Kreativität als Wachstumsmotor

Wenn Unternehmen die Kreativität fördern wollen, geschieht das nicht aus Idealismus. Innovationen, die daraus entstehen können, sind eine lukrative Einnahmequelle.

Dem Thema Kreativität wurde in den letzten Jahren in den Unternehmen erhebliche Aufmerksamkeit zuteil. In der IBM-Umfrage Global CEO Study aus dem Jahr 2010 war sie in den Augen der Firmenchefs die wichtigste Führungsqualität. Mehr als 60% der 1'500 befragten CEO aus der ganzen Welt sehen Kreativität als eine der wichtigsten Managementfähigkeiten an, womit sie vor Integrität (52%), globalem Denken (35%), Autorität (30%) und einer offenen Geisteshaltung (28%) platziert ist.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Kreativität bringt neue Konzepte, Patente und Produkte hervor. Sie ist der Motor für jede Innovation. Das Thema Kreativität ist nicht nur für die grossen Konzerne wie Swatch, Apple oder Novartis von Bedeutung. Auch KMU können auf neue Ideen kommen und mit ihren Innovationen das Firmenwachstum beflügeln. Die Schweiz, die mit einem besonders kreativen Wirtschaftsgeflecht, günstigen Bedingungen für Start-ups sowie international renommierten Hochschulen und Labors aufwartet, geht im internationalen Vergleich regelmässig als Innovations-Weltmeisterin hervor. 2014 belegte das Land den ersten Platz im Innovationsranking, das vom INSEAD und der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) erstellt wurde. Auch im Innovation Union Scoreboard, dem Ranking der Europäischen Kommission zu den innovativsten Ländern in Europa, ist die Schweiz Spitzenreiterin. Sie überzeugt besonders durch ihre herausragenden Leistungen in der Forschung (wissenschaftliche Publikationen, Patente etc.). All erdings bringen ihre KMU intern nicht genügend Innovationen hervor und arbeiten untereinander zu wenig zusammen, so das Fazit des europäischen Berichts.

Kreativitätsförderung in der Schweiz

In der Schweiz mangelt es kreativen Unternehmerinnen und Unternehmern nicht an Unterstützung, wenn es darum geht, ihre Ideen umzusetzen. Zahlreiche öffentliche und private Organisationen bieten Hilfestellung bei Firmengründungen und Innovationen an. So werden zum Beispiel im Rahmen des Programms "venturelab", das von der schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse finanziert wird, Start-up-Trainings veranstaltet. Und der private Fonds "venture kick" wählt junge Talente aus und fördert deren Projekte mit bis zu CHF 130'000 unter der Voraussetzung, dass ihre Erfindungen an einer Hochschule entstanden sind. Ausserdem verfügt die Schweiz über Technologieparks, in denen sich kreative Start-ups ansiedeln sollen, zum Beispiel den Technopark Zürich oder das Innovationsquartier an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL). Und nicht zuletzt gibt es auch noch private Kreativitätsschmieden wie das Swiss Creative Center in Neuenburg.

Der Höhenflug der Kreativität begann am Ende des 20. Jahrhunderts

Kreativität wurde in der Wirtschaftswelt nicht immer so hoch geschätzt wie heute. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts erlangte sie die Bedeutung, die man ihr heute beimisst. Diese Entwicklung hat im Wesentlichen drei Ursachen:

  1. In den Industriestaaten erfuhr die Wirtschaft einen Strukturwandel hin zu einer zunehmenden Tertiarisierung. Sie basiert immer stärker auf dem Dienstleistungssektor, dessen "Rohstoffe" Ideen, Marken und andere immaterielle Güter sind.
  2. Die Globalisierung bringt eine neue internationale Arbeitsteilung mit sich: Die Produktion wurde in Länder mit niedrigen Lohnkosten verlagert und die westlichen Volkswirtschaften haben sich auf Spitzentechnologien, Konzeptentwicklung, Design und Marketing konzentriert.
  3. Die Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien hat den Unternehmen neue Möglichkeiten für ihre Organisation eröffnet. Diese können ihren Fokus nun auf Tätigkeiten mit hoher Wertschöpfung richten, insbesondere auf die Produktion immaterieller Güter.

In der Automobilindustrie beispielsweise beruht der Erfolg heutzutage vor allem auf dem Markenauftritt, dem Gesamtkonzept und dem After-Sales-Service. In den 70er Jahren kam es dagegen für einen Marktführer in dieser Branche in erster Linie darauf an, sich mit technischen Fakten wie zum Beispiel den Hubraumwerten durchzusetzen.

Kreativität und Innovation - Konkurrenz aus den Schwellenländern

Zwar kann sich die Schweiz gegenwärtig mit ihrer Kreativität und Innovationskraft brüsten, doch darf sie sich keinesfalls auf ihren Lorbeeren ausruhen. Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien investieren in diesen Bereich, um ihre Leistungen denen der Industrieländer anzugleichen. Sie haben die wachsende Bedeutung der Kreativindustrie und ihr Wachstumspotenzial erkannt. Und das ist noch nicht alles: Ein weiterer Vorteil der Kreativbranche besteht darin, dass sie Wirtschaftskrisen offenbar besser standhalten kann als die traditionelle Industrie. Das stellte sie während der Rezession 2008 unter Beweis, wie im Bericht "Creative Economy" betont wird, der 2010 vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) veröffentlicht wurde.

Ein Beispiel für die Entwicklung in den Schwellenländern ist die Filmindustrie in Nigeria, auch Nollywood genannt, die einen Jahresumsatz von mehr als USD 9 Milliarden erwirtschaftet. Sie belegt damit weltweit den dritten Platz hinter den USA und Indien. Die Kinobranche ist nach der Mineralölindustrie inzwischen der zweitgrösste Wirtschaftszweig des Landes. Nun ist es also an den Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmern zu zeigen, dass sie ihren Titel als Innovations-Champion auch langfristig verteidigen können.

Quellen: siehe Links


Informationen

Letzte Änderung 27.09.2019

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