"Asien ist viel stärker diversifiziert, als man in der Schweiz denkt"

Die an der ETHZ entstandene Plattform STIP hilft Schweizer KMU dabei, nach Asien zu expandieren, und trägt zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei. Ein Porträt. 

Die in Singapur ansässige Swiss Technology Impact Platform (STIP) will die Interaktionen der Schweizer KMU erleichtern, die in Bereichen rund um die Stadtentwicklung in Asien tätig sind. Sie richtet sich besonders an Firmen, die Lösungen und Produkte für die nachhaltigen Städte der Zukunft anbieten. Remo Burkhard, Geschäftsführer des Singapore-ETH Centre, erklärt, wie das funktioniert. 

Können Sie die Rolle der STIP kurz zusammenfassen?

Remo Burkhard: Unsere Aufgabe besteht darin, unser Wissen, unsere Erfahrung vor Ort und unsere Kontakte mit Schweizer Firmen zu teilen, die eine Expansion nach Singapur oder Indonesien anstreben. Genau gesagt, arbeiten wir mit Firmen zusammen, die Lösungen und Produkte für die nachhaltigen Städte der Zukunft anbieten. Neben der Organisation von Workshops und Studienreisen sind wir auch als Forschungspartner im Rahmen gemeinsamer Projekte tätig. Bei innovativen Gebäuden zum Beispiel kombinieren wir die Innovationen der Unternehmen mit unseren Anwendungen in der Forschung. Ausserdem vernetzen wir die Unternehmen und helfen ihnen, mit ihren Partnern in Singapur zu kommunizieren. 

Wie haben Sie sich für den Aufbau dieser Plattform organisiert?

Burkhard: Unsere Plattform ist eine Initiative des Singapore-ETH Centre. Dieses wurde 2010 von der ETHZ und der Singapore National Research Foundation (NRF) aufgebaut. Es stärkt die Forschungskapazität der ETHZ erhöht, im Hinblick auf die Entwicklung von nachhaltigen Lösungen für die Herausforderungen in der Schweiz, Singapur und Südostasien. Schon seit Beginn kommt der Grossteil der Finanzierung aus Singapur. Die Leiter und Forscher des Centers arbeiten mit CEOs und mit Leitern von Agenturen in Singapur und Indonesien zusammen. Es zeigte sich, dass unser Wissen und unsere Kontakte für die Schweizer Firmen, die nach Singapur oder Indonesien expandieren wollen, nützlich sind. Das hat zur Gründung dieser strategischen Plattform geführt. 

Wer hat das Projekt initiiert?

Burkhard: Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen an der ETHZ, hat die Plattform 2016 in Zürich lanciert. Die Gründungsmitglieder stammen aus dem Management des Singapore-ETH Centre: ich selbst, Peter Edwards und einige Vertreter der ETHZ, darunter Gerhard Schmitt und Arno Schlüter. Gemeinsam haben wir dieses Projekt in enger Zusammenarbeit mit der ETHZ entwickelt, wodurch wir die Sichtweisen und Bedürfnisse der Spin-offs der Hochschule einbeziehen konnten. Wir arbeiten Hand in Hand mit verschiedenen fachkundigen Organisationen wie den Schweizer Botschaften in Singapur und Indonesien, Switzerland Global Enterprise oder der Zürcher Kantonalbank. Insgesamt arbeiten im Rahmen der STIP neben den Gründungsmitgliedern noch etwa ein Dutzend Personen, die eine enge Beziehung zu den Partnerorganisationen haben. 

Welche Themen behandeln Sie bei Ihren Treffen?

Burkhard: Wir organisieren Workshops und Konferenzen, bei denen die Mitglieder über die Fortschritte ihrer Aktivitäten in Singapur und Indonesien berichten und über das Thema der Städte der Zukunft diskutieren. Wir veranstalten auch Führungen, um Büros in Singapur mit Planungsbüros in einer Schweizer Stadt zu vernetzen, damit sie ihr Wissen teilen und über ein Forschungsprojekt sprechen können, das gemeinsam von beiden Städten durchgeführt wird. 

Was würden Sie einem Schweizer Unternehmer raten, der in Asien Geschäfte machen will?

Burkhard: Asien ist viel stärker diversifiziert, als man in der Schweiz denkt. Allgemein würde ich unter anderem sagen, dass man langfristig denken und sich auf kollektive Interessen fokussieren sollte. Wenn Sie schnelle Ergebnisse wollen, wird es schwierig werden. Als nächstes muss man herausfinden, wer die Macht hat und wer einen Vertrag unterzeichnen kann. Es kann sein, dass diese Personen nicht mit am Verhandlungstisch sitzen.

Ausserdem ist es wichtig, die Kultur des jeweiligen Landes zu verstehen und zu akzeptieren, dass die Menschen dort anders handeln. In Asien ist Ihre Meinung nicht so wichtig, wie Sie denken. Man muss lernen, mit verschiedenen Standpunkten zu arbeiten, und tolerant sein.

Ich denke, dass es auch hilfreich ist, die Landessprache so zu lernen, dass man sich in einfachen Sätzen ausdrücken kann. Das weiss Ihr Partner zu schätzen und es hilft dabei, eine Beziehung aufzubauen. Das bringt mich zu meiner wichtigsten Empfehlung: Man sollte genug Zeit darin investieren, eine langfristige Beziehung zu entwickeln. Es gibt keine Abkürzungen. Sich an einer langfristig angelegten Vision zu orientieren, ist extrem wichtig. Hierfür ist es sehr nützlich, wenn man durch Asien reist und seine Vielfalt erforscht und erlebt.


Informationen

Zur Person/Firma

Remo Burkhard, Geschäftsführer des Singapore-ETH Centre

Remo Burkhard spielte eine Schlüsselrolle beim Aufbau des Singapore-ETH Centre und der beiden Programme Future Cities Laboratory und Future Resilient Systems Lab. Für das Center sind heute 180 Forscherinnen und Forscher tätig. Zuvor hatte Remo Burkhard an der Universität St. Gallen einen Rat für Wissensmanagement aufgebaut und anschliessend den Lehrstuhl für Informationsarchitektur an der ETHZ, wo er auch seine Doktorarbeit schrieb. Er hat mehr als 50 wissenschaftliche Publikationen verfasst und verschiedene wissenschaftliche Konferenzen organisiert.

Letzte Änderung 06.09.2017

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