Open Data: Frei zugängliche Daten gewinnbringend nutzen

Die Website der Bundesinitiative Opendata.swiss stellt Unmengen an Informationen zur Verfügung. Sie richtet sich an Privatpersonen und KMU und ermöglicht die Entwicklung neuer Tools und digitaler Dienste. Erläuterungen und Beispiele.

Mann hinter einem Touchscreen-Interface bedient mit dem Finger vernetzte Lichtpunkte

Auf dem Portal Opendata.swiss findet sich eine Vielzahl unterschiedlichster Informationen, sei es eine Luftaufnahme der Stadt Zürich oder die Liste des Potenzials der Warmwassererzeugung auf den Dächern der Schulgebäude im Kanton Genf. Bei diesen frei zugänglichen Daten, auch Open Data genannt, handelt es sich um öffentliche, nicht sensible Daten. Simon Meyer, Kommunikationsverantwortlicher des Bundesarchivs, meint: "Dass wir diese Informationen allen Privatpersonen und Unternehmen zur Verfügung stellen, dient drei grossen Zielen: Unternehmen können mit ihnen neue Dienste oder Anwendungen entwickeln, die öffentliche und private Entscheidungsfindung soll erleichtert und der Austausch zwischen den Verwaltungen verbessert werden." 

Das 2016 lancierte Portal wurde vom Schweizerischen Bundesarchiv auf der Basis seiner eigenen Quellen entwickelt und dann um Informationen ergänzt, die von 33 öffentlichen Einrichtungen wie Städten, Kantonen oder der Bundesverwaltung erzeugt oder gespeichert wurden. Die Website wird stetig weiterentwickelt und man darf hoffen, dass sich noch mehr Organisationen der Bewegung anschliessen. 

Technisches Know-how unerlässlich 

Auch vor der Erstellung der Website Opendata.swiss waren die Daten schon öffentlich. Doch es war kompliziert, Zugang zu ihnen zu bekommen und sie zu nutzen, und man musste die Gesetze und Vorschriften für ihre Verwendung kennen. Diese Verfahren wurden jetzt vereinfacht. "Das Portal hat die Form eines Inhaltsverzeichnisses, das auf die bestehenden Daten verweist. Sein Mehrwert besteht darin, dass es an einem zentralen Punkt einen einheitlichen und ständig aktualisierten Zugriff ermöglicht. Ausserdem können alle Informationen für gewerbliche Zwecke verwendet werden. Daten, für die das nicht gilt, tauchen auf dem Portal nicht auf", erklärt Simon Meyer. 

Die Daten sind kostenlos und aktuell, aber roh und in vielen verschiedenen Formaten vorhanden, um zu vermeiden, dass sie bereits interpretiert wurden. Wer sie professionell nutzen will, braucht technisches Know-how sowie entsprechende Analyse- und Entwicklungstools. Dienstleistungen eines externen oder internen Experten für IT-Daten sind für eine gewinnbringende Nutzung unverzichtbar. "In den allermeisten Fällen müssen die Datensätze umgewandelt werden, um sie in die Datenbank einer Anwendung zu integrieren", erklärt Jean-Luc Cochard, Chef des Ressorts Informationstechnik des Bundesarchivs. "Wenn man eine Smartphone-App entwickeln will, muss unbedingt ein Experte für Software-Entwicklung und Daten einbezogen werden, denn es nimmt viel Zeit in Anspruch, die Daten zu verstehen und richtig zu interpretieren." Die Apps, die bisher auf Basis des Portals entwickelt wurden, stehen auf der Website zur Verfügung. 

Eine Goldgrube für KMU? 

"Die Daten, die von den Internetnutzern am häufigsten genutzt werden, betreffen die Themen Geographie, Gesundheit, Mobilität und Umwelt. Also das, was das Leben der Menschen direkt betrifft", fasst Simon Meyer zusammen. Für Unternehmen ergeben sich aus diesen Open Data zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten. Im Hinblick auf die Kunden ist eine Option, dass man die Daten verarbeitet, vernetzt und mithilfe von benutzerfreundlichen Tools zur Verfügung stellt. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich auf diese Daten zu stützen, um bestimmte Entscheidungen zu treffen. Ein Architekt, der auf Wohnhäuser mit Solarenergie spezialisiert ist, kann zum Beispiel Karten mit künftigen Baugrundstücken mit den Werten zur Sonneneinstrahlung verknüpfen. Und für Firmen im Bereich Consulting ist das Portal eine Basis, die ihnen schnell physische Daten oder Bevölkerungsdaten zur Verfügung stellt, die bei wissenschaftlichen Analysen im Vorfeld eines Projektes nützlich sind. 

Die Bereitstellung der Daten auf dem Portal wird durch eine Bundesstrategie bis 2018 garantiert. Alles deutet darauf hin, dass sie anschliessend weiter verfügbar bleiben. "Das ist ein grundlegender Trend, heute weiss man, dass es wichtig ist, und man kann damit rechnen, dass es weiter vertieft wird", schätzt Jean-Luc Cochard. Die Aktualisierung der Daten kann vom Bundesarchiv nicht garantiert werden, sondern hängt von der Bereitschaft der Stelle ab, welche die Informationen liefert. Eine automatisierte Aktualisierung der von Opendata.swiss gesammelten Daten wird derzeit geprüft.


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Mit Open Data neue Tools entwickeln 

Um einen Dienst, ein Programm oder eine App zu entwickeln, sollte man von einem Bedürfnis ausgehen und dieses in Form eines erwünschten Instruments formulieren. Dann kann man die Informationen, die für die Umsetzung erforderlich sind, auf Opendata.swiss suchen. Mirco Röthenmund, IT-Ingenieur mit Schwerpunkt Daten, hat dank Open Data das Tool Wohnungsrechner.ch entwickelt. In verschiedenen Schweizer Kantonen lassen sich damit die Kosten vergleichen, die mit dem Mieten einer bestimmten Wohnung verbunden sind: Krankenkasse, Steuern, Miete und Verkehr werden anhand der Daten geprüft, die das Portal Opendata.swiss zur Verfügung stellt. "Einige Werte bleiben aufgrund der verwendeten Semantik schwer zu interpretieren. Man muss sehr viel Zeit investieren, damit die Informationen zueinander passen und vergleichbar werden. Ich habe dafür Algorithmen verwendet, um diese Arbeit zu automatisieren." 

Es gibt aber auch Anwendungen, die sich sehr rasch entwickeln lassen. "Einige Apps wurden in gerade mal einer Woche entwickelt, nachdem die Daten zur Verfügung gestellt wurden", weiss Reto Wick, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stadt Zürich für Open Data zuständig ist.

Immer wenn es um die Entwicklung neuer Dienste oder neuer Ideen geht, ist eines besonders wichtig: "Man sollte sich seinen freien Geist bewahren und nicht an die Instrumente denken, die es schon gibt, sondern an die, die fehlen und von denen man denkt, es sei unmöglich, sie zu entwickeln", meint Mirco Röthenmund.

Letzte Änderung 05.07.2017

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