Ausländische Unternehmer: Warum haben sie sich für die Schweiz entschieden?

Dank der günstigen steuerlichen Rahmenbedingungen ist unser Land für ausländische Grossunternehmen attraktiv, doch weitere gute Eigenschaften machen es auch zu einem fruchtbaren Boden für Start-ups und mittelgrosse Unternehmen. Beispiele.

Luftbildaufnahme der Stadt Zürich mit der Limmat und der Altstadtkirche St. Peter

Die Qualität der Produkte und der Arbeitskräfte sowie die Professionalität der Schweiz sind die Kriterien, die regelmässig von ausländischen Unternehmenden genannt werden, die beschlossen haben, sich hier niederzulassen. Zudem bietet das Land ein günstiges Umfeld für Innovationen, insbesondere dank der möglichen Zusammenarbeit mit grossen Universitäten wie den Technischen Hochschulen in Lausanne oder Zürich.

Europäische Unternehmende loben darüber hinaus die einfachen und flexiblen administrativen Verfahren in der Schweiz. Sie wird als gastfreundliches und dialogbereites Land wahrgenommen, in dem Geschäfte auf Vertrauen basieren. Drei Unternehmer aus dem Ausland erzählen, warum sie sich für die Schweiz entschieden haben.

1) Ein Qualitätslabel

Petter Neby ist Norweger und lebt in Italien, wo er mehrere Unternehmen leitet. Sein jüngstes Start-up lancierte er 2008 in der Schweiz, genau gesagt in Lugano. Die Firma Punkt, die heute 11 Beschäftigte hat, entwickelt und verkauft Objekte in puristischem Design, zum Beispiel ein Telefon, mit dem man nur telefonieren kann. "Die Schweiz ist der ideale Ort für diese Marke, die auf schnörkellose hochwertige Produkte setzt", sagt Petter Neby.

Der Unternehmer schätzt es, dass die Schweizer Verwaltung vieles vereinfacht. "Das System bietet ein hohes Mass an Flexibilität, wodurch man die Mitarbeiter und das Unternehmen testen kann. In Italien ist es extrem kompliziert, jemanden zu entlassen", ergänzt er.

Die Löhne in der Schweiz seien zwar hoch, doch insgesamt werde diese Belastung bei den Arbeitskosten kompensiert, meint Petter Neby. "Da die administrativen Verfahren so unkompliziert sind, müssen wir kein Geld für Berater ausgeben", fügt er hinzu.

Petter Neby ist der Ansicht, dass das Tessin ein Potenzial für Innovationen und die Diversifizierung seiner Aktivitäten birgt, das es ausbauen sollte. "Mit Hilfe des Kantons könnten wir so viele Dinge aufbauen, zum Beispiel eine Designschule", so die Vision des Norwegers.

2) Unterstützung für Innovationen

Benoît Cailleteau arbeitet in Botterens im Kanton Freiburg an einem innovativen Urinbeutel-System, um die Gefahr von Krankenhausinfektionen einzudämmen. Für den französischen Arzt war die Innovationsfähigkeit ausschlaggebend für die Entscheidung, M3AT in der Schweiz zu lancieren. "Die Technologie konnte mit Hilfe der ETH Lausanne entwickelt werden", freut sich Cailleteau.

Seiner Meinung nach sind die Schweizer "sehr offen und einladend, aber nicht naiv. Da wird keine heisse Luft produziert, wer etwas sagt, hält sich auch daran." Der Arzt profitiert von der Unterstützung durch das Schweizer Unternehmen Mecaplast, einen strategischen Partner von M3AT. "Sie haben der Entwicklung meines Produktes eine Chance gegeben, indem sie einen Teil meiner Aufwendungen übernommen haben."

Der ehemalige Arzt weiss ebenfalls die Offenheit und die Flexibilität des Schweizer Systems zu schätzen. "Das Thema Steuern ist allgegenwärtig, aber die Behörden kommen auf einen zu und versuchen, eine Lösung zu finden, die für beide Parteien akzeptabel ist.  

3) Ein idealer Markt

Tobias Schubert und Roman Hartmann lancierten im Juni 2014 in Zürich das Start-up Farmy, das frische Bio-Produkte online verkauft. "Nach einer intensiven Marktanalyse haben wir uns für die Schweiz entschieden", erklärt Tobias Schubert, der vor seinem Umzug in die Schweiz lange in Russland gearbeitet hat. Er fügt hinzu: "Der Pro-Kopf-Konsum von Bio-Produkten ist dort so hoch wie nirgendwo sonst auf der Welt."

Auch das Angebot konnte die beiden aus Deutschland stammenden Unternehmer zufriedenstellen. "In der Schweiz gibt es mehr als 6'000 Bio-Betriebe", freut sich Tobias Schubert. Die Firma hat kein Lager, also auch keine Verluste. Die Bestellungen werden an die Produzenten geschickt und zwei Tage später ausgeliefert. "Das ist eine Win-win-Situation, denn wir bieten den Schweizer Landwirten einen Zugang zum E-Commerce."

Tobias Schubert schätzt die Professionalität der Schweizer. "Alles beruht auf Vertrauen. Man muss pünktlich und diskret sein und auf seinen Ruf achten", betont er.

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Letzte Änderung 06.01.2016

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