Flüchtlinge beschäftigen – wie geht das?

Anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig aufgenommene Personen in der Schweiz einzustellen, ist möglich und kann für ein Unternehmen sogar eine attraktive Option sein. Ein Wegweiser.

Mehrere Personen unterschiedlicher Nationalität sitzen um einen Tisch herum

Laut Angaben des Staatssekretariats für Migration (SEM) gibt es in der Schweiz knapp 16'000 anerkannte Flüchtlinge und 23'000 vorläufig aufgenommene Personen im erwerbsfähigen Alter. Doch nur 25% bis 30% von ihnen sind in den ersten Jahren tatsächlich erwerbstätig. Darüber hinaus gibt es 68'000 Asylbewerber, von denen nur sehr wenige arbeiten. Viele Arbeitgebende verkennen die Chancen, die mit diesen Arbeitskräften verbunden sind. Es kann sich um äusserst motivierte Menschen handeln, die sich bei ihrer Arbeit besonders stark engagieren, weil die Integration dadurch erheblich befördert wird. Ausserdem ist dieses Personal sofort vor Ort verfügbar, sodass man nicht im Ausland rekrutieren muss. 

Welche Beschäftigung bei welchem Status?

Personen, die dem Asylbereich zugeordnet sind, ist eine Erwerbstätigkeit nicht untersagt. Im Gegenteil. Alles hängt davon ab, in welcher Phase des Asylverfahrens sich die Person befindet. In den ersten drei Monaten nach dem Einreichen eines Asylantrags darf ein Asylsuchender (Ausweis N) nicht arbeiten. Nach Ablauf dieser Frist kann er um eine Arbeitsbewilligung ersuchen, allerdings ist dies von der wirtschaftlichen Lage des Kantons abhängig. Wenn dem Asylbewerber die Anerkennung als Asylant verweigert wurde, er aber aus verschiedenen Gründen nicht in sein Heimatland abgeschoben werden kann, erhält er ein Bleiberecht (Ausweis F) und kann in dem Kanton, dem er zugeordnet ist, arbeiten. Und mit einem anerkannten Status als Flüchtling mit Asyl (Ausweis B) ist es ebenfalls möglich zu arbeiten. 

Wer einen B- oder einen F-Ausweis hat, zählt als inländische Arbeitskraft. Für diese Personen ist der Zugang zum Arbeitsmarkt nicht beschränkt und nicht konjunkturabhängig. "Der Begriff "vorläufig aufgenommen" schreckt Arbeitgeber, die Stabilität suchen, manchmal ab, aber diese Bewilligung kann jährlich verlängert werden und faktisch bleibt die überwältigende Mehrheit der Flüchtlinge mit einem Ausweis F in der Schweiz", erklärt Céline Kohlprath, Sprecherin des SEM. Es ist im Interesse aller, dass diejenigen, die in der Schweiz Schutz erhalten haben und am Anfang ihres Integrationsprozesses stehen, arbeiten können. In diesem Stadium (beim Erhalt einer F- oder B-Bewilligung) werden die Migrantinnen und Migranten auch in Beschäftigungs- und Integrationsprojekte aufgenommen, die die berufliche und soziale Integration fördern sollen. 

Wie erhält man eine Arbeitsbewilligung?

Um Personen aus dem Asylbereich einstellen zu können, ist eine kantonale Bewilligung erforderlich. Der Arbeitgeber muss das Gesuchsformular einschliesslich einer Kopie des Ausländerausweises des Migranten und des unterzeichneten Arbeitsvertrags an die zuständigen kantonalen Behörden übermitteln. Diese prüfen, ob der Vertrag den für den Ort, den Beruf und die Branche üblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen entspricht. 

Ist mit zusätzlichen Kosten zu rechnen?

Die Verfahren und Gebühren sind von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Allgemein haben die Kantone die Ausstellung einer Arbeitsbewilligung aber vereinfacht und bestimmte Kosten zulasten der Arbeitgebenden abgeschafft. 

An wen kann man sich wenden?

"Alle Kantone verfügen über Programme und Projekte, um die berufliche Integration von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen zu fördern", weiss Nicole Gysin, Sprecherin der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK). Wichtig ist, dass man sich vorrangig an die lokalen Behörden wie die kantonalen Integrationsfachstellen wendet. Diese unterstützen Arbeitgebende, die eine Person aus dem Asylbereich einstellen möchten, die noch nicht lange in der Schweiz lebt. Sie suchen Bewerberinnen und Bewerber, die zu den Erwartungen der Unternehmen passen, und helfen den Arbeitgebenden beim Verfahren zum Erhalt einer Arbeitsbewilligung. Häufig stellen sie auch einen Coach zur Verfügung, der den Arbeitgeber und die eingestellte Person begleitet. 

Pilotprojekte

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) hat ferner ein Projekt auf die Beine gestellt, mit dem der Kontakt zwischen Flüchtlingen oder vorläufig aufgenommenen Personen und landwirtschaftlichen Betrieben, die gering qualifizierte Arbeitskräfte benötigen, hergestellt wird. "Wir haben bemerkt, dass es an Koordination mangeln könnte zwischen den Migrationsämtern – die arbeitssuchende Flüchtlinge kennen –, der Sozialhilfe und den Vermittlungsstellen, die ein Verzeichnis der Arbeitgeber führen, die Arbeitskräfte brauchen", erläutert Jacques Bourgeois, Direktor des SBV. "Eine neue Gesetzgebung dürfte bald Abhilfe schaffen, aber in der Zwischenzeit haben wir mit den Gewerkschaften, den Landwirtschaftskammern und den Migrationsämtern ein neues Angebot eingeführt. Das Pilotprojekt, das anfänglich etwa fünfzehn Personen umfasste, war ein Erfolg. Einige der zunächst als Saisonarbeiter rekrutierten Flüchtlinge wurden später in Vollzeit beschäftigt. Und Kantone wie Luzern oder Zug haben die Initiative übernommen." 

Worauf muss man achten?

Einen Flüchtling einzustellen, bedeutet jedoch "eine Begleitung und eine zusätzliche Anstrengung" für den Arbeitgeber, wie Jacques Bourgeois zu bedenken gibt. "Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es nicht so ist, als hätte man eine Gruppe von Leuten, die Erfahrungen in der Schweizer Landwirtschaft haben. In jedem Fall sind vor allem die Sprachkenntnisse entscheidend, aber auch der Wille, sich zu integrieren und im Agrarbereich zu arbeiten." Und gerade im Hinblick auf die Sprache gibt es viele Möglichkeiten der Unterstützung (s. Kasten).


Informationen 

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Sprache ist Trumpf

Die Beherrschung der Sprache ist der Schlüssel zu einer guten beruflichen Integration. In allen Kantonen und grossen Städten gibt es ein vielfältiges Angebot an Sprachkursen, die insbesondere an die Bedürfnisse der jeweiligen Wirtschaftszweige angepasst sind. 

Zudem können Arbeitgebende ihre anderssprachigen Mitarbeitenden beim Lernen der Sprache unterstützen. Zu diesem Zweck haben die Arbeitgeber- und Branchenverbände in einem Flyer eine Reihe von Tipps für KMU zusammengestellt. Sie raten unter anderem dazu:

  • Sprachkurse anzubieten (auch während der Arbeitszeit),
  • die häufigsten und gebräuchlichsten Gegenstände zu beschriften,
  • Pläne und Anleitungen in einer einfachen und klaren Sprache anzubieten,
  • alle Teams einzubeziehen, um sie zu sensibilisieren oder für die Vermittlung der Sprache auszubilden, und sei es auch nur kurz,
  • sicherzustellen, dass jedes Gespräch verstanden wurde, indem man den anderen bittet, das Gesagte neu zu formulieren, aber auch, indem man sich bemüht, sich so einfach und klar wie möglich auszudrücken; allerdings sollten die gebräuchlichen Regeln der Grammatik und Orthografie dabei nicht unter den Tisch fallen.

Letzte Änderung 07.12.2016

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