"Unternehmen können grosse Fortschritte beim Schutz der natürlichen Ressourcen erzielen"

Seit 2024 gelten für Schweizer KMU neue Anforderungen hinsichtlich der Klima- und Umweltberichterstattung. Der Verein Go for Impact will sie bei diesem Übergang begleiten. Geschäftsleiter Felix Meier spricht über die Lösungen und Tools, welche die Organisation den Unternehmen zur Verfügung stellt.

Mehrere zehntausend Schweizer KMU sind indirekt von der europäischen Richtlinie Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD*) betroffen, die 2024 in Kraft getreten ist. Diese Regelung stellt neue Anforderungen an grosse Unternehmen auf dem Gebiet der Klima- und Umweltberichterstattung, insbesondere hinsichtlich der CO2-Bilanz. Doch häufig fallen auch KMU indirekt in den Anwendungsbereich der Richtlinie, da ihre Kunden verpflichtet sind, für die Konformität ihrer Lieferanten zu sorgen. Die Herausforderung besteht also darin, sich rasch an den für Kunden mit Sitz in der Europäischen Union verbindlichen Rechtsrahmen anzupassen, damit man seine ESG-Daten bereitstellen kann. Der 2018 gegründete Zürcher Verein Go for Impact bietet eine kostenlose Begleitung und konkrete Tools für die erfolgreiche Umstellung.

Go for Impact präsentiert sich als gemeinsame Dialog-Plattform für Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs und die öffentliche Hand. Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?

Felix Meier: Die Mitglieder von Go for Impact sind überzeugt, dass Unternehmen auch innerhalb der bestehenden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grosse Fortschritte im Klima- und Ressourcenschutz erzielen können, und wir wollen ihnen dabei helfen. Anstatt uns auf Gesetzesänderungen zu fokussieren, suchen wir lieber nach umsetzbaren Massnahmen im Hier und Jetzt.

Was sind die grössten Herausforderungen für die KMU angesichts der neuen Anforderungen der CSRD-Richtlinie?

Meier: KMU sind häufig indirekt betroffen, da grössere Geschäftspartner im Rahmen ihrer CSRD-Pflichten ESG-Daten von ihren Lieferanten verlangen. Wer diese Veränderungen nicht berücksichtigt, riskiert mittelfristig den Verlust wichtiger Kunden. Um den Auftraggebern die Daten liefern zu können, empfiehlt es sich entweder, externes Fachwissen beizuziehen oder intern entsprechendes Know-how aufzubauen. Die Unternehmen können sich auch ein Tool anschaffen, das ihnen zeigt, inwiefern die CSRD-Anforderungen sie betreffen und wie sie diese erfüllen können. Hier unterstützt Go for Impact KMU, unter anderem mit einer Übersicht geeigneter Softwarelösungen auf seiner Website.

Sie bieten eine "kostenlose Impulsberatung" an. Worin besteht diese Dienstleistung?

Meier: Die Impulsberatung dient der ersten Orientierung. Wir klären zentrale Fragen wie: Wo steht das Unternehmen heute bei der Klima- und Umweltberichterstattung? Welche Herausforderungen kommen auf die Firma zu? Wie geht man am besten vor? Für exportorientierte Unternehmen kann es zum Beispiel sinnvoll sein, von Beginn an auf international anerkannte Instrumente wie die Science Based Targets Initiative (SBTi) zu setzen, mit der die Firmen ihre Best Practices erfassen und Ziele für eine Reduktion der CO2-Emissionen planen können. Wir begleiten die KMU im Hinblick auf solche strategischen Fragen.

Wie genau können Unternehmen ihren ökologischen Fussabdruck verringern?

Meier: Der Markt an digitalen Tools, Instrumenten und Beratungen ist gross und unübersichtlich. Eine vertiefte Abklärung ist dringend empfohlen. Bei vielen KMU ist ein international kompatibles Vorgehen wichtig. Dies insbesondere deshalb, weil man sonst den Aufwand mehrfach machen muss. Das heisst, dass es durchaus sein kann, dass andere Länder, Unternehmen andere Erhebungsmethoden und Standards fordern. Der erste Schritt sollte in der Regel eine Wesentlichkeitsanalyse sein: Wie wirkt mein Unternehmen auf Umwelt und Klima und welchen Risiken ist es ausgesetzt? Dazu zählen beispielsweise physische Klimarisiken wie Extremwetterereignisse. Die Überschwemmungen im Wallis 2024, die unter anderem Industriekonzerne wie den Aluminiumriesen Novelis hart getroffen haben, zeigen dies deutlich.

Wie begleiten Sie die Umstellung entlang der Wertschöpfungskette?

Meier: Eine der grössten Herausforderungen liegt aktuell in der Datenerfassung. Es fehlen vielfach einheitliche Standards, was zu erheblichem Mehraufwand führt. Für Lieferanten von Unternehmen wie Migros, Coop, Valora, Lidl oder Aldi ist es beispielsweise entscheidend, ob sie ihre Nachhaltigkeitsdaten einmal standardisiert aufbereiten können oder für jeden Kunden unterschiedliche Anforderungen erfüllen müssen. Go for Impact bringt seine Erfahrung ein, um konkrete und einheitliche Lösungen zu entwickeln.

Wie helfen Sie den Unternehmen bei der Verhinderung von Greenwashing?

Meier: Der Grundsatz "Tue Gutes und sprich darüber" gilt weiterhin, aber mit Augenmass. Entscheidend ist eine ehrliche, transparente und verhältnismässige Kommunikation. Ein Unternehmen ist noch nicht nachhaltig, nur weil es auf Plastiksäckli verzichtet. Wenn sich das gesamte Unternehmen aufgrund solcher Einzelmassnahmen mit geringer Wirkung als "grün" darstellt, ist das Greenwashing. Es kommt auch vor, dass Unternehmen hier Fehler machen, weil sie nicht genügend Informationen und Know-how zu diesen Themen haben. Deshalb ist es zentral, zuerst zu klären, wo man tatsächlich steht, bevor man kommuniziert. Go for Impact hat ein praxisnahes Arbeitsinstrument für KMU entwickelt, das hilft, diese Risiken zu reduzieren. Es enthält einen theoretischen Leitfaden, ein Webinar (auf Deutsch) und einen Selbsteinschätzungstest.

*Die CSRD gilt für Unternehmen, auf die mindestens zwei der folgenden drei Kriterien zutreffen: eine Bilanzsumme von mehr als 25 Millionen Euro, ein Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro und/oder mehr als 250 Beschäftigte.


Zur Person/Firma

Felix Meier, Geschäftsleiter des Vereins Go for Impact

Nach einem Masterstudium der Biochemie an der Universität Zürich und einem Executive MBA an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) leitete Felix Meier 18 Jahre lang beim WWF Schweiz den Bereich "Konsum und Wirtschaft". 2013 übernahm er die Geschäftsleitung der Stiftung Pusch, die sich in der Umweltbildung für Kinder und Jugendliche engagiert. 2018 gründete er den Verein Go for Impact, dessen Geschäftsleiter er ist. Zudem ist er Vorstandsmitglied bei Circular Economy Switzerland und Biodiversität Jetzt!.

Letzte Änderung 04.03.2026

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