Konstruktive Kritik fördert die Kreativität

Die Angestellten zur Kritik an der Arbeit ihrer Kollegen aufzufordern, fördert die Kreativität und verbessert die Qualität der Ideen.

Jeden Morgen trifft sich eine Handvoll Trickzeichner und Informatiker der Pixar Studios in einem Videoraum, um die am Vorabend erstellten Sequenzen zu analysieren. Diese "Kritiksitzungen" sind häufig angespannt und erzeugen lebhafte Diskussionen zu winzigen Details. Doch laut Einschätzung des Unternehmens sind sie unverzichtbar, um die Kreativität der Mitarbeitenden anzuregen.

Die Sitzungen wurden perfektioniert, damit sie nicht in einen fruchtlosen Streit ausarten. Jeder negative Kommentar muss von einem positiven Vorschlag begleitet werden, wie das genannte Problem gelöst werden könnte. So wird aus einem Fehler der erste Schritt auf dem Weg zu einer Verbesserung. Diese Methode, die man "Plussing" nennt, stellt sicher, dass die Kritik immer konstruktiv erfolgt.

Charlan Nemeth, Psychologe an der University of Berkeley, wollte die Effizienz eines klassischen Brainstormings mit der einer kritischeren Methode vergleichen. Er teilte 265 Studierende in Gruppen à fünf Personen ein und bat sie, sich Lösungen zu überlegen, wie der Verkehrsfluss in San Francisco verbessert werden könnte. Die Gruppen mussten verschiedenen Anweisungen folgen. Einige sollten die strengen Regeln des klassischen Brainstormings einhalten, also der Fantasie freien Lauf lassen, ohne dass Kritik geäussert werden durfte. Andere hatten das Recht zu diskutieren und die eingebrachten Vorschläge zu kritisieren. Das Ergebnis: Die Diskussionen bewirkten, dass 25% mehr Vorschläge gemacht wurden! Siehe auch:

Gesunder Ärger fördert die Kreativität

Ein Gespräch über die geäusserten Ideen verpflichtet somit jeden dazu, über die Arbeit seiner Kollegen nachzudenken und nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. So kann auch besser eingesehen werden, dass sich jeder mal irren kann, und es wird leichter, Kritik an der eigenen Arbeit anzunehmen. Zudem spüren diejenigen, die an den Kritiksitzungen teilnehmen, dass sie eine wichtige Aufgabe haben und die Fehler der anderen erkennen müssen. Sie fühlen sich stärker verantwortlich.

Hinzu kommt, dass offenbar der Ärger, den die Kritik der Kollegen bei einem betroffenen Mitarbeiter auslöst, zumindest kurzfristig die Kreativität anregt, wie eine Studie der niederländischen Forscher Matthijs Baas, Carsten De Dreu und Bernard Nijstad belegt. Darin verglichen sie hinsichtlich der Aufgabe, Lösungen für den Umweltschutz zu finden, die Leistung verärgerter Personen mit der Leistung von Personen, die in einer neutralen Stimmung waren. Die erste Gruppe brachte originellere Ideen hervor, auch wenn ihre Produktivität bezüglich der Ideenfindung anschliessend rasch zurückging.

Quelle: Imagine: How Creativity Works, Jonah Lehrer, Houghton Mifflin Harcourt.


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Letzte Änderung 13.10.2015

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