Job-Sharing: Eine Chance für KMU

Die Aufgaben einer Vollzeitstelle auf zwei Personen aufzuteilen, ist auch in kleinen und mittleren Unternehmen möglich. Der Vorteil: Ein Zuwachs an Produktivität und Kompetenzen.

Job-Sharing, dargestellt durch zwei Personen, die sich mit ihren Laptops an einem Tisch gegenüber sitzen

Teilzeitarbeit ist heute bei den allermeisten Unternehmen in der Schweiz möglich. Doch im Bereich der Arbeitsorganisation breitet sich auch ein neues Modell aus: Job-Sharing. Konkret handelt es sich dabei um eine Vollzeitstelle, die mit zwei Arbeitnehmenden besetzt wird, die sich die Aufgaben und Zuständigkeiten teilen. 

Das Konzept, das in den 80er Jahren in den USA entstanden ist, konnte laut einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) bereits 27% der Schweizer Arbeitgeber überzeugen. Ein weiteres Ergebnis der Erhebung: Job-Sharing ist bei 44% der Unternehmen mit mehr als 1'000 Beschäftigten ein Thema, aber nur bei 22% der Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitenden.

Das Konzept bietet jedoch auch für kleine und mittlere Unternehmen interessante Vorteile. "Familienbetriebe, die gemeinsam von Ehepaaren geleitet werden, zeigen, dass das Modell auch in KMU funktioniert und man zu zweit Spitzenleistungen bringen kann", betont Irenka Krone-Germann, Mitgründerin des Vereins PTO (Part-TIme Optimisation) und Co-Direktorin der Plattform We Jobshare. 

Mehr Effizienz 

Die grössten Vorteile? Durch die gebündelte Energie von zwei Mitarbeitenden bringt Job-Sharing einen Produktivitätsgewinn. Studien zeigen, dass die Effizienz einer Person ab einer bestimmten Anzahl an Wochenarbeitsstunden abnimmt. Mit "zwei Köpfen zum Preis von einem" bedeutet dieses System der Arbeitsplatzteilung auch, dass man mehr Kompetenzen vereint, Entscheidungen effizienter getroffen werden und das Netzwerk doppelt so gross ausfällt. Ein weiterer Pluspunkt: Wenn eine der beiden Personen fehlt, ist die kontinuierliche Besetzung des Arbeitsplatzes dennoch gewährleistet. 

Das Konzept hat ausserdem einen positiven Einfluss auf das Firmenimage. "So kann sich ein Unternehmen als Vorreiter präsentieren. Das ist ein Vorteil, wenn es um die Anwerbung junger dynamischer Nachwuchskräfte geht", so Krone-Germann weiter. "Allgemein greifen die Unternehmen immer häufiger auf Job-Sharing zurück, um die besten Köpfe für sich zu gewinnen. Gut ausgebildete Frauen interessieren sich häufig für Teilzeitangebote. Da besteht ein enormes Potenzial für die Arbeitgeber, denn beim Job-Sharing kann man auch auf einer Führungsposition in Teilzeit arbeiten." 

Klare Arbeitsteilung 

Es ist wichtig zu wissen, dass Job-Sharing nicht auf 50%-50% oder 40%-60% beschränkt ist. Die Partner können beispielsweise beide 60% arbeiten und davon 50% ihrer gemeinsamen Aufgabe und 10% einer Projektarbeit widmen. Die beiden Mitglieder eines Duos müssen sich nicht unbedingt vorher kennen, damit das Rezept funktioniert. Es gibt mittlerweile eine Website mit dem Titel "We Jobshare", auf der Arbeitnehmende, die ihren Arbeitsplatz teilen möchten, Interessierte finden können. 

"Job-Sharing macht die Arbeit lebendiger, weil man in einem ständigen Wissensaustausch ist und sich gegenseitig inspiriert", weiss Dorothea Tettamanti, die das in Zug ansässige Telekommunikationsunternehmen Comintegration gemeinsam mit ihrem Ehemann Armando Tettamanti. "Die Verantwortung liegt nicht nur bei einer Person." Das Paar hat genau definiert, wer welche Aufgaben hat. "Mein Mann ist für die technischen Fragen zuständig. Ich kümmere mich um die Verwaltung, die Finanzen und alles, was mit dem Firmenimage zusammenhängt. Eine klare Aufteilung ist sehr wichtig, genau wie eine offene und vertrauensvolle Kommunikation." 

Weitergabe von Informationen 

Aber Job-Sharing bringt auch besondere Schwierigkeiten mit sich. "Die ständige Weitergabe von Informationen ist eine Herausforderung, vor allem bei den alltäglichen Entscheidungen, die kurzfristig getroffen werden müssen", betont Dorothea Tettamanti, die ein Unternehmen mit 4 Beschäftigten leitet. Ausserdem gibt es den Wissenstransfer nicht umsonst: Experten empfehlen, dass die beiden Partner eines Duos einen halben Tag gemeinsam arbeiten. In der Regel sind die festen Kosten höher: Die beiden Mitarbeitenden brauchen zwei Computer, manchmal auch zwei Arbeitsplätze. Auch das Rekrutierungsverfahren und die Betreuung gestalten sich komplizierter. 

Den KMU, die das Thema angehen möchten, rät Irenka Krone-Germann vor allem, sich über die bestehenden Modelle und die Möglichkeiten der Umsetzung zu informieren und sich von einer darauf spezialisierten Organisation begleiten zu lassen. Gegenwärtig gibt es keine besonderen gesetzlichen Vorgaben zum Job-Sharing und die passendste Vertragsform ist der individuelle Arbeitsvertrag.


Informationen 

Zum Thema

Job-Sharing in Zahlen 

Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat 2014 eine grosse Studie zum Job-Sharing in der Schweiz durchgeführt.

  • Dem Bericht zufolge nutzen in der Deutschschweiz 30% der Arbeitgebenden Job-Sharing, in der Westschweiz und im Tessin sind es je 20%.
  • Im öffentlichen Sektor ist das Modell stärker verbreitet als in der Privatwirtschaft (46% zu 25%).
  • In 90% der Fälle werden die Arbeitsplätze zwischen zwei Frauen aufgeteilt. Die übrigen 10% betreffen im Wesentlichen Mann-Frau-Konstellationen.

Letzte Änderung 02.11.2016

Zum Seitenanfang

https://www.kmu.admin.ch/content/kmu/de/home/aktuell/monatsthema/2016/job-sharing-eine-chance-fuer-kmu.html