Kreative Führung

Innovation entsteht nicht aus dem Nichts heraus: Sie braucht einen Chef oder eine Chefin, der oder die sie in die richtigen Bahnen lenkt und sich dabei flexibel, neugierig und offen für ungewohnte Ideen zeigt.

Damit Kreativität in einem Unternehmen gedeihen kann, bedarf es einer fähigen Führungskraft, eines Anführers, der seine Truppen begeistert und sie zu Innovationen ermuntert. Eine solche Person sollte folgende Eigenschaften aufweisen:

  • Offenheit. Sie muss offen für Neues sein und Pioniere unterstützen, was impliziert, dass sie manchmal auch Ideen fördert, die auf den ersten Blick schräg oder riskant erscheinen. Vor allem gilt es, diese Ideen vor der Bürokratie und der Paragrafenreiterei zu schützen, die in vielen Organisationen die Vormacht haben. Zur Aufgabe der Führungsperson kann auch gehören, Beiträge zu unterstützen, die aus einem anderen Umfeld stammen.
  • Visionen. Sie motiviert ihre Angestellten mithilfe einer Vision, die geeignet ist, sie in ihren Entscheidungen zu leiten und sie zu inspirieren. Im Idealfall erfasst dieses "Programm" die Ethik, die Geschichte und die Philosophie des Unternehmens - also seine gesamte DNA - und kann auch für die externe Kommunikation verwendet werden.
  • Geduld. Sie sollte mit Ungewissheit umgehen können. Sie lässt sich nicht zu überstürzten Entscheidungen und allzu offensichtlichen Lösungen hinreissen und weiss, dass ein kreatives Chaos vonnöten ist, bevor man die Lösung klar vor Augen hat. Dafür benötigt man ein gewisses Mass an Geduld und Beharrlichkeit.
  • Neugier. Sie ist mit einer grenzenlosen Neugier ausgestattet, ist wiss- und lernbegierig und stellt gern Fragen. Sie interessiert sich für alles, da sie weiss, dass eine gute Idee oftmals da zu finden ist, wo man am wenigsten damit rechnet. Darüber hinaus hat sie viel Fantasie und kann sich auf Träume einlassen, wobei sie immer im Hinterkopf hat, dass es zwischen der realen und der idealen Situation eine Kluft gibt, die es zu überbrücken gilt. Allerdings muss sie aufpassen, sich nicht von der ständigen Informationsflut überschwemmen zu lassen: Es kann schnell passieren, dass man aus Angst, eine Chance zu verpassen, die Konzentration verliert. Mit zunehmender Erfahrung wird sie lernen, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren, um eine derartige Zerstreuung zu vermeiden.
  • Humor. Kreativität kann am ehesten in einem spielerischen Kontext entstehen. Eine gute Führungsperson kann diese Atmosphäre herstellen und dabei dennoch ernsthaft bleiben. Dazu gehört, dass man spielerisch mit den Grenzen umgeht, die Flexibilität von Regeln auf die Probe stellt und neue Ideen ganz ungezwungen ausprobiert.
  • Flexibilität. Flexibilität ist unerlässlich. Man muss in der Lage sein, seinen Führungsstil an die Gegebenheiten anzupassen. David Horth und Charles Palus, zwei Forscher am Center for Creative Leadership in den USA, berichten von einer Transport- und Abschleppfirma, die drei verschiedene Arten des Managements eingeführt hat. Die erste ist ein klassischer Ansatz, der zum Einsatz kommt, wenn der Verkehr normal, stabil und planbar ist. Die zweite, der sogenannte Jazz-Modus, ist für angespanntere Phasen vorgesehen. Und die dritte, der Stau-Modus, soll dabei helfen, besonders chaotische Situationen zu regeln. Die letzten beiden Management-Arten bringen ein gewisses Mass an Improvisation in den Entscheidungsprozess, der weniger dem ʺTop-Downʺ-Prinzip folgt und sich von den vorher festgelegten Abläufen entfernt.
  • Aufmerksamkeit. Eine kreative Führungsperson muss es sofort erkennen, wenn sie eine gute Idee vor der Nase hat. Heute neigen Unternehmen mitunter dazu, die Ideen ihrer eigenen Angestellten zu übersehen und sich eher auf externe Agenturen oder Berater zu stützen. Um das zu vermeiden, sollte man diejenigen zu Rate ziehen, die dem Problem am nächsten stehen, und eine Atmosphäre schaffen, die sie ermuntert, sich auszudrücken und Verbindungen zwischen ihren persönlichen Interessen und ihrer Arbeit herzustellen. Häufig funktioniert das am besten über ein gutes Vorbild: Eine kreative Führungsperson sollte sich selbst ein solches Verhalten aneignen.
  • Kritik annehmen. Wer die besten Ideen haben will, muss sich hin und wieder der Kritik aussetzen. Es ist wichtig, offen für die Standpunkte Andersdenkender zu sein, die die etablierte Ordnung in Frage stellen oder einen Gegenpol zu den eigenen vorgefassten Meinungen bilden. Für das Entstehen von Kreativität ist eine Perspektivenvielfalt unverzichtbar.

Quelle: Creative Leadership: Skills That Drive Change, Marie Mance, Mary Murdock und Gerard Puccio, Sage Publications, 2011.


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Zitate zum Thema Kreativität

"Kreativität erfordert Mut."
Henri Matisse, französischer Maler, Hauptvertreter des Fauvismus

Letzte Änderung 24.10.2018

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