Umgang mit ausstehenden Forderungen

Immer mehr Schweizer KMU stehen vor dem Problem, dass ihre Kunden, ob Privat- oder Firmenkunden, ihre Rechnungen zu spät bezahlen. Mit der richtigen Strategie können Sie sich schützen.

Ein Taschenrechner und ein Kugelschreiber liegen auf Papierblättern mit Zahlentabellen

Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Schweizer Unternehmen, die unter unbezahlten Rechnungen leiden. Der von Intrum Justitia erstellte European Payment Index 2014 besagt, dass sich die Zahlungsausfälle auf CHF 8,3 Milliarden belaufen, während es ein Jahr zuvor 7,8 Milliarden waren. Die Verschuldung der Firmen kommt demnach zu 78% durch Forderungsausfälle zustande, wie die Versicherung Axa-Winterthur angibt. Zahlungsverzögerungen können schwerwiegende Folgen haben – Entlassungen, aufgeschobene Rekrutierungen oder Schulden, die zum Konkurs führen können –, doch es gibt Lösungen für KMU.

Eine ganze Reihe von Firmen bietet in der Schweiz entsprechende Dienstleistungen an; zu den bekanntesten gehören die skandinavische Gruppe Intrum Justitia, Atradius, Euler Hermes, Coface und Axa-Winterthur. KMU, die sich gegen die Risiken von Zahlungsausfällen absichern möchten, können Hilfe beim Eintreiben der Forderungen beantragen, das heisst um eine Rückzahlung der Schulden durch den Schuldner zu erwirken, oder die fehlenden Gelder über eine Begleichung der Forderungen vor Fälligkeit zu finanzieren. Diese beiden Leistungen im Paket nennt man Factoring. Eine weitere Möglichkeit ist die Kreditversicherung für den Fall, dass die Forderung gar nicht zurückgezahlt wird.

Firmen, die auf die Bekämpfung von Zahlungsausfällen spezialisiert sind, informieren sich über die Kunden und verfolgen ihre Aktivitäten. "Wir holen Auskünfte ein und beobachten die verschiedenen Käufer, um das Unternehmen bereits warnen zu können, bevor es zu einem Zahlungsausfall kommt", erklärt Christian Thury von Axa-Winterthur. "Alles erfolgt höchst vertraulich, egal ob es sich um business-to-business oder business-to-consumer Kunden handelt." Diese Versicherungen gegen unbezahlte Rechnungen prüfen vor der Lieferung einer Ware die Bonität und die Adresse der Kunden, sowohl bei Privatpersonen als auch bei Unternehmen. "Wir führen in der Schweiz jedes Jahr 32 Millionen Bonitätsprüfungen durch und nicht nur bei Personen mit Zahlungsschwierigkeiten", erklärt Thomas Hutter, Managing Director bei Intrum Justitia Schweiz. Einige, wie zum Beispiel Intrum, bieten eine sekundenschnelle Überprüfung an, was gerade bei Online-Verkäufen sehr nützlich sein kann.

Dieser Service hat seinen Preis. "Für ein Unternehmen belaufen sich die Jahreskosten für eine Debitorenkreditversicherung auf durchschnittlich 0,3 bis 0,7% des versicherten Umsatzes; beim Factoring sind es etwa 4-5% des finanzierten Umsatzes", schätzt Christian Thury von Axa-Winterthur. Wenn ein Büro damit beauftragt wird, eine konkrete Zahlung einzufordern, behält es "nach erfolgter Zahlung eine Provision von 5-10%", erläutert Thomas Hutter. Die Experten schätzen, dass 20% der Schweizer Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als CHF 5 Millionen die Dienste solcher Firmen in Anspruch nehmen.

Eine Frage der Wachsamkeit

Man muss sich nicht unbedingt an ein Inkasso-Unternehmen wenden; KMU können das Problem der ausstehenden Forderungen auch vermeiden, indem sie einige praktische Tipps befolgen (s. Kasten rechts). Insbesondere sollten sie auf der Hut sein, wenn Zahlungsfristen überschritten werden, gerade wenn es ein Unternehmen ist, das sie gut kennen. "70% der Verluste eines Unternehmens entstehen durch Zahlungsausfälle von Kunden, mit denen es schon seit 20 Jahren bekannt ist", warnt Christian Thury.

Alain Borle, Geschäftsführer des PacTeam-Konzerns, der für verschiedene Luxusmarken in Europa die Produktpräsentation in den Geschäften gestaltet, versichert, dass er bei Auslandsaufträgen besonders gut aufpasst: "Ich verlange systematisch eine relativ hohe Vorauszahlung, die zum Bestellzeitpunkt zu leisten ist. Das ist die einzige Garantie, dass das Produkt in den Versand geht und ausgeliefert wird." Das sei Erfahrungssache, erklärt er nachdrücklich. Darüber hinaus ist es auch nicht den grossen Büros vorbehalten, Auskünfte einzuholen: Suchanfragen bei Google oder die Plattform Moneyhouse können dafür nützlich sein. Wie in vielen Bereichen entstehen auch hier durch die Digitalisierung immer mehr Möglichkeiten.


Informationen

Zum Thema

Wie lassen sich Zahlungsausfälle verhindern?

Praxistipps von Inkasso-Experten.

  • Seien Sie sich über die Qualität Ihres Kundenportfolios im Klaren.
  • Holen Sie Auskünfte über künftige Kunden ein.
  • Formulieren Sie die Fristen im Vertrag so deutlich wie möglich, um sich gegen Zahlungsverzug zu wappnen.
  • Verfolgen Sie jeden Zahlungsverzug aufmerksam.
  • Lassen Sie keine Posten offen, nur weil Sie den Kunden kennen. Zu viel Vertrauen kann manchmal gefährlich sein.
  • Verschicken Sie nicht drei Zahlungserinnerungen, sondern eine einzige.

Letzte Änderung 27.09.2019

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