Kann Business Intelligence für KMU von Nutzen sein?

Mit Business Intelligence soll die wachsende Menge an Informationen, die in den Unternehmen generiert werden, gewinnbringend genutzt werden. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig.

Detailfoto einer Platinenkarte

Business Intelligence geht von einer einfachen Annahme aus: Menschen brauchen Computer, um die Daten, die sich aus den täglichen Abläufen im Unternehmen ergeben, verstehen und nutzen zu können. Laut Einschätzung von Professor Periklis Andritsos, der an der Wirtschaftsfakultät der Universität Lausanne arbeitet, wird diese Technik künftig immer mehr an Bedeutung gewinnen: "Dank der Verbreitung der Informatik produzieren die Unternehmen immer mehr Daten. Um den Wert dieser Daten entsprechend nutzen zu können, brauchen sie Instrumente aus dem Bereich Business Intelligence."

Business Intelligence lässt sich in drei aufeinander folgende Abschnitte einteilen: Sammlung, Auswertung und Verbreitung von Daten. Alles beginnt mit dem Sammeln von Daten. Es kann sich um Textdateien, Datenbanken oder auch Excel-Tabellen handeln – eine Masse an Informationen, die in einem Data Center gespeichert wird. Der zweite Schritt besteht darin, die Daten so aufzubereiten, dass sie leicht abzurufen und zu analysieren sind. In diesem geordneten Zustand werden die Informationen dann den verschiedenen Abteilungen des Unternehmens zur Verfügung gestellt.

"Die Daten der KMU sind wertvoll"

Business Intelligence kann auf vielerlei Weise in KMU zur Anwendung kommen. Sie kann zum Beispiel die Produktivität der Kader verbessern, eine Logistikkette optimieren oder den Unternehmen bei Innovationen helfen (s. Kasten rechts). Marc Tesch, Leiter der Consulting-Agentur LeanBi, ist der Ansicht, dass Entscheidungen sehr viel effizienter getroffen werden, wenn sie auf zuverlässigen und leicht zu interpretierbaren Elementen beruhen. "Viele KMU entscheiden instinktiv, ohne sich bewusst zu machen, dass die Daten, die sie besitzen, einen Wert haben."

Der Markt für Business Intelligence wird von mehreren Riesen beherrscht, darunter die amerikanischen Firmen Microsoft, IBM und Oracle oder der deutsche SAP-Konzern. Diese Firmen bieten Software an, mit der sich die drei Aufgaben der Business Intelligence erfolgreich bewältigen lassen, also die Sammlung, Aufbereitung und Darstellung der Daten. Daneben gibt es auch Schweizer Software-Entwickler wie die Firma von Marc Tesch, die eine eigene Lösung anbieten. "Alle Aufgaben sind in einer einzigen Software gebündelt. So können kleine und mittlere Unternehmen die Programme mühelos nutzen."

Externe oder interne Lösungen

KMU können ihre eigene Business Intelligence-Software intern entwickeln, was ihnen eine vollständige Kontrolle garantiert, aber entsprechend qualifiziertes Personal erfordert. Ebenso können sie sich an externe Dienstleister wenden, von denen es auf dem Markt immer mehr gibt. Die IT-Infrastruktur wird dann rasch implementiert, aber die Kosten sind nicht unerheblich.

LeanBi beispielsweise bietet den Unternehmen mehrere Produkte wie Monatsabos oder ein Starter Kit an. Letzteres kostet CHF 18'900 und enthält die Software und die Basis-Infrastruktur sowie 15 Beratungstage und zwei Tage mit Praxis-Workshops. Das Monatsabonnement ermöglicht die Nutzung der Infrastruktur, die für die Aufgaben der Business Intelligence benötigt wird. Das günstigste kostet CHF 180 pro Monat (und pro Nutzer) und bietet Zugang zu einer cloudbasierten Lösung, also einer, die auf firmenexternen Servern gehostet wird.

Der Professor der HEC Lausanne, Periklis Andritsos, rät den Unternehmen, intern ihre eigenen Business Intelligence-Lösungen zu entwickeln. "Die Lösungen der grossen Anbieter haben oft eine gute Qualität. Sie machen den Nutzer jedoch von einem externen Dienstleister abhängig. Abgesehen von den Kosten für ein Abonnement kann es sein, dass ein Massenprodukt mit einem seltenen Dateiformat nicht kompatibel ist." Die Entwicklung interner Lösungen gestattet einem Unternehmen, sich eine gewisse Flexibilität zu erhalten. Der Professor hebt hervor, dass es im Internet auch mehrere Open-Source-Programme gibt. "Bei Nutzung durch erfahrene Informatiker können diese kostenlosen Tools ebenso leistungsfähig sein wie die Produkte der Branchenriesen." Aus Sicht des Experten sollten mindestens 10% des Personals einer Firma im Bereich Business Intelligence eingesetzt werden.


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Im Dienste des Innovationsmanagements

Einer der Anwendungsbereiche von Business Intelligence betrifft die Innovation. Zu den Schweizer Unternehmen, die in dieser Branche aktiv sind, gehört Koina in Zürich: "Unser Ziel ist es, das Innovationsmanagement unserer Kunden zu perfektionieren, ihre Kreativität anzuregen und ihre Produkte zu verbessern, indem die Bedürfnisse der Kunden oder die Strategien der Konkurrenten identifiziert werden", erklärt Maria Tarcsay, die in der Firma das Innovationsmanagement leitet. "Business Intelligence kommt in allen Phasen des Innovationsprozesses zum Einsatz."

Die Agentur berät unter anderem eine Marke für elektrische Haushaltsgeräte aus Zug. "Mithilfe von Business Intelligence haben wir verschiedene Aspekte der Produkte der Firma, den Einsatz neuer Technologien und das Angebot der Konkurrenz analysiert. Darüber hinaus haben wir mehrere Gespräche mit Kunden geführt, damit wir ihre Bedürfnisse verstehen." Auf der Grundlage der Vorschläge von Koina entwickelt die Firma derzeit eine ergänzende Software, die in die nächste Generation ihrer Waschmaschinen eingebaut wird.

Letzte Änderung 03.06.2015

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