrise und der Schliessung der traditionellen Ladengeschäfte stellen wir fest, dass es sich bei der Digitalisierung nicht mehr um eine Option, sondern um eine Notwendigkeit handelt.

Wie sieht die aktuelle Strategie konkret aus?

Michaël Monney: Wir wollen den Erwartungen unserer Kunden möglichst nah kommen, sowohl mit Blick auf die Produkte wie auch auf Service und Kommunikationskanäle. Ausserdem gehört seit 2017 auch die Hygienisierung von Textilien und Gegenständen zu unserer Strategie. Wir haben nämlich seit nunmehr 40 Jahren einen exklusiven desinfizierenden Hygiene-Dampf. Jetzt ergänzen wir unsere Produktpalette mit einem Dampfdruckreiniger der neusten Generation, Laurastar IGGI, der 99,99% aller Viren, Bakterien und Milben auf Textilien und Gegenständen abtötet.

Zu Ihrer Strategie gehörte auch die Entscheidung für einen Umzug. Warum sind Sie trotzdem in Châtel-Saint-Denis, einer kleinen Stadt in Freiburg, geblieben?

Julie Monney: Unsere Familie stammt aus Freiburg. Wir sind mit dieser Gemeinde und dem Kanton, der uns seit mehr als 20 Jahren unterstützt, eng verbunden. Also haben wir beschlossen, Anfang des Jahres in neue Räume zu ziehen, die uns als internationales Schaufenster dienen, und dennoch in derselben Stadt zu bleiben. Dank dieses Standorts können wir auch von Mitarbeitern aus der Genferseeregion und aus Freiburg sowie von der Mehrsprachigkeit profitieren.

Was würden Sie dem Geschäftsführer eines KMU raten, das eine schwierige Zeit durchmacht?

Michaël Monney: Firmenchefs neigen dazu, Sicherheit darin zu suchen, dass sie das tun, was sie schon immer getan haben. In herausfordernden Zeiten muss man sich aber trotzdem trauen, sich neu zu erfinden.

Welche Lektionen konnten Sie aus der Zeit seit der Firmenübernahme ziehen, die für andere Chefinnen und Chefs von mittelgrossen Unternehmen nützlich sein könnten?

Julie Monney: Der Umgang mit den Menschen ist der Schlüssel zum Erfolg. Man muss akzeptieren, dass die Manager des Unternehmens dafür Zeit aufwenden müssen. Ausserdem neigen Geschäftsführer oft dazu, alles machen zu wollen, denn es ist nicht immer einfach, auszuwählen oder zu delegieren. Doch nur wenn wir Prioritäten setzen und die Energie der Organisation auf einige wichtige Projekte fokussieren, sind wir erfolgreich. Und es ist nötig, auch in sein Geschäftsmodell Innovationen einzubringen, nicht nur in die Produkte.

Wie wird das Jahr 2020?

Michaël Monney: Covid-19 hat unsere Pläne verändert, so wie es bei vielen Unternehmen der Fall ist. Dank unserer Digitalisierung konnten wir den Betrieb und den Verkauf während dieser Zeit am Laufen halten. Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft, weil wir verlässliche Partner haben. Das neue Produkt Laurastar IGGI, an dem wir seit drei Jahren gearbeitet haben, kommt zum richtigen Zeitpunkt und reagiert auf das aktuelle Bedürfnis, Viren auf Textilien und Gegenständen zu entfernen.


Informationen

Zur Person/Firma

Julie und Michaël Monney, Co-CEOs von Laurastar

Julie Monney schloss an der Universität Lausanne ein Lizenziat in Journalismus ab und verfügt zudem über einen Bachelor in Betriebswirtschaft. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst bei Unilever Cosmetics und anschliessend als Produktchefin bei Procter & Gamble. 2011 kam sie als Marketing- und Kommunikationsleiterin zu Laurastar.

Michaël Monney hat zwei Masterabschlüsse der HEC Lausanne (Management, Finanzen und Marketing sowie Wirtschaftsinformatik), mit denen er bei Ernst & Young in der Abteilung Financial & Consulting seine Karriere beginnen konnte. 2010 stieg er als Verkaufsleiter der Laurastar-Gruppe in das Familienunternehmen ein.

Am 1. Juli 2019 übernahmen Julie und Michaël Monney als Co-CEOs die Geschäftsführung der Laurastar Group.

Letzte Änderung 16.09.2020

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