Fokus auf Wohlbefinden: Wie man die Motivation der Mitarbeitenden fördern kann

Viele KMU entscheiden sich dafür, auf nicht-finanzielle Benefits zu setzen, um das Engagement ihrer Beschäftigten zu stärken. Die Rechnung geht auf.  

Mann in Geschäftskleidung mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen draussen vor einem Bürogebäude

Ruheräume, kostenloses Essen, E-Bikes, Fitnessräume, Kinderbetreuung oder Kurse für die persönliche Weiterentwicklung. Zahlreiche Unternehmen setzen eher auf Lebensqualität als auf finanzielle Anreize wie Lohnerhöhungen oder Prämien, um die Motivation ihrer Mitarbeitenden stabil zu halten.

Laut Dirk Hanebuth, Berater bei der Consulting-Agentur Great Place to Work in Zürich, wird es immer wichtiger, innerhalb der Firma Massnahmen zur Förderung des Wohlbefindens der Beschäftigten zu treffen, ganz unabhängig von der Unternehmnensgrösse. "Die Mitarbeiter möchten heute mehr Freizeit haben", sagt er. "Bei den jungen Generationen ist der Lohn nicht mehr der zentrale Karriereaspekt. Unternehmen, die das verstanden haben und sich daran anpassen, erreichen häufig die besten Leistungen."

Zu den rund hundert Schweizer Kunden von Great Place to Work gehört unter anderem das Basler Pharmaunternehmen Mundipharma Medical Company, das etwa fünfzig Personen beschäftigt. Dieses Unternehmen hat insbesondere ein Gesundheitsprogramm eingeführt, das die Themen Ernährung, Stressabbau und Sport sowie Meditationskurse abdeckt, um neue Wege zur Entspannung anzubieten.

Zugleich leistet es einen monatlichen Beitrag zur Krankenversicherung der Beschäftigten und unterstützt die Teilnahme an einem grossen internationalen Firmenlauf. "Das Feedback ist grossartig", sagt Personalleiterin Regula Müller. "Wir sind überzeugt, dass eine hohe Zufriedenheit unserer Angestellten ein Schlüsselfaktor für ein nachhaltiges Wachstum ist. Wir versuchen vor allem, unsere Kollegen zu ermutigen, sich für ihr eigenes Wohlbefinden zu interessieren, anstatt starre Programme für sie anzubieten." Die Firma gewährt auch viele Freiheiten hinsichtlich der Arbeitszeitgestaltung, damit die Mitarbeitenden ihr Privatleben bestmöglich organisieren können.

"Die Kosten halten sich im Rahmen"

Die Freiburger Firma Liip, die im Bereich Web-Entwicklung tätig ist, hebt sich dadurch hervor, dass sie ihren Angestellten 4 Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub gewährt. Das ist in der Schweiz noch sehr selten. "Bei uns steht eindeutig der Mensch im Mittelpunkt: Für uns als Dienstleistungsunternehmen ist er die wichtigste Ressource", meint Personalleiter Jonas Vonlanthen.

Das Unternehmen mit 113 Beschäftigten und einem Männeranteil von 80% arbeitet auf verschiedenen Ebenen daran, die Motivation der Mitarbeiter auf einem optimalen Level zu halten. So können die Arbeitnehmer entscheiden, ob sie 80% oder 100% arbeiten möchten, und sie haben die Möglichkeit, ihre Beschäftigungsrate alle drei Monate zu ändern. Im Moment arbeiten zwei Drittel der Angestellten Teilzeit.

Geplant sind weitere Leistungen wie Massagen, Ernährungsberatung oder sportliche Aktivitäten. "Wir merken, dass wir mit solchen Massnahmen viel mehr positive Effekte erzielen als mit einer Lohnerhöhung, sofern der Lohn bereits angemessen ist", erklärt Jonas Vonlanthen. "Dabei halten sich die Kosten im Rahmen. Man muss sich nur gut organisieren und im Vorfeld genau definieren, worauf die Beschäftigten ein Anrecht haben."

Natürlich können all diese Massnahmen nur von Unternehmen in Betracht gezogen werden, deren Geschäfte gut laufen. Das Thema Lohn bleibt für einige ebenfalls wichtig, besonders für Angestellte, die sich für unterbezahlt halten.

Laut Dirk Hanebuth wird es in den kommenden Jahren immer häufiger vorkommen, dass Firmen verbieten, nach 18 Uhr 30 und am Wochenende E-Mails oder SMS zu verschicken, damit insbesondere Burnout-Risiken vermieden werden: "Wenn man die Mitarbeiter wie Menschen behandelt, indem man ihnen das Gefühl gibt, dass alle an einem Strang ziehen, bleiben sie dem Unternehmen treu, und so kann man die besten für sich gewinnen. Es kommt daher allen zugute, wenn man an das Wohlbefinden der Mitarbeiter denkt."


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Letzte Änderung 07.10.2015

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