Techniken für Zukunftsvorhersagen

Mit diesen Techniken werden die Folgen künftiger Entwicklungen für die Leistungen des Unternehmens möglichst präzise eingeschätzt.

2. Phase:
Die Zukunft verstehen

In der zweiten Phase müssen die gesammelten Informationen verdichtet, selektiert, diskutiert und bewertet werden. Es gilt die folgenden Fragen zu beantworten: Was bedeutet ein(e) Trend/Entwicklung für mein Unternehmen? Welche Auswirkungen sind möglich, wahrscheinlich, wünschenswert, bedrohlich oder sogar gestaltbar? Und was kann ich heute tun, um mein Unternehmen darauf vorzubereiten?

Brainstorming

Brainstorming ist eine Methode zur Ideenfindung, bei der eine Gruppe von Personen zu einem bestimmten Thema spontan und assoziativ in möglichst kurzer Zeit Ideen sammelt. Im Zusammenhang mit dem Foresight-Prozess dient diese Methode dem Finden von Ideen, z. B. in Form von Innovationen, neuen Geschäftsfeldern bzw. zur Entwicklung neuer Produkte oder Services.

Praktische Tipps:

  • Als Grundregel gilt, dass negative Kritik während des Brainstormings verboten ist. Würgen Sie Ideen nicht von vornherein ab. Was verrückt klingt, ist vielleicht DIE Zukunftsidee.
  • Wenn möglich, sollten auch Kunden, Lieferanten, branchenfremde Personen und Personen verschiedenster Altersgruppen an einem solchen Brainstorming teilnehmen.
  • Stichwortartig sollten alle Aussagen festgehalten werden. In einem zweiten Schritt können die gesammelten Stichworte nach Leitideen oder Themenschwerpunkten sortiert werden. Jeder Teilnehmer bewertet nun für sich die drei besten Aussagen z. B. durch eine Punktevergabe. So können Prioritäten für die weitere Bearbeitung festgelegt werden.

Trendextrapolation

Nach der Methode der Trendextrapolation dürfen aktuelle Trends und Entwicklungen geradewegs in die Zukunft verlängert werden. Diese Massnahme wird oft intuitiv angewendet und liefert zumindest kurz- bis mittelfristig eine brauchbare Orientierung für KMU. Für einen längerfristigen Zukunftshorizont ist diese Methode allerdings ungeeignet, da es mit steigendem Zukunftshorizont auch zu einer zunehmenden Unsicherheit und zu unvorhersehbaren Ereignissen kommen kann.

Praktische Tipps:

  • Bei der Trendextrapolation wird eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit für bestimmte Entwicklungen zugrunde gelegt. Die Schwierigkeit liegt allerdings darin, die verschiedenen Trends objektiv nach ihrer "wahren" Wahrscheinlichkeit zu bewerten. Für manche Entwicklungen - bspw. die Alterung der Gesellschaft - existieren relativ gesicherte Eintrittswahrscheinlichkeiten. Bei anderen Umfeldentwicklungen sollte das Unternehmen stets die eigenen und gängigsten Annahmen hinterfragen.
  • Verlassen Sie sich nicht einzig auf Trendextrapolationen. Stellen Sie sich zumindest noch die Frage: Könnte es auch ganz anders kommen? Unter welchen Umständen könnte es ganz anders kommen?

Delphi-Technik

Der Delphi-Technik liegt die Annahme zugrunde, dass eine Gruppe von Experten mehr Wissen über einen Gegenstand oder eine Entwicklung besitzt als ein Individuum. Ziel eines Delphi ist es, einen möglichst zuverlässigen Konsens innerhalb einer Expertengruppe durch mehrere schriftliche Befragungen mit zwischenzeitlichen Auswertungen herzustellen. Die Experten geben ihre Meinungen und Einschätzungen unabhängig voneinander ab, sodass es hier zu keinen gegenseitigen Beeinflussungen kommen kann.

Praktische Tipps:

  • Ein so genanntes Mini-Delphi kann jedes KMU im eigenen Unternehmen durchführen, indem es Spezialisten aus verschiedenen Abteilungen oder auch qualifizierte Kunden und Lieferanten zu einem bestimmten aktuellen Zukunftsthema (z. B. Branchenveränderung, Technologieentwicklungen oder neu entstehende Märkte) befragt.
  • Konzentrieren Sie sich auf wenige Fragen und verlangen Sie kurze Begründungen für die Einschätzungen der Befragten.
  • Eine Expertenbefragung kann auch regelmäßig erfolgen. Sie können beispielsweise einmal monatlich ein "Future Lunch" abhalten, um in lockerer Atmosphäre verschiedene Zukunftsthemen zu diskutieren bzw. zu bewerten.

Roadmapping

In der Zukunftsforschung bedeutet Roadmapping eine zeitliche Etappierung einer zu erwartenden Entwicklung bis zu ihrer Umsetzung. Es ermöglicht das Strukturieren und eine grobe Planung von Entwicklungsstadien über einen längeren Zeitraum. Langfristige Trends können somit in ihren verschiedenen Phasen aufgezeigt werden, wobei Unsicherheiten und alternative Entwicklungsrichtungen berücksichtigt werden.

Praktische Tipps:

  • Die Umsetzung einer Roadmap erfolgt grafisch und ähnelt einer Landkarte. Auf dieser Landkarte sind verschiedene mögliche Wege und Zusammenhänge abgebildet.
  • Zum Aufbau einer Roadmap müssen zunächst Meilensteine, Ereignisse oder Aktivitäten identifiziert werden. Anschließend werden diese Elemente in einer übergeordneten Struktur durch Pfeile miteinander in Beziehung gesetzt.
  • Neben technologischen Roadmaps eignet sich diese Technik auch zur transparenten Darstellung von Markt- und Strategieentwicklungen, Produktstadien, Prozessen oder Organisationsstrukturen, aber vor allem auch als Orientierungs-, Entscheidungs- und Kommunikationsinstrument.  

Szenario-Technik

Das Ziel der Szenario-Technik besteht darin, mehrere alternative Zukunftsbilder zu entwerfen. Im Gegensatz zur Trendextrapolation, in der es nur eine geradlinige, vorhersagbare Zukunft gibt, bieten Szenarien ein Spektrum möglicher, wünschenswerter, wahrscheinlicher oder zu vermeidender Zukunftsentwicklungen.

Praktische Tipps:

  • Szenarien helfen, Handlungsoptionen auf Vorrat zu schaffen - um auf unterschiedliche Entwicklungen vorbereitet zu sein. Zudem können sie hervorragend als Kommunikationsgrundlage innerhalb des Unternehmens dienen, da sie komplexe Zukunftsentwicklungen transparent und zusammengefasst darstellen.
  • Szenarien können in Form einer schriftlichen Ausarbeitung, eines Animationsfilms, eines Comics oder anderen visuellen Darstellungsformen aufbereitet werden.
  • Dennoch ist bei der Szenario-Technik Vorsicht geboten, denn oftmals ist sie sehr aufwendig und wird als wenig ergebnis- und handlungsorientiert für KMU angesehen.
  • Als Alternative können Sie bereits bestehende Branchen- oder Länderszenarien verwenden und Ihr Unternehmen in diese Szenarien hinein projizieren. Oftmals haben staatliche Foresight-Programme, große Konzerne oder übergeordnete Verbände bereits Szenarien eines Marktes oder einer Technologie erstellt und auch veröffentlicht.
  • Ziehen Sie einen Szenario-Experten bei, der Ihnen methodisch unter die Arme greift.

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Letzte Änderung 13.10.2015

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