Der Technologiefonds: Ein Leitfaden für KMU

Der Technologiefonds steht Start-ups und KMU zur Verfügung und hilft so bei der Finanzierung der Geschäftsentwicklung von Unternehmen, die sich positiv auf die Umwelt auswirken. Wie funktioniert dieses Instrument und welche Vorteile bietet es? Erklärungen und Erfahrungsberichte.

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Der Technologiefonds bietet finanzielle Garantien. In Anspruch genommen werden diese von Schweizer Unternehmen, die neuartige Produkte entwickeln und vermarkten, mit denen sich Treibhausgase nachhaltig vermindern lassen. "Wir übernehmen die gesamte Verantwortung gegenüber der Bank. Die Regierung verpflichtet sich, im Zweifelsfall alle Kosten zu übernehmen. Diese Garantie ist also sehr solide", erklärt Simone Riedel Riley, Leiterin des Sekretariats des Technologiefonds. Das Unternehmen zahlt dem Staat eine Gebühr von 0,9% auf die verbürgte Summe. 

Die Unterstützung durch den Fonds muss vor dem Abschluss eines Bankdarlehens oder zeitgleich mit diesem beantragt werden. Das Verfahren zur Prüfung des Gesuchs kann einige Monate in Anspruch nehmen. Daher kann es sinnvoll sein, sich einen "Plan B" zu überlegen, um im Falle einer Ablehnung nicht ohne Mittel dazustehen. "Für den Fall dass der Technologiefonds uns nicht unterstützen würde, hatten wir als zweite Option auch mit Investoren gesprochen, die bereit waren, uns Geld zu leihen. Unser Ziel war, unsere Technologie so früh wie möglich auf den Markt zu bringen", erklärt Jan Marckhoff, CEO von BEN Energy (11 Beschäftigte), einem Zürcher Start-up, das sich auf die Analyse von Energiedaten spezialisiert hat und im Jahr 2016 die Unterstützung durch den Fonds beantragte. 

Ein Gesuch in mehreren Schritten 

Jedes Unternehmen kann in fünf Minuten online prüfen, ob es die Voraussetzungen erfüllt, um ein Bürgschaftsgesuch stellen zu können. Hierfür stellt der Fonds einen Schnelltest zur Verfügung (s. untenstehender Link zum Test "Vorab-Check"). 

Das weitere Verfahren umfasst drei Schritte. Zunächst ist lediglich ein Online-Formular auszufüllen, dem eine Präsentation des Projekts sowie der letzte Jahresabschluss beizufügen sind. 

Dann beginnt eine Vorselektion für die zulässigen Projekte, die etwa drei Wochen dauert und während der verschiedene Überprüfungen durchgeführt werden. Das ist die Due Diligence light. Besteht das Unternehmen diese Phase, so muss es eine Prüfgebühr von CHF 1'000 zahlen. 

Dann beginnt die zweite Phase der Prüfung, die eigentliche Due Diligence, im Laufe derer weitere Dokumente einzureichen sind, insbesondere um die Bonität des Unternehmens sowie seine betriebswirtschaftlichen und technischen Abläufe untersuchen zu können. Diese Phase dauert länger (etwa 8 bis 11 Wochen) und kostet das Unternehmen CHF 2'000, wenn die Bürgschaft gewährt wird. "Der Umfang der einzureichenden Unterlagen ist nicht allzu gross, da es sich um eine staatliche Bürgschaft handelt. Die erforderlichen Informationen entsprechen denen, die man einer Bank übermitteln müsste, um einen Privatkredit zu erhalten", schätzt Jan Marckhoff. 

Am Ende spricht ein Bürgschaftskomitee eine Empfehlung für das Bundesamt für Umwelt (BFU) aus, das für die Gewährung der Bürgschaft zuständig ist. "Das BFU hat ein Vetorecht. Es hat davon aber bei keinem der bisher vorgeschlagenen Projekte Gebrauch gemacht", stellt Simone Riedel Riley fest. Wenn die Bürgschaft gewährt wurde, können die Bankkredite binnen drei Monaten finalisiert werden. 

Umweltkriterien 

Die Ziele des Fonds sind eine Verminderung der CO2-Emissionen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Innovationsförderung. Die Garantien werden Unternehmen gewährt, die sich positiv auf die Umwelt auswirken. Zum Beispiel wenn sie Produkte und Dienstleistungen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen, zur effizienten Stromnutzung, zur Förderung erneuerbarer Energien oder zum Erhalt der natürlichen Ressourcen anbieten. "Das Gesuch muss ein Produkt oder eine Dienstleistung betreffen, das verkauft werden soll. Es geht nicht um eine Verbesserung der Produktionsprozesse oder der Gebäude", betont Simone Riedel Riley. In der Regel werden die Gesuche für die Phasen Markteinführung, Industrialisierung und Rekrutierung gestellt. Der Fonds richtet sich also nicht an Start-ups in der Gründungsphase oder im early stage. "Man muss mindestens über ein Produkt, einen Markt und einen Prototyp verfügen", ergänzt die Leiterin des Sekretariats des Technologiefonds. Wenn es um das Inverkehrbringen einer Dienstleistung oder eines Produkts geht, ist es Voraussetzung, dass dieses bereits mehrere Monate von einer ausreichend grossen und repräsentativen Nutzergruppe verwendet wurde. Ein Prototyp, den Freunde oder Familienmitglieder getestet haben, ist nicht ausreichend. 

Zu den erforderlichen Kriterien gehört auch, dass das Unternehmen ausrechnen kann, wie viel CO2 dank seiner Produkte oder Dienstleistungen eingespart werden kann. "Wir helfen den Unternehmen bei den Berechnungen, die auf Schätzungen anhand des Businessplans beruhen", macht Simone Riedel Riley deutlich. 

Finanzielle und strategische Vorteile 

"Ohne diese Garantie müssten die Unternehmen den Banken höhere Zinsen Zahlen. Einige könnten gar kein Darlehen erhalten, weil die Banken manchmal ein bis zwei Jahre rentable Geschäfte verlangen, bevor sie den Kredit gewähren. Aber manchmal dauert es bei den Unternehmen, die wir unterstützen, auch nach dem Erhalt des Darlehens noch zwei der drei Jahre, bis sie rentabel sind", weiss Simone Riedel Riley. 

"Für ein Start-up ist es nicht leicht, Kredite mit einer längeren Laufzeit zu erhalten. Der Technologiefonds hat es ermöglicht, dass uns eine langfristige Kreditlinie gewährt wurde", betont Domenico Arpaia, CEO von OrbiWise (30 Beschäftigte), einem Genfer Start-up, das Software für das Internet der Dinge entwickelt. "Wir haben uns auch deshalb für diese Lösung entschieden, weil wir nicht wollten, dass die Firma durch zu viele Investoren verwässert wird. Wir haben 25% unseres Kapitals über Firmenanteile eingeworben, um unsere Entwicklung zu finanzieren, doch dank des Technologiefonds konnten wir über den Rest die Kontrolle behalten."


Informationen 

Zum Thema

Der Technologiefonds in Zahlen

  • 30 Bürgschaften für 30 Unternehmen im Gesamtwert von CHF 39 Millionen
  • 7 Jahre: durchschnittliche Laufzeit der gewährten Bürgschaften
  • 10 Jahre: maximale Laufzeit der durch den Fonds gewährten Bürgschaft
  • 40% der Unternehmen, die ein Gesuch beim Fonds stellen, erhalten eine Bürgschaft
  • 104 Gesuche wurden seit 2015 gestellt
  • CHF 3 Millionen: Höchstsumme, für die der Technologiefonds bürgt
  • CHF 1,3 Millionen: durchschnittliche Summe, die von den Unternehmen beantragt wird, deren Gesuch angenommen wurde
  • 0,9%: Höhe der Gebühr, die das Unternehmen für die Bürgschaft zahlen muss
  • 50% der Unternehmen, die ein Gesuch beim Fonds stellen, bestehen seit weniger als 5 Jahren
  • 8 Personen sind mit der Prüfung der eingereichten Gesuche beschäftigt
  • 3 Monate: Mindestdauer der Prüfung eines Projekts von der Gesuchstellung bis zum Erhalt des Darlehens.

Letzte Änderung 01.02.2017

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