Lösungen für eine bessere Integration von Senioren im Unternehmen

Immer mehr Arbeitnehmende sind älter als 55 Jahre. Indem Unternehmen aufmerksam verfolgen, wie sich ihre Rolle entwickelt, können sie den Verbleib der Älteren auf dem Arbeitsmarkt optimieren.

Drei Angehörige der Altersgruppe 50 plus zusammen mit zwei jüngeren Personen beim Arbeiten an Computerbildschirmen

Das Altern der Schweizer Bevölkerung stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. 2014 waren die 40- bis 64-Jährigen laut Angaben des Bundesamtes für Statistik mit 35,3% die grösste Altersgruppe der in der Schweiz lebenden Menschen. Die Gruppe der 20- bis 39-Jährigen machte 26,7% aus. Mit Massnahmen, die bewirken sollen, dass sich Senioren (Arbeitnehmende über 55) wohl und eingebunden fühlen, setzen die KMU ihnen Anreize, länger auf dem Arbeitsmarkt zu bleiben.

Aktuell setzt der Bund mehrere flankierende Massnahmen um, welche die Beschäftigung von Seniorinnen und Senioren begünstigen sollen. Wird die Vorlage Altersvorsorge 2020 vom Parlament beschlossen, können die Versicherten den Zeitpunkt ihres Renteneintritts zwischen 62 und 70 Jahren frei wählen. Entscheiden sie sich für eine Teilzeitbeschäftigung, zahlen sie einerseits weiter in die Versicherung ein und beziehen andererseits eine Teilrente.

Offen über mögliche Anpassungen sprechen

Die Rolle von Seniorinnen und Senioren in Unternehmen kann mit einigen Anpassungen so gestaltet werden, dass sie sich besser integrieren können. "Arbeitgebende haben den Reflex, mit jungen Angestellten über ihre berufliche Entwicklung zu sprechen, mit älteren jedoch nicht", meint Jérôme Cosandey, Projektleiter bei Avenir Suisse. "Es ist aber für beide Gruppen wichtig, solche Gespräche zu führen." Das Thema der letzten Berufsjahre oder des Renteneintritts sollte früh genug angesprochen werden, damit vermieden wird, dass der Arbeitgeber plötzlich vor vollendeten Tatsachen steht. "Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, ein solches Gespräch im Alter von 58 Jahren fest zu etablieren. Dann wird der Beschäftigte es nicht als persönlichen Angriff auffassen." Ein Gespräch bietet die Gelegenheit, neue Leistungsziele in Angriff zu nehmen, auf Wunsch auf Teilzeit umzusteigen oder auch eine neue Stelle zu übernehmen.

Damit die Arbeitnehmenden über ihr gesamtes Berufsleben hinweg an den Aktivitäten des Unternehmens teilhaben können, ist es sehr wichtig, dass sie Zugang zu Weiterbildungen haben. "Der Impuls sollte sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Arbeitnehmer kommen", macht Maya Rolewicz, wissenschaftliche Leiterin beim Staatssekretariat für Wirtschaft, deutlich. "Weiterbildung muss allen angeboten werden, unabhängig vom Alter", sagt Marco Taddei, Mitglied der Geschäftsleitung des Schweizerischen Arbeitgeberverbands. Im Bundesgesetz über die Weiterbildung (WeBiG), das im Juni 2014 verabschiedet wurde, heisst es, "der einzelne Mensch trägt die Verantwortung für seine Weiterbildung", aber die Arbeitgebenden "begünstigen die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter". Ferner sieht das Gesetz die Ausrichtung von Finanzhilfen für Weiterbildungen vor (Art. 10).

Loyale Mitarbeiter

Senioren sind seltener von Arbeitslosigkeit betroffen als junge Arbeitnehmende. "Werden sie jedoch arbeitslos, brauchen sie häufig länger, um wieder eine Arbeit zu finden", weiss Maya Rolewicz. Das liegt an den Vorurteilen der Arbeitgebenden gegenüber älteren Arbeitnehmenden. "Sie denken, dass diese langsamer arbeiten oder häufiger krank sind", bedauert Jérôme Cosandey. "Tatsächlich gibt es keine Studie, die das belegen würde."

Die Senioren verkörpern jedoch einen echten Mehrwert, insbesondere weil sie loyale Mitarbeiter sind, die dem Unternehmen erhalten bleiben. "Arbeitgeber können den Eindruck haben, dass ein Senior weniger lange in der Firma bleiben wird als ein jüngerer Mitarbeiter. Das ist eine verzerrte Wahrnehmung des Arbeitsmarktes. Junge Arbeitnehmende wechseln häufig ihren Arbeitgeber. Mit 56 Jahren wird jemand eher bis zur Rente bleiben", erläutert Jérôme Cosandey.

Bei der Rekrutierung sollte man das Alter daher nicht in die Suchkriterien einbeziehen. "Das Alter hat keine Bedeutung. Was zählt, sind die Jahre an Berufserfahrung in der Branche", so der Experte weiter. "Die Erfahrung der Senioren ist ein erheblicher Vorteil, den man nicht unterschätzen darf", ergänzt Marco Taddei.


Informationen

Zum Thema

Ältere Arbeitnehmende in Zahlen

Die Erwerbstätigenquote unter den Schweizerinnen und Schweizern zwischen 55 und 64 Jahren lag 2015 bei 72,8%, unter den über 65-Jährigen waren es 11,9%. Senioren stellen einen immer höheren Anteil an den Schweizer Arbeitskräften. Das Bundesamt für Statistik gibt bekannt, dass "gemäss dem mittleren Szenario für die Bevölkerungsentwicklung der Schweiz der Anteil der Erwerbstätigen ab 55 Jahren an der Erwerbsbevölkerung im Jahr 2060 bei 21,2% liegen dürfte, nach Erreichen eines Höchstwerts von 22,3% zwischen 2025 und 2027."

Letzte Änderung 06.04.2016

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