Die Rechnung mit QR-Code wird ab 2019 verfügbar sein

Die Vereinheitlichung der Schweizer Zahlungssysteme geht voran. Ein zentrales Element des Massnahmenpakets, die neue QR-Rechnung, erfordert vonseiten der KMU einige Anpassungen. Erläuterungen.

Eine Frau betrachtet den QR-Code einer Stromrechnung auf dem Display ihres Mobiltelefons

Der schweizerische Zahlungsverkehr steht vor einer tiefgreifenden Erneuerung. Die derzeitige Situation ist in verschiedener Hinsicht uneinheitlich, sagt Johannes Schlotmann, Leiter einer Studie über die Folgen der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs, die Deloitte im Auftrag von SIX Interbank Clearing durchgeführt hat. "Bei den Überweisungen gibt es Unterschiede zwischen PostFinance und den Banken. Auch die Struktur der Kontonummern kann von einer Bank zur anderen variieren. Und abhängig davon, ob es sich um Post- oder Bankkonten handelt, unterscheiden sich auch die Lastschriftverfahren. Im Bereich Reporting hat fast jedes Finanzinstitut seine eigenen Kontoauszüge, die jeweils verschiedene Informationen enthalten. Und dann gibt es noch sieben verschiedene Einzahlungsscheine, die legendären Belege in orange und rot." 

Die Erneuerung wurde vom Finanzplatz Schweiz initiiert und wird von SIX Interbank Clearing gesteuert. Sie zielt darauf ab, sämtliche Verfahren und physische Dokumente zu standardisieren, zu digitalisieren und sie aufeinander abzustimmen, so dass der Schweizer Zahlungsverkehr auf den neuen ISO-20022-Standard ausgerichtet wird. "Da sich die Schweizer Firmen auf internationalen Märkten positionieren, ist es wichtig, dass sie den Regeln von  ISO 20022 folgen, die in der Eurozone bereits eingeführt wurde", macht Johannes Schlotmann deutlich. "Es wäre schade, wenn sie im internationalen Wettbewerb aufgrund ihres Zahlungssystems benachteiligt würden." Schliesslich gehen 20% der des Gesamtbetrages der Kundenzahlungen ins Ausland (siehe Kasten). 

Ein weiterer Schwerpunkt der Erneuerung  ist eine bessere Effizienz und Kontrolle. "Die Digitalisierung der Wirtschaft soll die Arbeitsprozesse effizienter machen. Die Harmonisierung der Strukturen der Kontonummern beispielsweise, die auf der grundsätzlichen Verwendung der IBAN beruht, erlaubt es in Zukunft, sofort festzustellen, wenn bei der Eingabe ein Fehler gemacht wurde." 

Folgen der Harmonisierung für die KMU 

Johannes Schlotmann nennt drei positive Auswirkungen der Harmonisierung  auf die Schweizer KMU. "Zunächst einmal dürften die KMU Geld sparen, da die Zahl der fehlgeleiteten Überweisungen abnehmen wird, was Nachforschungen bei den Finanzinstituten reduzieren wird. Die Einführung des QR-Codes und der IBAN einschliesslich der automatischen Kontrolle wird die Kosten in Verbindung mit den von den Finanzinstituten unternommenen Kontrollen senken. Die Einführung der harmonisierten Lastschriften führt dazu, dass die Unternehmen nicht mehr gezwungen sind, ein Konto bei  PostFinance und eines bei einer Bank zu haben, wie es im Moment der Fall ist." 

Die zweite positive Auswirkung ist dem Berater von Deloitte zufolge, dass die Kapitalkosten abnehmen dürften. "Das Geld für die Begleichung von Rechnungen, für Investitionen usw. kann leichter mobilisiert werden." Der dritte Pluspunkt ist eine Verringerung der Arbeitsbelastung. "Dank der Digitalisierung und der Einführung des QR-Codes braucht man weniger Zeit für die Erstellung und Bezahlung von Rechnungen." 

Gemäss der Studie rechnet Deloitte für Privatunternehmen mit jährlichen Einsparungen in Höhe von CHF 197 Millionen. 

Die QR-Rechnung im Detail 

SIX Interbank Clearing hat kürzlich ein wichtiges Element der Harmonisierung  des Zahlungsverkehrs veröffentlicht: die künftige QR-Rechnung, welche die sieben Versionen der Einzahlungsscheine ersetzen und die Verwendung eines QR-Codes einführen wird. Ein Beispiel dieser QR-Rechnung finden Sie hier.

Boris Brunner, Mitglied der Geschäftsleitung  von SIX Interbank Clearing, beschreibt die Besonderheiten der QR-Rechnung, die zwei verschiedene Teile umfasst. "Der erste Teil, auf der linken Seite, beinhaltet den QR-Code mit einem kleinen Schweizer Kreuz in der Mitte. Dieser Code enthält alle Bankinformationen, die für die Zahlung benötigt werden. Diese werden von einem Smartphone oder Lesegerät mit nur einem Scan erfasst. Unter dem Code stehen der Rechnungsbetrag und die Währung (CHF oder EUR). Dieses Feld, das für die zu überweisende Summe gedacht ist, kann frei gelassen werden, zum Beispiel im Fall von Spenden an Vereine." 

Ein weiteres interessantes Detail auf der linken Seite ist der mögliche Eintrag "Unterstützt E-Rechnung" oder "Unterstützt TWINT". Das bedeutet, dass der QR-Code neben E-Banking oder Mobile Banking auch für andere Verfahren wie z.B. einer E-Rechnung oder die Bezahlung mit TWINT verwendet werden kann. 

Die rechte Seite der QR-Rechnung zeigt alle Informationen in Klartext und ist für diejenigen gedacht, die den QR-Code nicht digital nutzen möchten. "Alle dort aufgeführten Daten – IBAN und Adresse des Zahlungsempfängers, Zahlungszweck, Adresse des Zahlungspflichtigen, Zahlungsfrist – sind auch im QR-Code selbst enthalten." Dieser Abschnitt im A6-Format kann von Personen, die ihre Überweisung nicht online tätigen möchten, immer noch abgetrennt werden. "Sie können wie bisher zum Schalter der Post gehen oder den Zahlteil  per Post an ihre Bank senden, um die Zahlung zu veranlassen", erklärt Boris Brunner. 

Ein weiterer wichtiger Punkt: "Es gibt bei diesem neuen Zahlteil  auch die Möglichkeit, zusätzliche Informationen für die Kunden anzugeben, was eine Automatisierung der Buchhaltung erlaubt. Beispiele dafür sind die Unternehmens-Identifikationsnummer (UID) oder eine Rechnungsnummer), 

Bleibt nur noch die Frage, wie die Firmen diese neuen Rechnungen erstellen können. "Schon heute nutzen Unternehmen eine Software, um ihre Rechnungen zu erstellen und zu drucken. Diese Software wird so aktualisiert, dass sie eine QR-Rechnung erzeugen kann. Dann wird es möglich sein, die QR-Rechnung  mit jedem beliebigen Laser- oder Tintenstrahldrucker auszudrucken. Sie ist vollkommen neutral und enthält keine rot oder orange unterlegten Abschnitte mehr." 

Die nächsten Schritte 

Die Banken  werden ihre Systeme bis Ende 2017 auf den  ISO 20022 Standard anpassen. . Die Firmenkunden dieser Institute müssen  den neuen Standard bis Mitte 2018 implementieren. Sobald das ganze Land auf den ISO 20022 Standard umgestellt ist, kann die QR-Rechnung eingeführt werden, also ab  Januar 2019. 

Der nächste Schritt für die KMU besteht darin, dass sie ihre Bank oder ihren Softwareanbieter kontaktieren müssen, um das neuste Update für ihre Software zu bekommen. "In den kommenden Monaten werden die Banken und die Softwareanbieter Lösungen entwickeln, die an die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzer angepasst sind, damit die QR-Rechnung problemlos in die Rechnungsstellungs- und Zahlungsprozesse integriert werden kann. Die Unternehmen müssen ab Januar 2019 bereit sein, Rechnungen mit QR-Code zu bezahlen. Die Rechnungsteller werden eine Übergangszeit haben, um QR-Rechnungen zu versenden. Wir raten allen KMU jedoch  dazu, möglichst bald umzustellen, damit sie von den Einsparungen profitieren können, die diese Digitalisierung mit sich bringt." macht Boris Brunner deutlich. 

Die Kosten für die Anpassungen hängen davon ab, was für einen Vertrag das KMU mit seinem Softwareanbieter abgeschlossen hat. "Einige Verträge schliessen Updates mit ein, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen. Bei anderen sind Aktualisierungen kostenpflichtig."

Schaubild, das die Harmonisierung im Schweizer Zahlungsverkehr erläutert

Informationen 

Zum Thema

Statistiken zum Zahlungsverkehr in der Schweiz 2015* 

6'946

in Milliarden ist der Gesamtbetrag der Kundenzahlungen (total amount/value of payments). 

22%

22% der in der Schweiz getätigten Zahlungen gehen ins Ausland. 

1'064

in Millionen ist die Gesamtzahl der Kundenzahlungen (total number of payments). 

74%

Anteil der von Kunden über elektronische Kanäle ausgeführten Zahlungen (45% E-Banking, 20% Filetransfer, 6% Lastschriften, 3% Daueraufträge). 

2,5%

Jährliche Zunahme der elektronischen gegenüber den papierbasierten Zahlungen seit 2012. 

Das 60-fache BIP der Schweiz

Im Interbanken-Zahlungsverkehr in CHF hat der Finanzsektor Transaktionen mit einem Gesamtbetrag von 38'889 Milliarden abgewickelt, was mehr als dem 60-fachen BIP der Schweiz entspricht. 

* Alle Beträge sind in Schweizer Franken (CHF) angegeben, Die Daten beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf den Zahlungsverkehr in der Schweiz im Jahr 2015 und sind der Deloitte-Studie "Erwartete Auswirkungen der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs in der Schweiz" entnommen. 

Letzte Änderung 04.05.2017

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