"Wir glauben fest an Swiss made"

Filippo Gallizia hat vor einigen Jahren bei Geomagworld, einer Firma für Magnetspielzeug mit Sitz in Novazzano im Tessin, das Ruder übernommen. Mit diesem neuen Schwung verzeichnet die Marke heute ein zweistelliges Wachstum. 

Mit einer solchen Renaissance hätte 2008 niemand gerechnet. Damals stand Geomag nur zehn Jahre nach der Gründung vor dem Aus. Nach ihrer Übernahme durch eine Gruppe italienischer und spanischer Unternehmer wurde die Firma aus Novazzano (TI) schliesslich zu einem der Weltmarktführer für magnetisches Spielzeug. Seit acht Jahren beläuft sich das Umsatzwachstum auf 25 bis 30% pro Jahr. Der Geschäftsführer dieses KMU mit 46 Mitarbeitenden, Filippo Gallizia, erklärt, wie es ihm auf dem hart umkämpften Spielzeugmarkt gelang, die Schweizer Marke in der ganzen Welt bekannt zu machen. 

Wie hat sich Geomag seit der Übernahme 2008 entwickelt?

Filippo Gallizia: Wir haben auf Innovation und Entwicklung gesetzt. Neben der bereits existierenden Plattform für Magnetkonstruktionen haben wir drei weitere entworfen, die alle patentiert wurden. Da wir fest an Swiss made glauben, wurden diese neuen Varianten an unserem Sitz in Novazzano erfunden und von dort aus zur Marktreife gebracht. Hier sind fast alle unsere Aktivitäten gebündelt: die Fertigung, die Abteilung Forschung und Entwicklung (F+E), Verkauf/Marketing, Verwaltung usw. Da wir so die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette haben, können wir die Qualität unserer Produkte sichern – was in einer Zeit, in der 90% des Spielzeugs in China produziert wird, sehr wichtig ist –, aber auch unseren Kunden den bestmöglichen Service anbieten. Wir garantieren, die Produkte spätestens binnen drei Wochen an die Kunden oder die Geschäfte zu liefern, wohingegen die Fristen der Firmen, die in Asien produzieren, bei etwa vier bis fünf Monaten liegen. 

Sie sagen, Sie glauben an Swiss made. Erfüllen Ihre Produkte die Kriterien der neuen Swissness-Gesetzgebung?

Gallizia: Ja. Nur der Magnet wird nicht in Novazzano hergestellt. Für uns war es wichtig, das Werk hier zu erhalten und es zu einer modernen und teilweise automatisierten Fabrik umzubauen. Die Produktion in der Schweiz ist für uns keine Frage des Marketings. Wir sind auch anderweitig in der Region eingebunden. Wir arbeiten im Rahmen eines von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) geförderten Projektes mit der Universität Lugano zusammen, um neue Materialien zu entwickeln und Forschung zum Magnetismus zu betreiben. Vor drei Jahren haben wir zudem im Gefängnis von Lugano eine Werkstatt für die Resozialisierung von Häftlingen aufgebaut, wo 15 bis 20 Inhaftierte einen Teil unseres Spielzeugs herstellen.

Welche Märkte sind für Ihre Firma besonders vielversprechend?

Gallizia: Unser klassischer, bewährter Markt ist Europa. Unsere Produkte verkaufen sich gut in Frankreich, Deutschland und Skandinavien. Momentan investieren wir auch viel in das Marketing auf dem amerikanischen und australischen, aber auch auf dem japanischen Markt. Nordostasien hat Potenzial: Pädagogische und Konstruktionsspiele laufen dort grundsätzlich gut, aber da macht man sich nicht so leicht einen Namen, weil diese Länder selbst grosse Erfinder und Experten in Sachen Spielzeug sind. Für einen Ausländer ist es sehr schwierig, in Japan Spielzeug zu verkaufen, vergleichbar mit der Vermarktung von Uhren in der Schweiz. Ganz allgemein nehmen wir Länder ins Visier, in denen es eine Mittel- oder Oberschicht mit einer gewissen Kaufkraft gibt, die sich Schweizer Spielzeug leisten kann, und wo es keine oder nur wenige Fälschungen gibt. 

Vor welchen Herausforderungen steht die Spielzeugbranche derzeit?

Gallizia: Der Spielzeugmarkt ist von der Krise im Detailhandel geprägt, da die traditionellen Geschäfte durch den Online-Verkauf sehr viel Konkurrenz bekommen haben. Bei den Spielzeugfabrikanten, die in China produzieren, wo die Produktionskosten steigen, schrumpfen die Margen ebenfalls und sie entscheiden sich manchmal für eine Verlagerung in andere asiatische Regionen oder Länder. Bei den grossen Spielzeugfirmen wie Lego liegt es gerade im Trend, Lizenzen zu kaufen, um beispielsweise Disney-Figuren verwenden zu dürfen. Der Kauf von Lizenzen ist aber für kleine Unternehmen wie unseres keine Option. Wir müssen innovativ bleiben, ohne teure Nutzungsrechte zu erwerben. Grundsätzlich sollte man so weit wie möglich vermeiden, Dritte einzubeziehen, um weniger abhängig von externen Faktoren zu sein. Wir sind daher froh, dass wir es geschafft haben, den Online-Anteil an unseren Umsätzen auf 25% auszubauen. 

Was würden Sie jungen Unternehmerinnen und Unternehmern raten, die eine eigene Firma gründen wollen?

Gallizia: In der "flüssigen" Welt, in der wir leben, erscheint es mir sehr wichtig, in der Realwirtschaft verankert zu sein und ein Unternehmen für Güter oder Dienstleistungen zu gründen, das auf Dauer Bestand hat. Entscheidend ist, dass man den Wünschen der Konsumenten immer sehr viel Aufmerksamkeit schenkt und sie besser erfüllt als die anderen. Dann kommen die Finanzierungsmöglichkeiten. Man darf auch nicht zögern, sich an erfahrene Unternehmer oder andere Firmen zu wenden, um Unterstützung zu erhalten. Wenn die Person sehr jung ist, halte ich es ausserdem für wichtig, dass man zunächst in einer grossen Firma arbeitet, um seine Fähigkeiten und Ideen dort neben der Hauptbeschäftigung weiterzuentwickeln. Die Schweiz ist in dieser Hinsicht ideal.


Informationen 

Zur Person/Firma

Filippo Gallizia, CEO der Spielzeugfirma Geomag in Novazzano, Tessin

Filippo Gallizia studierte Jura und absolvierte anschliessend einen Master of Business Administration (MBA) an der Università Bocconi di Milano. Nachdem er zwanzig Jahre lang verschiedene Führungspositionen in einem Unternehmen für Maschinenbauteile innehatte, kam er 2008 als CEO zu Geomag in Novazzano (TI).

Letzte Änderung 16.08.2017

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