Erfolgsfaktoren für eine gelungene Übernahme

Ein bestehendes Unternehmen kaufen anstatt ein eigenes neu zu gründen: Viele Chefinnen und Chefs haben sich für diesen Weg entschieden. Er bietet Vorteile, bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich.

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Die Zahl der KMU, die in der Schweiz zum Verkauf stehen, steigt unaufhörlich, was dadurch bedingt ist, dass eine ganze Generation von Unternehmenden, die Babyboomer, in Rente gehen wird. Für jemanden, der von einer eigenen Firma träumt, ist die Übernahme eines bestehenden Unternehmens eine interessante Lösung. 

"Die Marke, die Kunden und die Lieferanten sind da", betont Sabine Premand Sperandio der Agentur AS LEGAL aus Lausanne, die Analysen und Rechtsberatung anbietet. "Die Rakete fliegt schon, ohne dass man selbst Energie in den Start investieren musste." Die Zahlen der Stiftung KMU Next belegen auch, dass dieses Vorgehen weniger riskant ist, als wenn man bei null anfängt: Nach fünf Jahren beträgt die Überlebensrate der übernommenen Firmen 95%, bei neuen Unternehmen schaffen es dagegen nur 50%. 

Die Ausgangslage ist also recht verlockend. Doch sich ein passendes Unternehmen gefunden hat, muss die Übernahmeperson zunächst viele Phasen durchlaufen, um das Projekt abzuschliessen. "Der erste Schritt besteht darin, dass man wissen muss, was man kauft", sagt Sabine Premand Sperandio. Die Expertin rät, einen Spezialisten mit einer umfassenden Analyse des Unternehmens und seines Umfelds, einer sogenannten "Due Diligence", zu beauftragen. Dabei werden alle Elemente berücksichtigt: finanzielle Situation, Personal, Reputation oder auch Auftragsbestand. 

Vision für die Zukunft 

Wer eine Firma übernimmt, muss sich auch mit seiner persönlichen Situation beschäftigen. "Man sollte sich über seine Beweggründe sehr genau im Klaren sein, wissen ob man bereit ist, sich in ein solches Lebensprojekt zu stürzen, was die Familie darüber denkt und welchen finanziellen Aufwand man leisten kann", so Sabine Premand Sperandio weiter. Die Juristin misst den persönlichen und psychologischen Aspekten eine hohe Bedeutung bei, auch bei der Person, die das KMU übergibt. Ist sie wirklich bereit, die Leitung abzugeben? "Es ist nie leicht, sein Baby loszulassen. Das ist ein wichtiger Punkt, der einen Verkauf überschatten kann." 

Auch die Finanzierungsfrage muss sich die Übernahmerperson rasch stellen. "Man muss wissen, dass eine Übernahme heute ohne Eigenkapital nicht möglich ist", betont Sabine Premand Sperandio. Die Höhe der benötigten Eigenmittel ist sehr unterschiedlich. Der Anteil kann bei 20% liegen, wenn beispielsweise die Auftragsbücher für mehrere Jahre gut gefüllt sind, aber auch auf 40% bis 50% ansteigen, wenn das Projekt mehr Risiken birgt. Und die Banken wollen einen Businessplan sehen und eine echte Vision für die Zukunft der Firma. 

Antoine Sarlandie, der Ende 2013 das Walliser Transportunternehmen Grept Frères übernommen hat, meint, dass es einer der schwierigsten Schritte ist, die Finanzpartner zu überzeugen. "Man muss in der Lage sein, das Projekt allein zu verteidigen, alle Unterlagen perfekt kennen und wissen, was sich hinter jeder Zahl verbirgt. Ich musste auf sehr detaillierte Fragen zu den Ergebnissen antworten. Selbst wenn ein Treuhänder während des gesamten Prozesses dabei ist, steht der Käufer bei den Banken an der Front." Es gibt allerdings verschiedene Optionen, mit denen die Finanzierung des Projekts gelingen kann: Unterstützung durch eine Bürgschaftsorganisation, Suche nach Investoren, private Darlehen oder auch eine zeitlich gestaffelte Übernahme der Firmenanteile. 

Offen kommunizieren 

In einem letzten Schritt wird die Übernahme mit einem Vertrag besiegelt. "Ein Handschlag ist nicht genug", betont Sabine Premand Sperandio, die hier erneut auf den menschlichen Aspekt eingeht. Viele KMU entscheiden sich für eine Übergangsphase, in welcher der scheidende Unternehmer und der Nachfolger zusammenarbeiten. "Man sollte die Modalitäten genau klären, festlegen, wie lange die Übergangszeit dauern wird, und welche Aufgaben jeder zu erledigen hat. Eine klare Kommunikation mit den Beschäftigten, Kunden und Lieferanten ist wichtig. Wer Unklarheiten vermeidet, vermeidet auch Konflikte." 

Dieser Meinung ist auch Antoine Sarlandie. Bei Grept Frères dauerte die Übergangsphase sechs Monate. "Ich habe alle Kunden kennengelernt. Und ich habe mit allen Mitarbeitenden gemeinsam mit dem ehemaligen Geschäftsführer Gespräche geführt, um zu erklären, welche Auswirkungen die Übernahme hat, dass die Abläufe im Unternehmen nicht auf den Kopf gestellt werden, und um jeden persönlich kennenzulernen. Dadurch konnte ein Dialog entstehen. Wenn eine Übernahme funktionieren soll, muss auch das Personal mitziehen."


Informationen 

Zum Thema

Ein paar Zahlen:

  • Mehr als die Hälfte der Chefinnen und Chefs von KMU sind zwischen 50 und 65 Jahre alt, wie aus einer 2016 von Credit Suisse publizierten Studie hervorgeht.
  • Jedes fünfte KMU plant eine Übergabe im Laufe der kommenden fünf Jahre.
  • Drei Viertel der Schweizer KMU sind Familienunternehmen.
  • Rund 40% der Unternehmenden möchten ihr KMU innerhalb ihrer Familie übergeben. Nach einer rein familieninternen Lösung wird in 33% der Fälle gesucht, nach einer rein familienexternen in 34% der Fälle.

Letzte Änderung 04.10.2017

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