Wie die Raumaufteilung die Kreativität fördern kann

Die kreativsten Unternehmen sind oftmals diejenigen, in denen die Mitarbeitenden häufig miteinander interagieren.

Die Art und Weise, wie die Arbeitsräume in einem Unternehmen organisiert sind, kann die Kreativität der Angestellten beeinflussen. Tom Allen, Forscher an der Harvard University, zeigte in einer Studie, dass die Beschäftigten, die am meisten mit ihren Kolleginnen und Kollegen kommunizierten, auch am meisten innovative Ideen entwickelten. Diese berieten sich bei jedem Vorhaben mit vier bis neun anderen Menschen, während die weniger kreativen Angestellten nur mit einer oder zwei Personen sprachen.

Ausserdem fand der Forscher heraus, dass ein Austausch mit einem Kollegen oder einer Kollegin am Nebentisch zehnmal so wahrscheinlich ist wie der mit einer Person, die 50 Meter weit entfernt sitzt. Er kam zu dem Schluss, dass der beste Ort für Gespräche immer noch der Kaffeeautomat ist.

Räumliche Nähe stärken

Isaac Kohane, Forscher an der Harvard Medical School, führte eine ähnliche Studie durch: Er untersuchte die Auswirkungen der räumlichen Nähe zwischen zwei Wissenschaftlern auf die Qualität ihrer Forschungen, die daran gemessen wurde, wie häufig sie zitiert wurden. Das Ergebnis: Die besten Artikel entstanden, wenn beide Autoren rund zwei Meter voneinander entfernt sassen. So hatten sie die Möglichkeit, viel miteinander zu sprechen und die Qualität ihrer Arbeit zu verbessern.

Diese Art von horizontaler Interaktion kann dadurch gefördert werden, dass Arbeitsgruppen gemischt und physische Barrieren entfernt werden, die das Aufkommen spontaner Gespräche verhindern. Das heisst, dass die Aufteilung der Mitarbeitenden auf die Arbeitsplätze nicht zwangsläufig einer Logik nach Abteilungen oder Hierarchien folgen muss: Man kann Ingenieure mit Designern mischen, die Kreativen neben die Marketing-Experten setzen oder sich als Chefin oder Chef mitten im Kreis seiner Untergebenen niederlassen.

Totale Beliebigkeit vermeiden

Man muss jedoch aufpassen, nicht der Versuchung zu erliegen, alle räumlichen Zuordnungen gänzlich aufzugeben. Die Werbeagentur TBWA Chiat Day hat das in den 90er Jahren ausprobiert: Sie schuf die personengebundenen Arbeitsplätze ab und ersetzte sie durch ein offenes System, in dem die Angestellten an jedem Morgen neu entscheiden konnten, wo sie sitzen möchten. Der Gedanke dabei war, dass sich die Angestellten in Abhängigkeit von ihren gemeinsamen Projekten zusammensetzen würden. In der Realität bewirkte diese Raumaufteilung eher, dass Interaktionen verhindert wurden: Die Mitarbeitenden wussten nie, wo sich die Person, die sie suchten, gerade befand.

Die Idee eines "dritten Raums"

Sehr viel effizienter ist es, wenn man versucht, Interaktion an eigens dafür vorgesehenen Orten zu stärken. Diese Räume, die der Soziologe Ray Oldenburg den "dritten Raum" nennt, weil es sich dabei weder um das Zuhause (den ersten Raum) noch um den Arbeitsplatz (den zweiten Raum) handelt, sind in gewisser Weise verbesserte Versionen des Treffpunkts am Kaffeeautomaten.

Da diese Räume weder mit privaten Gefühlen noch mit Gedanken an Arbeit verbunden sind, bieten sie den Angestellten die Möglichkeit, sich zum Beispiel bei einer Tasse Kaffee oder einem anderen Getränk in einem entspannten Rahmen zu unterhalten und Ideen auszutauschen. Das kann ein extra dafür vorgesehener Freizeitraum sein, die Kantine, ein Bistro oder ... die Toilette. Wo auch immer sich der Ort befindet - wichtig ist, dass man die Mitarbeitenden dazu ermuntert, ihn zu nutzen.

Quelle: Imagine: How Creativity Works, Jonah Lehrer, Houghton Mifflin Harcourt.


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Letzte Änderung 13.10.2015

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