Innovation dank firmeninterner Vernetzung

Soziale Unternehmensnetzwerke sind eine neue Form des Informationsaustauschs zwischen den Mitarbeitenden eines Unternehmens. Dieses Online-Tool wurde geschaffen, um die firmeninterne Innovation zu fördern und ist für KMU besonders geeignet.

Mann ist um seinen Kopf herum vernetzt mit gezeichneten Denkblasen, die graphische Symbole zum Thema digitale Medien enthalten

"Ob sie es wollen oder nicht: Bald werden alle Unternehmen eine firmeninterne soziale Plattform anlegen müssen", meint Raphaël Briner. Der Gründer und CEO von HyperWeek hat bereits soziale Unternehmensnetzwerke für Nestlé, das Schweizer Radio und Fernsehen, aber auch für die Uhrenfirma Hublot eingerichtet. Doch nicht nur grosse Firmen entwickeln sich in Richtung einer "sozialen" Unternehmenskultur: "In Deutschland haben KMU wie etwa das Architekturbüro AKBW in Baden-Württemberg bereits jetzt Netzwerke für den internen Austausch von Inhalten eingeführt. In der Deutschschweiz arbeite ich gegenwärtig mit einer Einrichtung mit 200 Mitarbeitenden, deren Namen ich nicht nennen darf, um ihren Wettbewerbsvorteil zu erhalten", führt Stephan Schillerwein aus, der als Berater im Kanton Aargau basiert ist.

Hauptziel eines sozialen Unternehmensnetzwerks ist es, die Innovation zu fördern, indem Schranken zwischen verschiedenen Abteilungen aufgehoben und Mitarbeitende auf einer digitalen Oberfläche zusammengeführt werden. Diese Plattform kann eine Erweiterung des Intranets oder eine firmenspezifische Lösung sein. "Meistens verfügt ein Netzwerk über eine Toolbar mit verschiedenen Inhaltsformaten, beispielsweise Artikel, Videos oder Fotos", erklärt Raphaël Briner. Wie bei Facebook zeigt die Startseite eine Chronik mit den neuesten Beiträgen der Belegschaft. Die Benutzer können Communities für Berufsangehörige, Projekte oder sogar für Praktiken lancieren.

Die Preise sind für Unternehmen durchaus attraktiv. Beispielsweise bietet HyperWeek eine Lösung für CHF 5 pro Monat und Mitarbeitenden an. In Zürich hat die junge Firma TallyFox für ihre Kundschaft soziale Netzwerk-Tools (Blogs, gemeinsame Nutzung von Dokumenten) in einer integrierten Lösung mit der Bezeichnung "Wissensnetzwerk" zusammengefasst. Gruppen unter fünf Personen bezahlen nichts, danach gibt es verschiedene Preisstufen: CHF 12 pro Person und Monat für 10 Angestellte und CHF 9 für 50 Personen. "Unsere Open-Source-Lösung wird unter anderem für das firmeninterne Projektmanagement verwendet", erläutert Trudi Schifter, CEO von TallyFox.

Firmeneigene Netzwerke können beträchtliche - und manchmal ungeahnte - komparative Vorteile mit sich bringen: "Jeder Austausch besitzt einen Wert", betont Claude Super, Berater für Valorisierung und Governance von Information. "Mit den Plattformen lässt sich dieser Wert erfassen und festhalten. Es entsteht ein schriftliches Unternehmensgedächtnis." In einer immer stärker digitalisierten Welt bieten soziale Unternehmensnetzwerke auch weitere Vorteile, etwa den raschen Zugang zu Informationen, die Senkung der Kommunikationskosten, eine Übersicht über die Tätigkeitsbereiche und sogar die Einrichtung von Exzellenzzentren.

Allerdings stehen dieser gesellschaftlichen und unternehmerischen Revolution einige Hindernisse im Wege. "In der Schweiz begegnen die Unternehmen den Management-Innovationen mit einer gewissen Skepsis", führt Claude Super weiter aus. "Sie setzen gewöhnlich auf Diskretion. Eine Plattform für freie Meinungsäusserung kann für sie abschreckend wirken. " Auch die Angestellten scheuen sich zuweilen, in dieser "digitalen Agora" aktiv zu werden.

Der Touring Club Schweiz (TCS) hat Erfahrung mit der Veränderung der Unternehmenskultur, die Online-Plattformen mit sich bringen: "Vor über einem Jahr haben wir unser Intranet neu organisiert. Langsam kommt jetzt Leben in unser soziales Netzwerk", freut sich Kurt Tonini, Kommunikationsverantwortlicher beim TCS. "Dass es Zeit braucht, um andere Gewohnheiten anzunehmen, war uns klar. Wir sind noch in der Probephase, doch bis Ende Jahr werden wir die Mitarbeitenden in einer ersten Evaluation über ihre Eindrücke befragen."

Im vorliegenden Fall wurde die Plattform für die 1'600 TCS-Angestellten angelegt. Die meisten Experten sind sich jedoch einig, dass die Umsetzung eines sozialen Intranets in einem KMU viel einfacher ist. Mit ihren flexibleren Strukturen verfügen KMU über ideale Voraussetzungen für diese Art von Tool: "Ab einer Belegschaft von 15 Personen ist eine interne Plattform eindeutig sinnvoll", meint Trudi Schifter. Das Netzwerk kann zudem nach aussen geöffnet und für die Interaktion mit Partnern oder sogar mit der Kundschaft genutzt werden. Firmeneigene soziale Medien sind zwar in der Schweiz noch eher selten, doch sie werden die Betriebe langsam aber sicher erobern.


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Soziale Netzwerke steigern die Produktivität

Eine jüngste Studie der internationalen Beraterfirma McKinsey hat aufgezeigt, dass ein internes und/oder externes soziales Unternehmensnetzwerk echte Produktivitätsgewinne bringt. So sollen Angestellte wöchentlich 28 Stunden damit verbringen, E-Mails zu bearbeiten und nach Informationen zu suchen. Der Zugang zu einer Plattform mit geteilten Inhalten würde die Suchzeiten um mindestens 35% reduzieren. Dank dieser Zeiteinsparung könnte die Produktivität der Angestellten um 20 bis 25% zunehmen, was in bestimmten Sektoren, etwa Forschung und Entwicklung oder Marketing und Vertrieb, einen beträchtlichen Mehrwert generieren würde.

Letzte Änderung 10.08.2015

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