Eltern am Arbeitsplatz: Was müssen Arbeitgebende gewährleisten?

Strahlende junge Eltern mit ihrem schlafenden Neugeborenen

Die Situation junger Eltern in Unternehmen ist eine Frage, die viele bewegt und regelmässig im Parlament diskutiert wird. Ein Überblick über die aktuelle Lage in der Schweiz.

Die beruflichen Anpassungen, die nach der Geburt eines Kindes erforderlich sind, werden im Parlament häufig thematisiert. Vor Kurzem wurde die Idee eines allgemeinen Vaterschaftsurlaubs in den Kommissionen für soziale Sicherheit und Gesundheit der Eidgenössischen Räte diskutiert.

Im Moment bestehen zwischen den einzelnen Unternehmen erhebliche Unterschiede im Hinblick auf die Rechte junger Eltern. Laut Dr. Isabel Valarino, Forscherin an der Universität Lausanne und Expertin auf diesem Gebiet, kann man sogar von Ungleichheiten zwischen einzelnen Beschäftigten sprechen, wenn es um die Bedingungen geht, von denen diese in der Zeit nach der Geburt profitieren. So zeigt sich der öffentliche Sektor insgesamt grosszügiger als die Privatwirtschaft, auch wenn einige Grossunternehmen und KMU, welche die besten Talente für sich gewinnen möchten, Massnahmen anbieten, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern sollen.

Mutterschaftsurlaub

Was steht in den Gesetzen zu den Pflichten der Arbeitgebenden? In Bezug auf die Mutterschaft ist es verboten, eine Frau während der Schwangerschaft und in den 16 Wochen nach der Niederkunft zu entlassen (Obligationenrecht, Art. 336c). Darüber hinaus darf die Arbeitnehmerin gemäss dem Arbeitsgesetz (Art. 35a) nach der Niederkunft 8 Wochen lang nicht arbeiten. Bis zur 16. Woche kann sie wieder beschäftigt werden, aber nur mit ihrem Einverständnis.

Das Arbeitsgesetz (Art. 35, 35a, 35b) schützt zudem die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen während der Schwangerschaft und die Gesundheit stillender Mütter. Arbeitgebende haben für schwangere Beschäftigte angemessene Arbeitsbedingungen zu schaffen (Risikobewertung, Arbeitszeiten und Pausen, Arbeit im Stehen, geeigneter Raum zum Stillen oder für das Abpumpen von Milch). Das Gleichstellungsgesetz (Art. 3) untersagt die Diskriminierung von Frauen aufgrund einer Schwangerschaft.

Das Erwerbsersatzgesetz (Art. 16b ff.) sieht die Zahlung einer Mutterschaftsentschädigung (80% des Lohns – Höchstbetrag CHF 196 pro Tag) während 98 Tagen ab dem Tag der Niederkunft vor. Der Anspruch auf Entschädigung nach der EO erlischt, wenn die Arbeitnehmerin ihre Erwerbstätigkeit vor Ablauf der 98 Tage wieder aufnimmt. "Einige Kantone, beispielsweise Genf, sowie einige Gesamtarbeitsverträge oder betriebsinterne Regelungen haben grosszügigere Bestimmungen vereinbart", ergänzt Isabel Valarino. Es kommt vor, dass die Unternehmen den Lohnausfall (die restlichen 20%) ausgleichen oder einen längeren Mutterschaftsurlaub bezahlen (z. B. zwei weitere Wochen, also insgesamt 16 Wochen).

Stillzeiten

Hinsichtlich des Stillens sehen einige öffentliche Verwaltungen einen einmonatigen bezahlten Stillurlaub vor, der sich an den Mutterschaftsurlaub anschliesst. Ansonsten haben die Arbeitnehmerinnen im ersten Lebensjahr des Kindes Anspruch auf die für das Stillen oder Abpumpen benötigte Zeit (Arbeitsgesetz, Art. 35a) und diese Zeit muss vergütet werden. Die Mindestzeit, die dafür zu gewähren ist, ist in der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (Art. 60 Abs. 2) festgeschrieben und hängt von der Länge des Arbeitstages ab.

Vaterschaftsurlaub

Für den Vaterschaftsurlaub gibt es in der Schweiz keine gesetzlichen Verpflichtungen. "Das Vorhandensein solcher Väterzeiten und deren Bezahlung hängt von den jeweiligen Parteien oder Sozialpartnern ab", merkt Isabel Valarino an. "Dieser Urlaub kann in den Gesamtarbeitsverträgen oder den individuellen Arbeitsverträgen vereinbart werden, aber auch Teil einer etablierten Praxis in einem Betrieb oder einer Branche sein. In der Regel wird der Vaterschaftsurlaub, sofern er gewährt wird, mit 100% vergütet. In der Privatwirtschaft liegt die Dauer meistens bei einem Tag."

René Chappuis, Leiter des Architekturbüros CAS Architectes mit Standorten in Luzern, Altdorf, Willisau und Marly, ist der Ansicht, dass Familienfreundlichkeit in den Unternehmen ein unverzichtbarer Wettbewerbsfaktor in der Schweiz ist. "Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir unseren Beschäftigten gute Bedingungen bieten, auch wenn damit hohe Kosten verbunden sind", sagt er. Die Firma, die 67 Mitarbeitende beschäftigt, hat vor Kurzem einen Vaterschaftsurlaub von einer Woche eingeführt. Bisher haben ihn drei Mitarbeiter in Anspruch genommen und die Rückmeldungen sind äusserst positiv. "Neben dem Komfort für die Beschäftigten und dem positiven Image für unser Unternehmen ist es für uns auch relevant, dass wir uns mit dieser Massnahme an die gesellschaftlichen Entwicklungen auf dem Gebiet der Gleichberechtigung anpassen und den sozialen Zusammenhalt stärken", ergänzt René Chappuis.


Informationen

zum Thema

Für familienfreundlichere Arbeitsbedingungen

Die Fachstelle UND für Vereinbarkeit zwischen Berufs- und Familienleben bietet verschiedenen Schweizer KMU ihre Unterstützung an. Kürzlich lancierte sie in mehreren Regionen die Kampagne "250 KMU für Vereinbarkeit – Wir machen mit!". Das Ziel: 250 KMU sollen bis 2016 ihre Arbeits- und Anstellungsbedingungen familienfreundlicher gestalten. Dafür wird ein KMU-Check angeboten, in dem das Unternehmen seine Stärken und sein Verbesserungspotenzial erkennen kann. Anschliessend erhält es massgeschneiderte Empfehlungen.

Letzte Änderung 02.12.2015

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