Wo bleibt das Geld? Zahlungsausfälle verhindern

Viele KMU leiden unter der schlechten Zahlungsmoral ihrer Kunden. Sie verlieren viel Geld und betreiben einen sehr grossen Aufwand für das Einbringen offener Forderungen.

Die Zahlungsmoral wird immer schlechter. Das mussten und müssen zahlreiche Unternehmen feststellen. Gemäss dem European Payment Index 2017 (EPI), der auf einer Befragung von mehreren Tausend Unternehmen in der Schweiz und den meisten europäischen Ländern beruht, erhöhten sich in Europa sowohl der Zahlungsverzug als auch die Zahlungsausfälle, wobei in der Schweiz die unbezahlten Forderungen ebenfalls leicht stiegen. Die Erhebung belegt weiter, dass Privatkunden in der Schweiz ihre Rechnungen im Durchschnitt nach 30 Tagen bezahlen, Firmenkunden nach 34 Tagen und die öffentliche Hand erst nach 39 Tagen.

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Vielfältige Gründe für die schlechte Zahlungsmoral

Die steigende Kauflust auf Kundenseite ist für die Anbieter verlockend, birgt aber gleichzeitig die Gefahr steigender Zahlungsausstände und Debitorenverluste. Der EPI nennt als wichtigsten Grund für die unerfreuliche Entwicklung der Zahlungsmoral einen zunehmend negativen Wertewandel. Mahnungen und selbst Betreibungen wie auch Privatkonkurse werden als Kavaliersdelikt empfunden. Bereits an zweiter Stelle wird das so genannte Primat des Wunsches genannt, d.h. Kaufwünsche werden ohne Rücksicht auf die tatsächlichen finanziellen Möglichkeiten befriedigt. Als Grund wird zudem oft genannt, dass Rechnungen selektiv je nach Lieferant bzw. Produkt oder Dienstleistung bezahlt werden. Dabei spielen die Notwendigkeit eines Folgekaufs beim selben Lieferanten und die persönliche Beziehung zum Anbieter eine wesentliche Rolle. Je geringer die Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit eines Folgekaufs und je schwächer die emotionale Bindung zum Lieferanten, umso eher werden Rechnungen massiv verspätet oder gar nicht bezahlt.

Früherkennung der Risiken verhindert späteren Mehraufwand

Die aus dem EPI gewonnenen Resultate lassen weiter darauf schliessen, dass Unternehmen, die einen grossen Aufwand im Forderungsmanagement betreiben, das Schwergewicht auf nachgelagerte Massnahmen innerhalb des Kreditmanagementprozesses wie Mahnschreiben oder die Einleitung rechtlicher Schritte bis hin zur Verlustscheinverwertung legen. Betriebe mit geringerem Aufwand ergreifen hingegen vermehrt pro-aktive und vorgelagerte Massnahmen. Dazu werden all jene Prozesse gezählt, welche zur Risikoverminderung bzw. -früherkennung beitragen, so etwa Bonitätsprüfungen, dynamische Zahlungskonditionen oder zweistufige Kreditlimitprozesse.

Dieser Befund zeigt, dass Risiken nur verhindern kann, wer die Risiken frühzeitig erkennt. Das Risikomanagement setzt idealerweise bereits in der Phase der Akquisition und Offertstellung ein, spätestens aber vor Ausführung einer Bestellung. Für Unternehmen jeder Grössen sind die folgenden Aspekte von zentraler Bedeutung.

Privathaushalte präzise einschätzen

Zahlreiche Schweizer Haushalte haben erhebliche Probleme mit der Zahlungsfähigkeit. Bestehen bei einem dieser Haushalte offene Forderungen, ist der Verlust so gut wie sicher. Mit einer rechtzeitigen Bonitätsprüfung lassen sich diese Risiken erkennen und Folgeschäden vermeiden.

Blick hinter die Firmenfassade

Die Bonität von juristischen Personen ist heute ebenso volatil wie jene der Privathaushalte. Laufend werden neue Unternehmen gegründet, ebenso viele schliessen tagtäglich ihre Türen. Eine umfassende Abklärung der Kreditwürdigkeit bei Unternehmen schliesst nicht nur die Prüfung der Zahlungsfähigkeit, sondern auch Aspekte wie Firmengeschichte und Zahlungsmoral der Firmenvertreter ein.

Gemeinsame Datenpools für einen umfassenden Überblick

KMU und Grossunternehmen können heute mit überschaubarem Aufwand ein wirkungsvolles Kreditrisikomanagement betreiben. Die Grundlage dazu bieten umfassende Datenpools, wie beispielsweise der Credit Decision Datenpool. Die Datenbank steht ausschliesslich einer geschlossenen Benutzergruppe von akkreditierten KMU und Grossunternehmen zur Verfügung. Die Partner des Pools haben Zugang zu Informationen der übrigen Partner und verpflichten sich ihrerseits, Daten aus überfälligen Forderungen in den Datenpool einzubringen. Damit wird ein firmen- und branchenübergreifender Zugriff auf gesicherte Erfahrungswerte möglich und die laufende Aktualisierung der Daten ist sichergestellt. Credit Decision wird in der praktischen Anwendung eingesetzt, um Kreditentscheide bzw. Verkaufsentscheide im Tagesgeschäft schnell und sicher abzustützen. Unter den Anwendern finden sich Banken, Versicherungen und andere Grossfirmen, aber auch zahlreiche KMU, die Private oder Firmen beliefern.

Online-Abfrage direkt am Verkaufspunkt

Im Einzelkundengeschäft müssen täglich viele Kreditentscheidungen in kürzester Zeit gefällt werden. Sobald bargeldlose Geschäfte abgeschlossen werden - zum Beispiel Abonnemente, Miete oder Leasing - werden die Identifikation des Kunden und die Abklärung seiner Bonität unerlässlich. Die für den Kreditentscheid notwendigen Eckdaten sind dank Verknüpfung des Datenpools mit der IT-Umgebung des Unternehmens direkt am Verkaufspunkt in Echtzeit greifbar. Bei grösseren Mengen von Anfragen und Bestellungen sind individuelle Online-Abfragen zu zeitaufwändig. Mit einem Offline-Abgleich der Kundendaten mit den Adress- und Bonitätsdaten des Datenpools lassen sich täglich oder in einem anderen Rhythmus Scoring-Listen erstellen, die aufzeigen, welchen Kunden das Vertrauen geschenkt werden darf und wo Vorsicht geboten ist.

Das bekannte Sprichwort "Aus Schaden wird man klug" hat zumindest im Bereich der Debitorenrisiken seine Gültigkeit verloren. Mit einer adäquaten Risikobeurteilung können sich Betriebe jeder Grösse gegen Zahlungsverluste schützen und ihren finanziellen und personellen Aufwand für das Mahn- und Betreibungswesen nachhaltig senken.


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Letzte Änderung 25.10.2019

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