CSR: Wie lassen sich die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit messen?

Ein Aspekt der verantwortungsvollen Unternehmensführung (Corporate Social Responsibility, CSR) besteht darin, dass Firmen die Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt messen. Wie sollte man vorgehen? Welche Labels sind geeignet? Erfahrungsberichte.

Corporate Social Responsibility, dargestellt durch eine gezeichnete Glühbirne, die in ihrem Inneren drei Pflanzenblätter hat

Mit Corporate Social Responsibility (CSR) wird die Verantwortung bezeichnet, die ein Unternehmen im Hinblick auf die – positiven und negativen – Auswirkungen seiner Tätigkeit auf Gesellschaft und Umwelt trägt. CSR umfasst eine breite Palette an Themen, beispielsweise Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung, fairer Wettbewerb, Konsumenteninteressen und Besteuerung. Im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung sollen die negativen Folgen der Geschäftstätigkeit (z. B. Umweltverschmutzung) verringert und die positiven Aspekte (z. B. Arbeitsplätze, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen) verstärkt werden. 

Bei diesem Ansatz spielen Indikatoren eine Schlüsselrolle: Sie bilden die Basis dafür, dass man sich im Bereich CSR Ziele stecken und die Ergebnisse messen und kommunizieren kann. Eventuelle Menschenrechtsverletzungen zu erkennen oder die Qualität der Serviceleistungen für die Arbeitnehmenden zu messen, kann sich jedoch als komplex erweisen. Zum Glück gibt es jede Menge Instrumente und internationale Standards für alle Branchen (z. B. die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen).

Weniger ist mehr

Bevor es losgeht, sollte sich das Unternehmen zwei Fragen stellen: Welche CSR-Strategie verfolgt es? Welchen Interessengruppen, Kunden, Mitarbeitenden, Behörden oder auch Aktionären, soll bei der Umsetzung der Massnahmen Priorität eingeräumt werden? Von der Antwort auf diese beiden Fragen hängt die Wahl eines Labels ab und auch die Entscheidung, wie viel Zeit, Energie und Geld man dem Thema widmen wird. 

"Bei einem KMU gibt es so viele Dimensionen und potenzielle Themen, dass die Gefahr besteht, sich zu verzetteln. Man muss es einfach halten. Beginnen sollte man mit der Erfassung des Ist-Zustands, die dazu führen kann, dass man manchmal mit Erstaunen feststellt, wie viele Dinge bereits erreicht wurden", bemerkt Catherine Ferrier, Leiterin der Weiterbildungsprogramme zum Thema CSR an der Universität Genf. Diese umfassende und anspruchsvolle Aufgabe lässt sich mit Hilfe von kostenlosen Tools bewältigen. Dazu gehört zum Beispiel das Handbuch "OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen in der Praxis" oder das Tool "Logib" des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG), mit dem man einen Selbsttest zur Lohngleichheit durchführen kann. 

Ein branchenorientierter Ansatz 

Es ist auch wichtig, die in einigen Branchen bereits bestehenden internationalen Standards und Normen zu kennen und auf sie zu vertrauen. Nimmt man zum Beispiel das Thema Menschenrechte, so ist die Zeit der gut gemeinten Worte vorbei, wie John Ruggie, der "Vater" der UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, sagte; es reicht nicht mehr, seine Absichten in einer Charta anzuführen. Um im gesellschaftlichen Bereich glaubwürdig zu sein, muss man belegen können, dass man die richtigen Massnahmen getroffen hat und sich daran hält. Dieses Vorgehen ermöglicht es den Interessengruppen zu beurteilen, ob man die Verantwortung ernst nimmt", weiss Sylvain Savolainen, ein auf CSR spezialisierter Rechtsanwalt und Partner der Genfer Kanzlei MENTHA. Deshalb gilt: Je grösser das Risiko von Menschenrechtsverletzungen in der Branche eines Unternehmens ist, desto wichtiger sind entsprechende Schutzmassnahmen. Das gilt besonders für Unternehmen, die in Risiko-Gebieten wie Bürgerkriegsländern tätig sind oder mit Zwischenhändlern aus einer Region zusammenarbeiten, in der Kinderarbeit verbreitet ist.

Wirtschaftliche Vorteile 

Wenn quantitative Indikatoren eingeführt werden, müssen sie auf die Entscheidungsfindung ausgerichtet sein und dazu dienen, die Leistungen des Unternehmens in dem jeweiligen Bereich zu verbessern (z. B. Energiekosten senken). "Durch die Messungen gelangt man zu einem übergreifenden Verständnis; man kann die gesamte Produktionskette im Blick haben und die tatsächlichen Brennpunkte ausfindig machen, anstatt sich nur auf Annahmen zu stützen", erklärt Sarra Harbi, Senior Consultant bei Quantis, einem Unternehmen für Umweltanalysen und Nachhaltigkeitsstrategien. "Die Methode, die sich im Umweltbereich als Standard durchgesetzt hat, läuft über die Lebenszyklusanalye. Dabei werden die Auswirkungen eines Produktes von seiner Erschaffung bis zum Recycling berücksichtigt", betont Julien Boucher, Gründer der Firma EA–Shaping Environmental Action, die KMU bei der nachhaltigen Konzeption ihrer Produkte und Verfahren begleitet.

Labels bieten Zugang zu Netzwerken und Verträgen 

Ganz wesentlich: Wenn man sich ein CSR-Konzept zugelegt hat, muss man es bekannt machen und seinen Zulieferern und Kunden mitteilen, insbesondere, wenn man sich dadurch von der Konkurrenz abheben kann. Dabei sind Labels eine hilfreiche Unterstützung. Am besten wählt man ein Label mit einer grossen Nähe zum eigenen Markt, beispielsweise ein regionales Label. Das Gute an Labels ist, dass sie ein Netzwerk bereitstellen und man es so vermeidet, sich beim Aufbau seiner CSR-Politik zu isolieren. Diese positive Erfahrung machte auch Benoît Greindl, Geschäftsführer des Zentrums Montagne Alternative in Orsières (VS), der sich für das Label B-corp entschieden hat. Für ihn "ermöglicht das Netzwerk Begegnungen mit Gleichgesinnten und es bietet auch viele konkrete Lösungen und macht die Erlebnisse für die Kunden stimmiger." 

Nicht zuletzt kann man sich mit einem Label oder einer Zertifizierung nach einem Standard wie ISO bei der Vergabe öffentlicher Aufträge von der Konkurrenz abheben. ISO 26000 gibt zum Beispiel Leitlinien für Unternehmen und Organisationen vor, die eine sozial verantwortungsvolle Unternehmensführung gewährleisten. "Wir sind mit dem Label ISO 9001 ausgezeichnet und haben gerade zusätzlich das Label ISO 14001 erhalten, mit dem wir zeigen, dass wir zu den Besten gehören. Diese Anforderungen finden sich heute schwarz auf weiss in den öffentlichen Ausschreibungen", weiss François Randin, CEO von Green Motion, einem KMU mit 20 Beschäftigten, das in Le Mont-sur Lausanne (VD) Ladestationen für Elektroautos herstellt. Die Firma hat fast das gesamte Schweizer Stromtankstellen-Netz ausgestattet. Die Auswirkungen seiner Unternehmenstätigkeit messen und zertifizieren zu können, ist mittlerweile ein nicht unerheblicher wirtschaftlicher Vorteil und sichert einem KMU Anerkennung. 

Was erwarten die Behörden? 

Der Bundesrat hat 2015 seine Erwartungen und seine Strategie zur Förderung von CSR formuliert. Gemäss dem Positionspapier und dem CSR-Aktionsplan erwartet der Bundesrat von den Unternehmen, die in der Schweiz ansässig oder wirtschaftlich tätig sind, dass sie bei ihrer gesamten Tätigkeit in der Schweiz und im Ausland die Gesetzesvorgaben, die Vereinbarungen zwischen den Sozialpartnern und alle übrigen Verträge einhalten und die international anerkannten Normen und Richtlinien zum Thema CSR anwenden. Der Bund fördert CSR, indem er Rahmenbedingungen schafft und durch seine eigenen Aktivitäten als Vorbild dient, ausserdem hilft er den Unternehmen dabei, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Auf der im Jahr 2016 erstellten Website www.csr.admin.ch finden sich weitere Informationen über das Engagement des Bundes.


Informationen

Zum Thema

Global Compact Network Schweiz

Unternehmen, denen eine verantwortungsvolle Unternehmensführung (Corporate Social Responsibility, CSR) ein wichtiges Anliegen ist, finden im Global Compact Network Schweiz (GCNS) eine ideale Plattform. Die Mitgliedfirmen verpflichten sich, die zehn Prinzipien des UN Global Compact (zu Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Schutz der Umwelt, Bekämpfung der Korruption) in all ihren Aktivitäten schrittweise umzusetzen. KMUs profitieren von der aktiven Mitgliedschaft, weil das Netzwerk sie dabei unterstützt, die Erwartungen des Bundesrats gemäss CSR-Positionspapier sowie jene ihrer Kunden und der Gesellschaft zur verantwortungsvollen Unternehmensführung zu erfüllen. Es bietet Zugang zu breitem nationalem und internationalem Wissen, vermittelt Beispiele erfolgreicher Praxis und bietet einen vertrauensvollen Erfahrungsaustausch zwischen grossen und kleinen Firmen im Bereich CSR. Die Mitgliedschaft verpflichtet zur jährlichen Berichterstattung an die Vereinigten Nationen und berechtigt zur Verwendung des UN Global Compact Logos.

Ein Beispiel

Öbu, ein Schweizer Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften 

Seit 1998 vereint öbu rund 350 Schweizer Unternehmen, von denen 95% weniger als 250 Mitarbeitende zählen. Dieses Netzwerk für nachhaltige Entwicklung, dem man sich gegen Zahlung eines Jahresbeitrags anschliessen kann, ermöglicht durch regelmässige Treffen mit anderen Firmen den Austausch über Best Practices. Es handelt sich weder um eine politische Vereinigung, noch um eine Lobby, sondern um einen Verband, der die Experten und CSR-Verantwortlichen von Schweizer KMU zusammenbringt. Einer der reichen Schätze dieser Gruppe ist ihre Infothek, eine Datenbank mit bewährten Beispielen aus der Praxis. Ursprünglich drehte sich alles um Umweltfragen, doch heute werden auch soziale und wirtschaftliche Belange immer präsenter. Ein weiteres Ziel des Netzwerks: Unternehmen, die mit denselben Zulieferern arbeiten, können sich zusammentun, um diesen gegenüber neue Standards durchzusetzen.

Letzte Änderung 06.09.2017

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