Die Schweiz im Label-Rausch

Seit einigen Jahren stehen Unternehmen und Konsumenten
vor einer immer grösseren Auswahl an Zertifizierungen. Ein Überblick mit Erläuterungen.

Hand hält einen Holzstempel mit der Aufschrift Zertifizierung

Die Zahl der in der Schweiz erfassten Gütesiegel steigt unaufhörlich. 2006 hatte das Eidgenössische Büro für Konsumentenfragen (BFK) 99 gezählt, 2007 waren es 119, 2009 schon 171 und 2014 sogar 288. Das Büro erklärt diesen Anstieg mit dem Auftauchen neuer Zertifizierungen, aber auch mit einer ausgeweiteten Definition des Begriffs Label. In seiner Auflistung führt das Büro nicht nur reine Gütesiegel auf, sondern auch ähnliche Kennzeichnungen wie Konformitätszeichen oder Kollektivmarken.

Für KMU sind Labels ein Geschäftsinstrument. "Sie ermöglichen den Herstellern, bestimmte Eigenschaften eines Produktes oder einer Dienstleistung, die sie garantieren, zur Geltung zu bringen, wobei diese Eigenschaften über die Anforderungen für das Inverkehrbringen des Produktes hinausgehen", stellt Benno Maurer, Forscher beim BFK, fest. Die Preise für diese Zertifikate variieren und hängen unter anderem von der Firmengrösse ab. Sie können zwischen ein paar hundert und einigen tausend Franken betragen.

Diese Zertifizierungen sind auch eine wichtige Informationsquelle für die Konsumentinnen und Konsumenten. "So können sie in vollständiger Kenntnis der Sachlage Produkte oder Dienstleistungen auswählen, die einen Mehrwert bieten", fügt Benno Maurer hinzu. Dieser Mehrwert betrifft verschiedene Bereiche wie Umwelt, Gesundheit, Qualität, Arbeitsbedingungen in Entwicklungs- oder Schwellenländern usw.

Für ein KMU, das an einer öffentlichen Ausschreibung teilnehmen will, kann die Auszeichnung durch ein Label nützlich sein, um seine Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen und sich von anderen abzuheben. Der Erfolg einer Zertifizierung wie der Genfer Initiative Eco-Label ist ein Beleg dafür. Seit 2011 werden damit Anstrengungen nachgewiesen, welche die Firmen im Bereich Nachhaltigkeit unternehmen, insbesondere bei Mülltrennung und Energieeinsparung. Bis heute wurde das Label an mehr als 300 Unternehmen vergeben.

Fokus auf Ernährung: rund sechzig verschiedene Labels

Im Herbst 2015 wurde von der Westschweizer Konsumentenvereinigung (FRC), die Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen, Pusch, WWF und Helvetas eine Bewertung der Lebensmittel-Labels für Nachhaltigkeit veröffentlicht. Es handelt sich dabei um Gütesiegel, die auf die nachhaltige Produktion der Lebensmittel hinweisen, eine genaue Herkunft garantieren oder ein traditionelles Herstellungsverfahren belegen. Insgesamt wurden auf dem Schweizer Markt rund sechzig Lebensmittel-Labels gezählt (s. Link: www.frc.ch/labels).

Um sich von der Konkurrenz abzuheben, sollten die Produzenten auf glaubwürdige Gütesiegel setzen, die den Käuferinnen und Käufern ein echtes "Plus" bieten, meint Barbara Pfenniger, Leiterin des Bereichs Ernährung bei der FRC. "Die Konsumenten suchen für ihre Lebensmittel immer häufiger nach vertrauenswürdigen Eigenschaften, die beim Kauf nicht sichtbar sind, insbesondere im Hinblick auf die Produktionsweise und die eingesetzten Mittel. Die obligatorische Kennzeichnung liefert die Basisinformationen, die für eine aufgeklärte Entscheidung unverzichtbar sind. Die Labels gewährleisten Eigenschaften, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Doch nur ein Label mit öffentlich einsehbaren und transparenten Bewertungsanforderungen, das einer unabhängigen Zertifizierung und Kontrolle unterstellt ist, ist auch glaubwürdig."

Die FRC betont, dass die Schweizer KMU von den existierenden Labels profitieren können, indem sie denjenigen beitreten, die zu ihren Produkten passen, insbesondere Regionallabels, die eine lokale Herkunft der Zutaten sowie ein traditionelles Herstellungsverfahren garantieren.


Informationen

Zum Thema

Ein Online-Bewertungssystem

Es ist nicht immer leicht, sich im Label-Dschungel zurechtzufinden. Die seit 2011 von der Stiftung Pusch betriebene Website Labelinfo.ch ist eine umfangreiche Datenbank zu den Schweizer Labels. Sie liefert Informationen über 135 Gütesiegel und 19 Deklarationen auf Deutsch und Französisch. Seit 2014 enthält die Website ein Bewertungssystem. Geprüft wird beispielsweise, ob die Inhaber eine transparente Kommunikation haben oder unabhängigen Kontrollen unterstellt sind.

Letzte Änderung 03.02.2016

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