Externe Berater sinnvoll einbeziehen

Externe Berater haben bei Unternehmern zwar nicht immer den besten Ruf, doch sie können einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass bestimmte Situationen im Leben eines KMU erfolgreich gemeistert werden.

Zwei Modellfiguren in Anzügen stehen in fragender Haltung auf der Zeichnung eines Mind-Maps

Viele Unternehmen sind etwas misstrauisch, wenn es darum geht, externe Berater in ihre Geschäfte einzubeziehen. Als Hauptgrund wird meistens angeführt, eine Beratung sei zu teuer und ineffizient. Weitere Punkte, die den Firmenchefs Unbehagen bereiten, sind das Durchbrechen der Gewohnheiten im Unternehmen, der Formalismus, den eine Evaluation von aussen mit sich bringt, und das Delegieren von Entscheidungsbefugnissen. Wenn er wohl überlegt eingesetzt wird, kann ein externer Berater dem KMU jedoch einen realen Mehrwert bringen. Die Frage ist nur, wann und wie man dieses Know-how am besten in Anspruch nimmt.

"Bei juristischen Problemen oder einer Buchhaltungsrevision greifen kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz ohne zu zögern auf externe Ressourcen wie eine Anwaltskanzlei oder eine Treuhandgesellschaft zurück", erklärt Rico Baldegger, Direktor der Hochschule für Wirtschaft Freiburg. "Bei Fragen zur Unternehmensnachfolge oder zur Weiterentwicklung der Firma ist das weniger selbstverständlich. Aber wenn ein Chef unsicher ist, ob ein Sohn oder eine Tochter das Unternehmen weiterführen kann, bringt es nichts, einen Treuhänder zu fragen. Man muss sich selbst gegenüber ehrlich sein und präzis analysieren, welche Kenntnisse für die Lösung des Problems erforderlich sind."

Wenn man den Bedarf an externem Fachwissen identifiziert hat, muss man noch den richtigen Ansprechpartner finden. Das ist gar nicht so leicht, wenn man bedenkt, dass es in der Schweiz mehr als 2000 Unternehmensberater gibt. "Bei der Wahl eines Beraters sollte man genau so vorgehen wie bei der Suche nach einem neuen Mitarbeiter", macht Rico Baldegger deutlich. "Man sollte ruhig Referenzen anfordern und prüfen, ob er sich in der betroffenen Branche wirklich gut auskennt. Denn es gibt durchaus Berater, die sich nicht immer auf das konzentrieren, was sie am besten können, sondern jeden beliebigen Auftrag annehmen." Angesichts von Tagessätzen, die im Durchschnitt bei CHF 1'500 anfangen, kann der Unternehmer rasch das Gefühl bekommen, über den Tisch gezogen zu werden. "Dieses Bild muss man allerdings gerade rücken, denn für einen Misserfolg sind häufig beide Seiten verantwortlich. Für einen Berater kann es nämlich auch sehr schwer sein, seinen Auftrag angemessen zu erfüllen, wenn der Unternehmer ihm nicht die richtigen Hinweise gegeben hat."

Der Blick von aussen ist viel wert

Zu dem umfangreichen Angebot an privaten Beratern kommen in den meisten Kantonen noch Organisationen oder Verbände hinzu, die bestimmte Fragen von Unternehmenden beantworten können. Im Wallis beispielsweise bietet die Antenne Régions Valais romand einen kostenlosen Service an, der Themen wie Firmengründung, Weiterentwicklung, Finanzierung oder Nachfolge abdeckt. "Da wir eine halbstaatliche Organisation sind, überlassen wir Fragen im Zusammenhang mit der Rechtsform oder dem Wert eines Unternehmens den Treuhändern oder Banken", erläutert der Direktor Jean-Daniel Antille. "Im Rahmen einer Firmenübertragung kümmern wir uns vor allem um das Emotionale, indem wir als Mediatoren fungieren. Vor Kurzem hatte ich den Fall eines KMU, das auf der Suche nach einer Nachfolgelösung war. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass der Vater und der Sohn zum ersten Mal über dieses Thema sprachen. Jemanden zu haben, der die Sprache der jeweiligen Partei übersetzt, kann etwas sehr Wertvolles sein, gerade bei einem Familienunternehmen."

Die Weiterentwicklung des Unternehmens ist ein weiteres Feld, in dem eine Beurteilung von aussen sinnvoll sein kann. In Freiburg hat der privatrechtliche Verein Platinn rund vierzig ausgewiesene Coaches unter seinem Dach, welche Start-ups und KMU bei ihren Innovationsprojekten unterstützen. "Wir haben eine integrierende Funktion, indem wir private und öffentliche Kräfte zugunsten der Unternehmen bündeln", berichtet Christoph Meier, Direktor von Platinn. Die Initiative, welche von den Westschweizer Kantonen und dem Staatssekretariat für Wirtschaft unterstützt wird, ist Unternehmen jeder Grösse bei der Förderung ihrer Entwicklung behilflich. "Viele KMU stehen externen Beratern äusserst kritisch gegenüber. Aber die Unternehmer können sehr von einem solchen Blick von aussen profitieren. Das Entscheidende dabei ist, dass man eine Beziehung aufbaut, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert."


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Guter Rat für Start-ups

Während ein schon lange bestehendes Unternehmen in der Regel über die nötigen Ressourcen verfügt, um einen externen Berater anzustellen, gilt dies für Start-ups in den seltensten Fällen, obwohl ja gerade die ersten Jahre entscheidend und von komplizierten Situationen geprägt sind. Daher bieten der Bund und die Kantone verschiedene Programme an, mit denen man auch für weniger Geld Unterstützung und Coaching erhalten kann. "Für ein Start-up ist es extrem wichtig, sich mit Leuten zu umgeben, die es möglich machen, dass man wenigstens einmal pro Monat Abstand vom Alltagsgeschäft bekommen und nach vorne schauen kann", hebt David Narr, Coach für Firmengründung im Verband Genilem der Kantone Waadt und Genf, hervor. "Denn das Wichtigste für einen Unternehmer ist, dass er weiss, wohin er die Firma lenkt."

Letzte Änderung 27.09.2019

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