Einfaches Brainstorming reicht nicht

Das Brainstorming gilt als Universalmethode, um in einer Gruppe Ideen zu entwickeln, doch in der Realität sind die Ergebnisse häufig enttäuschend.

Die Brainstorming-Technik wurde Ende der 1940er Jahre von Alex Osborn, dem Mitbegründer der Werbeagentur BBDO in New York, entwickelt. Er sah darin die ideale Form für kreative Prozesse in Gruppen. Die Regeln sind einfach: Die Gruppenmitglieder sollen so viele Ideen wie möglich äussern, indem sie die Ideen der anderen aufgreifen. Es ist verboten, die Vorschläge zu kritisieren, um zu verhindern, dass eine Person aus Angst vor negativen Reaktionen nichts sagt.

In einem Brainstorming liegt der Fokus also auf der Quantität und nicht auf der Qualität. Man fordert die Mitarbeitenden auf, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen, keinen auch noch so abwegigen Gedanken zu zensieren und Assoziationen zu suchen. Zum Beispiel gibt man ihnen das Wort "blau" vor und sie sollen dann alles sagen, was ihnen bei diesem Begriff in den Sinn kommt.

Tatsächlich ist die Methode häufig nicht wirksam

Das Problem mit dem Brainstorming ist, dass es offenbar nicht funktioniert. Bereits 1958 führte eine Studie an der University of Yale zu Ergebnissen, die in diese Richtung gingen. Eine Gruppe von 48 Studierenden wurde in 12 Gruppen eingeteilt und sollte Lösungsvorschläge für eine Reihe kognitiver Probleme finden. Eine andere Gruppe mit ebenfalls 48 Personen bekam dieselben Aufgaben, jedoch sollte sie jeder für sich lösen. Die Ergebnisse sind sehr aufschlussreich: Diejenigen, die allein an dem Problem arbeiteten, fanden doppelt so viele Antworten wie die Brainstorming-Gruppen. Ausserdem waren die Lösungen, die sie sich überlegten, um einiges "machbarer" und "effizienter" - mit anderen Worten besser.

Später haben viele weitere Studien den Versuch mit einer grösseren Zahl von Testpersonen und mit verschiedenen Arten von Problemstellungen wiederholt. Alle scheinen zum selben Schluss zu kommen: Es ist sinnvoller, alleine nachzudenken und die Ideen anschliessend zusammenzubringen, um sie zu kritisieren und somit zu perfektionieren. Siehe auch:

Warum funktioniert das Brainstorming nicht?

Dass der gewünschte Effekt beim Brainstorming ausbleibt, liegt wohl an der Trägheit, die bei den Teilnehmenden erzeugt wird: Wenn jeder Recht hat und alle Ideen gelten - warum soll man sich dann den Kopf zerbrechen, um innovative Lösungen abseits der gewohnten Wege zu finden? Zudem führt die Methode der freien Gedankenassoziation häufig zu enttäuschenden Ergebnissen. Auf die Frage nach Assoziationen zum Wort "blau" antworten viele Menschen "Himmel", gefolgt von "Meer" und "grün". Unsere Sprache ist voll von nutzlosen Klischees, die wir bei einem Brainstorming gerne einfach reproduzieren.

Quellen: Imagine: How Creativity Works, Jonah Lehrer, Houghton Mifflin Harcourt, 2012 sowie der nebenstehende Link.


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Letzte Änderung 24.10.2018

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