Anstelle einer familieninternen Nachfolge gewinnt in der Schweiz zunehmend ein Modell an Bedeutung, bei dem ein Unternehmen von einer externen Führungsperson via eines Search Funds übernommen wird. Robin Goldhagen, Head Investor Relations bei der Zuger Firma Novastone Capital Advisors, erläutert die Grundprinzipien dieses Ansatzes.
In der Schweiz werden knapp 60 % der Unternehmen innerhalb der Eigentümerfamilie weitergegeben, doch dieser Anteil ist rückläufig. Gründe dafür sind die demografische Entwicklung der Babyboomer-Generation sowie die Lebensentscheidungen ihrer Nachkommen, die sich teilweise für andere berufliche Wege entscheiden. Auch wenn mehrere Kinder infrage kommen, kann die Nachfolgeregelung komplex werden. Deshalb ziehen immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer externe Lösungen in Betracht, etwa die Übernahme durch eine externe Führungsperson via eines Search Funds. Robin Goldhagen, Head Investor Relations bei der Zuger Firma Novastone Capital Advisors, erläutert die Grundprinzipien dieses neueren Nachfolgemodells.
Worin unterscheidet sich die Übernahme durch eine Unternehmerpersönlichkeit via eines Search Funds von anderen Nachfolgemodellen?
Robin Goldhagen: Als Search Fund Programm gehen wir den umgekehrten Weg von traditionellen Investoren, die zunächst ein Zielunternehmen identifizieren und anschliessend eine Führungsperson rekrutieren. Wir wählen erfahrene Persönlichkeiten aus, Führungskräfte in der Mitte ihrer beruflichen Laufbahn mit fünfzehn bis zwanzig Jahren operativer Erfahrung ("Operators"), die ein KMU übernehmen und führen möchten. Jedes Jahr erhalten wir rund 3000 Bewerbungen, von denen wir etwa zwanzig auswählen. Anschliessend begleiten wir diese Personen bis zur Übernahme eines Unternehmens.
Was sind die wichtigsten Phasen eines solchen Vorhabens?
Goldhagen: Zunächst gibt es eine Suchphase, die von dem Operator durchgeführt wird und bis zu zwei Jahre dauern kann. Diese Phase wird von unserem Investorennetzwerk finanziert, das aus Family Offices oder vermögenden Privatpersonen besteht, die an einem direkten Zugang zum Unternehmertum interessiert sind. Kommt es zu einer Übernahme (was in rund 50 bis 55 % der Fälle geschieht), können diese Investoren entweder mit einem Gewinn aussteigen oder erneut in die Transaktion investieren. Die Übernahme selbst wird anschliessend durch eine Mischfinanzierung getragen, beispielsweise je zur Hälfte durch eine Bank und durch Investoren. Nach dem Kauf übernimmt der Operator die Rolle des CEO und verpflichtet sich, das Unternehmen mittel- bis langfristig zu führen.
Welche Merkmale zeichnen ein für einen Search Fund attraktives Unternehmen aus?
Goldhagen: Wir konzentrieren uns auf eigentümergeführte Familienunternehmen mit einem EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen) zwischen 2 und 7 Millionen. Idealerweise sind diese Unternehmen in traditionellen B2B-Branchen wie Dienstleistungen, Industrie oder Logistik tätig – also in der «Old Economy», dem Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Wir suchen Unternehmen mit soliden und planbaren Geschäftsmodellen, idealerweise mit wiederkehrenden Einnahmen, etwa aus Dienstleistungen oder Abonnements. Eine starke Position in einem Nischenmarkt ist ebenfalls von Vorteil, ebenso wie eine geringe Zyklizität und eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegenüber technologischen Veränderungen. Seit unserer Gründung haben wir 27 Übernahmen realisiert und rund CHF 400 Millionen investiert.
Welche Vorteile bietet dieses Modell für die verkaufende Person?
Goldhagen: Ein zentraler Vorteil ist der direkte Kontakt zur künftigen Unternehmensleitung bereits zu Beginn des Nachfolgeprozesses. Im Unterschied zu einem Verkauf an einen strategischen Käufer oder an einen Private-Equity-Fonds lassen sich bei diesem Modell Befürchtungen hinsichtlich Restrukturierungen oder abrupten Veränderungen eher begrenzen. Es entsteht eine sehr persönliche Beziehung, die oft mit den Worten beschrieben wird: «der Sohn oder die Tochter, die ich nie hatte».
Die Nachfolger stammen in der Regel aus demselben Land, teilweise sogar aus derselben Region, was das Vertrauen zusätzlich stärkt. Die verkaufende Person kann zudem mit einer Minderheitsbeteiligung von 10 % bis 20 % weiterhin Aktionärin oder Aktionär bleiben, was zu einer gewissen Kontinuität beiträgt. Zwar kann ein rein finanzieller Investor mitunter einen höheren Preis bieten, allerdings mit weniger Gewähr für die langfristige Fortführung des Unternehmens. Ein Search Fund begünstigt eine nachhaltige Unternehmensnachfolge und schafft ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Preis und Kontinuität.
Wie sind die Perspektiven für diese Form der Unternehmensnachfolge in der Schweiz?
Goldhagen: Das Search-Fund-Modell verzeichnet seit einigen Jahren ein starkes Wachstum, insbesondere aufgrund der demografischen Entwicklung. Auch an Universitäten stösst es auf zunehmendes Interesse. Während Studierende vor 15 Jahren vor allem von Start-ups träumten, sehen heute viele in Search Funds eine Alternative, um später im Berufsleben den Schritt ins Unternehmertum zu wagen.
Mit der wachsenden Beliebtheit dieses Modells steigt jedoch auch der Wettbewerb, sodass sich nur die stärksten Profile durchsetzen.
Welchen Rat würden Sie einer Person geben, die sich für dieses Modell interessiert?
Goldhagen: Zunächst sollte man sich gut überlegen, ob man bereit ist, die Verantwortung für ein Unternehmen und seine Mitarbeitenden zu übernehmen. Ebenso braucht es ein hohes Mass an Resilienz. Die Suchphase ist lang, anspruchsvoll und von vielen Absagen geprägt. Deshalb ist es entscheidend, das eigene Netzwerk zu aktivieren und sich auf ein solides Ökosystem zu stützen, insbesondere durch den Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern.
Und was raten Sie einer Führungsperson, die die Übergabe ihres Unternehmens plant?
Goldhagen: Der erste Schritt ist, die Entscheidung zum Verkauf zu treffen – was nicht immer einfach ist. Danach ist es wichtig, sich von Fachpersonen wie Beratern, Anwälten oder Treuhandexperten begleiten zu lassen. So erhält man eine realistische Einschätzung des Unternehmenswerts und kann den Prozess strukturiert angehen. Eine Unternehmensnachfolge ist in der Regel ein einmaliges Ereignis im Leben. Eine professionelle Begleitung trägt dazu bei, den Prozess reibungsloser und mit mehr Gelassenheit zu gestalten.

