Wie Firmen vom Franchising profitieren

Jedes Jahr entscheiden sich mehrere KMU in der Schweiz dazu, anderen ihr Geschäftsmodell zu verkaufen. Hier erfahren Sie, warum Firmen Franchisegeber werden und mit welchen Mitteln sie diesen Prozess bewältigen.

Eine Piktogrammzeichnung, die den Datentransfer zwischen zwei digitalen Ordnern symbolisiert, schwebt über der nach oben geöffneten Hand eines Mannes

Franchising bietet einige beachtliche Vorteile. Das Prinzip ist schon hundert Jahre alt und hat viele grosse weltweit bekannte Marken überzeugt. Aber auch lokale KMU können wachsen, indem sie Franchisegeber werden, also einem anderen Unternehmen – dem Franchisenehmer – gegen eine finanzielle Gegenleistung das Recht gewähren, bestimmte Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen. Dieser Vertriebsvertrag für eine Marke kann mit einem Käufer in der Schweiz oder irgendwo auf der Welt geschlossen werden.

Um ein Konzept nutzen zu dürfen, leistet der Franchisenehmer gegenüber dem Franchisegeber eine Anfangszahlung. "Eine Art Eintrittsgebühr", erklärt Marc Häsler, der beim Schweizer Franchise-Verband für die Romandie zuständig ist. Die Höhe dieser Einstiegssumme hängt von verschiedenen Faktoren wie der Firmengrösse oder dem Marktgesetz ab. Danach erhält der Franchisegeber jedes Jahr einen bestimmten Prozentsatz des Gewinns, der bis zu 10% des Umsatzes betragen kann. Diese Einnahmen sind aber keine Rente. "Der Franchisegeber trägt seinerseits die Verantwortung für die Dynamik im Netzwerk", macht Marc Häsler deutlich. "Er muss aktiv bleiben und Innovationen einbringen. Ausserdem muss er sich bei Bedarf um den Franchisenehmer kümmern."

Höhere Bekanntheit der Marke

Neben den regelmässigen Einnahmen besteht der Vorteil für den Franchisegeber vor allem darin, dass er seine Marke in einem grösseren Radius bekannt machen kann. "Das ist gut, wenn Sie Ihre Geschäfte international ausbauen wollen und die Bekanntheit der Marke auf diese Weise schnell steigt", betont Marc Häsler. Aber das ist nicht der einzige Pluspunkt. "Franchising gilt als strategischer Ansatz für die Unternehmensentwicklung, da viele Geschäftsbereiche und unterschiedliche Prozesse involviert sind", erklärt Christoph Wildhaber, der beim Schweizer Franchise-Verband für die Deutschschweiz zuständig ist. "Franchising ist nicht nur eine Marketing-Strategie, sondern hat insbesondere Einfluss auf die Umsätze, die Organisationsstrukturen, die Organisation von öffentlichen Ausschreibungen und die finanziellen Aspekte."

Die Firma Deep Services in Remaufens (FR) vergibt zum Beispiel Franchise-Lizenzen für den Verkauf der Produkte und Anwendungen ihrer Maniküremarke Akyado. "Das Franchising zielt darauf ab, den Markt für Nageldesign zu strukturieren, damit diejenigen, die in der Branche arbeiten, eine Referenz haben", erklärt Josiane Trachsel, Geschäftsführerin von Deep Services. "In diesem Bereich herrscht ansonsten jede Menge Chaos. Mit Akyado geben wir ihm eine echte Struktur." Aus Sicht von Josiane Trachsel gibt es in der Schweizer Unternehmenslandschaft noch zu viele Vorbehalte gegenüber diesem System. "Die Leute haben Angst vor Kooperationen, was extrem schade ist", meint die Firmenchefin. "Dabei ist es viel komplizierter, ganz allein ein neues Geschäft aufzubauen. Franchising bietet einen Rahmen. Damit hat man sogar eine Qualitätsgarantie."

Entscheidende Punkte

Damit das Ganze funktioniert, müssen aber einige Punkte bedacht werden. Zunächst einmal muss das Konzept des Franchisegebers tragfähig und erfolgreich erprobt sein und er muss seine Marke registriert haben. Zudem hat der Franchisegeber ein Recht auf Einsicht in die Buchhaltung, obwohl der Franchisenehmer auf eigene Rechnung arbeitet. Der Franchisenehmer wiederum muss die Marke respektieren und darf das Konzept nicht verfälschen.

Das Franchise-System beruht auf einem Vertrag zwischen den beiden Parteien. Dieser kann durchaus einfach unter vier Augen besiegelt werden. Einige suchen über eine Annonce nach einer Kooperation, andere über Mundpropaganda. Doch weil es in der Schweiz für Franchising kein eigenes Gesetz gibt, ist es ratsam, für den Abschluss eines ausgewogenen Vertrags einen Anwalt hinzuzuziehen.


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Die notwendigen Grundlagen

  • Für den Franchisegeber: Er braucht ein tragfähiges Konzept, das sich bewährt hat. Seine Marke, sein Firmenname und sein Logo müssen registriert sein. Mit dem Franchise-System kann er sein Konzept verbreiten und sogar ins Ausland exportieren. Er muss dauerhaft aktiv bleiben und dem Franchisenehmer bei Bedarf zur Verfügung stehen.
  • Für den Franchisenehmer: Er hat die Pflicht, die Marke zu respektieren und das Konzept des Franchisegebers nicht zu verfälschen. Er kann in der Schweiz oder im Ausland nach Konzepten suchen, die er nutzen möchte. Der Franchisenehmer ist finanziell unabhängig, aber der Franchisegeber hat dennoch ein Recht auf Einsicht in seine Buchhaltung.

Letzte Änderung 06.07.2016

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