Umfeldanalyse und Trendforschung

1. Phase:
Sammeln und bündeln von Trends und frühen Signalen

In der Input-Phase des Foresight-Prozesses gilt es, Informationen über Trends zu sammeln und zu bündeln, welche die Zukunft des Unternehmens tangieren können. Aus der Beobachtung dieser Trends und Signale entwickelt sich im Idealfall ein kompetentes Früherkennungssystem.

Engere Umfeldanalyse

Bei der engeren Umfeldanalyse wird im näheren Umfeld des eigenen Unternehmens nach Trends und frühen Signalen gesucht. Zum näheren Umfeld gehören jene Faktoren, welche die Entwicklung des Unternehmens, seiner Märkte und seiner Produkte direkt beeinflussen. Informationen über Trends können von Mitarbeitern, Kunden, Wissenschaftlern, Lieferanten, Wettbewerbern, Experten sowie aus Off- oder Online-Publikationen stammen.

Praktische Tipps:

  • Sie können gerichtet suchen (das heisst auf gewisse Themen fokussiert) oder ungerichtet (also ohne Vorannahmen darüber, was wahrscheinlich wichtig ist für Ihren Betrieb). Insbesondere kleinen Unternehmen ist eine Fokussierung der Umfeldanalyse anzuraten.
  • Stellen Sie 8-12 Thesen über die Zukunft auf. Diskutieren Sie diese mit Mitarbeitern, Kollegen, Lieferanten und Kunden. Sammeln Sie Hinweise, welche die These stützen. Ebenso listen Sie jene Signale auf, die eher dagegen sprechen. Überprüfen Sie Ihre Thesen von Zeit zu Zeit.
  • Akzeptieren Sie eine gewisse Unschärfe der Ergebnisse. Insbesondere frühe Signale sind meist schwach und nicht belegbar - aber umso wertvoller, wenn sie sich als echte Frühsignale entpuppen. Bleiben Sie trotzdem kritisch gegenüber jeder Quelle.
  • Qualität kommt vor Quantität: Verlieren Sie sich nicht in einer Fülle unsortierter Informationen.

Weitere Umfeldanalyse

Im Unterschied zur engeren Umfeldanalyse schliesst die weitere Umfeldanalyse auch die abstrakteren Megatrends (= strukturelle Verschiebungen der Art, wie Wirtschaft und Gesellschaft funktionieren) mit ein, die aus dem weiteren Umfeld Einfluss auf das Unternehmen nehmen. Beispiele sind die zunehmende Individualisierung, die demographische Entwicklung oder die Klimaveränderung. Verfolgen Sie diese Megatrends kontinuierlich im Hinblick auf deren weiteren Entwicklung und auf die möglichen Auswirkungen und Relevanz für das eigene Unternehmen.

Praktische Tipps:

  • Verschiedene Zukunfts-Think-Tanks haben Megatrends herausgearbeitet und ins Internet gestellt. Geben Sie ʺMegatrends" in eine Suchmaschine ein und stellen Sie sich Ihre eigene, bedürfnisgerechte Liste zusammen.
  • Für KMU kommt es auf eine klare Kennzeichnung von wenigen spezifischen, aber höchst relevanten Megatrends an.
  • Verschiedene interessierte und engagierte Mitarbeiter können das Monitoring bzw. die kontinuierliche Überwachung von einzelnen Megatrends übernehmen.
  • Fragen Sie sich stets, ob Ihr Unternehmen auf lange Sicht von relevanten Megatrends profitiert oder mit manchen in Konflikt steht.

Früherkennungssystem

Vielen grösseren Trends bzw. Trendbrüchen (Diskontinuitäten) gehen schwache Signale voraus. Schwache Signale sind noch nicht gesicherte Erkenntnisse über Veränderungen, aber sie können Anzeichen dafür sein. Ein Früherkennungssystem sammelt systematisch und kontinuierlich diese schwachen Signale und bewertet sie nach ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit, ihren Auswirkungen und gegenseitigen Abhängigkeiten.

Praktische Tipps:

  • Die Umsetzung eines solchen Früherkennungssystems kann bei KMU damit beginnen, dass eine Datenbank - z. B. im Intranet - eingerichtet wird, in der schwache Signale gesammelt, geordnet, vernetzt und auf ihre Relevanz hin bewertet werden.
  • Schwache Signale können Sie auf Websites, in Zeitschriften, in Kunden- oder Mitarbeitergesprächen finden. Beachten Sie Indikatoren, die z. B. das Eintreten einer Krise oder einen Technologiesprung ankündigen.
  • Um ein kontinuierliches Monitoring zu gewährleisten, sollten einzelne engagierte Mitarbeiter zu "Früherkennungssensoren" herangebildet werden.
  • Der thematische und zeitliche Horizont sollte bei einem Früherkennungssystem für KMU stets fokussiert sein, da sonst zu viele Ressourcen bei einer weiten oder ungerichteten Recherche verloren gehen.

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Letzte Änderung 04.01.2016

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