Nur 15,3% der Start-ups, die zwischen 2021 und 2025 in der Schweiz gegründet wurden, werden von Frauen geleitet. Diese Situation lässt sich insbesondere durch einen ungleichen Zugang zu Kapital erklären. Zwei Expertinnen erläutern Strategien, mit denen sich hartnäckige Vorurteile bekämpfen lassen.

Die Gründungsaktivität von Frauen in der Schweiz nimmt zu, doch die Gründerinnen sind weiterhin eindeutig in der Minderheit. Zwischen 2016 und 2020 betrug der Anteil der von Frauen gegründeten Start-ups 10,8%. Dieser Prozentsatz erhöhte sich für den Zeitraum zwischen 2021 und 2025 auf 15,3%. Auch wenn sich die Situation verbessert hat, bleiben Gründerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen unterrepräsentiert. "Der Spielraum für Verbesserungen ist nach wie vor sehr gross, und es ist noch zu früh, um zu behaupten, dass die Verringerung der Kluft einem grundlegenden Trend entspricht", konstatiert Patricia Montesinos, Gründerin des Zürcher Thinktanks FE+MALE, der sich für die Förderung der Geschlechtervielfalt im Unternehmertum einsetzt.
Im Jahr 2024 haben von Frauen gegründete oder mitgegründete Unternehmen in der Schweiz einen Rekordbetrag von CHF 290 Millionen eingeworben. Der E-Commerce-Sektor wies den höchsten Anteil an Gründerinnen auf (28%), gefolgt vom Gesundheitswesen (19%). "Unsere Sensibilisierungsarbeit zeigt Wirkung und hat bei Investoren zu einem gewissen Bewusstsein für Diversität und Vorurteile geführt. Nun müssen sich die Absichten weiterentwickeln, damit sich diese Erkenntnis auch weiterhin in Ergebnissen niederschlägt", fährt Patricia Montesinos fort. Obwohl das Ergebnis einen Anstieg von 22% gegenüber 2023 bedeutet, macht es dennoch nur 9,3% der insgesamt eingeworbenen Mittel aus. Und zahlreiche Untersuchungen belegen, dass bei der Finanzierung von Start-ups ein erhebliches Geschlechtergefälle besteht. Diese Diskrepanz spiegelt anhaltende strukturelle Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen beim Zugang zu Unternehmensfinanzierungen wider. Einige Vorurteile sind nach wie vor tief verwurzelt, doch lassen sie sich durch gezielte Strategien vorhersehen und abmildern.
Lernen, die Investoren zu überzeugen
Laut einer Studie, die 2024 und 2025 von der HES-SO durchgeführt wurde, sehen sich Unternehmerinnen mit fünf typischen Vorurteilen konfrontiert. Das erste betrifft die Risikobereitschaft: Da Frauen bei der Präsentation ihrer Projekte in der Regel vorsichtiger sind, können sie im Vergleich zu Männern als weniger ehrgeizig wahrgenommen werden. Gründerinnen können dieses Vorurteil jedoch zu ihrem Vorteil nutzen. "Ein realistischer und gut dokumentierter Plan kann Vertrauen schaffen. Es geht darum, den Investoren zu vermitteln, dass die vorgelegten Zahlen fundiert sind und belegt werden können", erklärt Line Pillet, die diese Studie als Leiterin des Instituts für Entrepreneuriat & Management der HES-SO Valais-Wallis geleitet hat.
Ein zweites Vorurteil betrifft die Verbundenheit der Gründerinnen mit den Werten ihres Projekts, die sie oft als entscheidender ansehen als die Aussicht auf eine finanzielle Rendite. Diese Haltung ist keineswegs selten: 60% der Unternehmerinnen geben laut dem Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2025 an, von einem sozialen oder ökologischen Ziel motiviert zu sein, gegenüber 45,9% der Männer. "Es herrscht immer noch eine gewisse Zurückhaltung im Verhältnis der Gründerinnen zum Thema Geld. Ein unternehmerisches Projekt muss jedoch rentabel sein. Bei einem Pitch vor potenziellen Investoren ist es unerlässlich, die finanzielle Tragfähigkeit des Projekts hervorzuheben und nicht nur die soziale Wirkung. Generell muss man wissen, wie man seine Argumentation an den Gesprächspartner anpasst", sagt Line Pillet.
An Mentoring-Programmen teilnehmen
In einem überwiegend männlich geprägten Umfeld aus Unternehmern und Investoren erweist sich die Suche nach Partnerschaften oft als sehr schwierig. "Einer der wichtigsten Hebel sind Mentoring-Programme, die das Selbstvertrauen von Gründerinnen in fortgeschrittenen Phasen der Unternehmensentwicklung stärken, indem sie Frauen untereinander vernetzen", betont Patricia Montesinos vom Thinktank FE+MALE. Es ist ebenfalls wichtig, sich mit Frauen zu umgeben, die denselben Weg gehen. In der Schweiz gibt es bereits entsprechende Netzwerke. Genuine beispielsweise bietet an, Frauen miteinander in Kontakt zu bringen, die ein Projekt verfolgen, ihm aber noch keine Struktur gegeben haben.
"Frauen, die Familie und Unternehmertum miteinander vereinbaren möchten, können auf das Netzwerk mampreneures zählen", erklärt Line Pillet. In der Deutschschweiz gilt dies auch für den Verband Frauenunternehmen (VFU) und den Verband Wirtschaftsfrauen Schweiz. Diese Initiativen zeugen von einer bereits gut angelaufenen kollektiven Dynamik, die nach wie vor entscheidend ist, insbesondere angesichts der weiterhin erheblichen strukturellen Ungleichheiten. "Frauen mit familiären Verpflichtungen sehen sich nach wie vor mit der Erwartung konfrontiert, rund um die Uhr verfügbar zu sein, was sich nur schwer mit den Anforderungen der Unternehmenswelt vereinbaren lässt", beobachtet Line Pillet.
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Frauen bei der Firmengründung eher zögerlich
Der jüngste Bericht des Global Entrepreneurship Monitor, dessen Schweizer Teil von der Hochschule für Wirtschaft Freiburg erstellt wird, kommt zu dem Ergebnis, dass der Unternehmergeist von Frauen weiterhin auf geschlechtsspezifische Ungleichheiten stösst. Die "Gründungsfreundlichkeit", die misst, wie einfach es ist, in der Schweiz ein Unternehmen zu gründen, wird von Männern insgesamt besser bewertet als von Frauen. Etwas mehr als 70% der männlichen Befragten empfanden die Gründung eines Unternehmens als "einfach", gegenüber weniger als 61% der Frauen. Im Jahr 2024 gaben zudem 44,4% der Erwachsenen an, über die notwendigen Kompetenzen und Kenntnisse zu verfügen, um ein Unternehmen zu gründen. Diese Zahl ist praktisch identisch mit derjenigen von 2020. Es bleibt jedoch ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern bestehen: 54,0% der Männer zeigen sich zuversichtlich, während es bei den Frauen nur 34,7% sind.
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Letzte Änderung 06.05.2026