Wie man die Büroräume eines KMU am besten einrichtet

Bei der Gestaltung der Arbeitsplätze kommen heute verschiedene Konzepte zum Tragen. Erklärungen von Key Kawamura, Mitgründer der Agentur Studio Banana aus Lausanne.

Wie lassen sich die Büroräume eines Unternehmens so einrichten, dass Produktivität, Kreativität und Wohlbefinden der Mitarbeitenden ein Maximum erreichen? Antworten auf diese Frage gibt die Agentur Studio Banana. Ihre Büros befinden sich in Lausanne, Madrid und London und sie hat heute rund dreissig Beschäftigte. Zu ihren bekanntesten Kunden gehören unter anderem Ernst & Young, Nestlé, Eurovision, Telefónica, die EPFL und die UNO. Ein Gespräch mit Key Kawamura, einem der Firmengründer.

Was würden Sie Unternehmerinnen und Unternehmern raten, die für die Büroräume ihres KMU eine optimale Gestaltung anstreben?

Key Kawamura: Zunächst würde ich über die optimalen Arbeitsbedingungen für die jeweilige Aktivität nachdenken: Innovation, Management, Datenverarbeitung usw. Jede Arbeitsform erfordert ihre eigenen spezifischen Voraussetzungen. Dann sollte man sich den idealen Tag der Mitarbeiter vorstellen: konzentrierte Arbeit, interner Austausch, Präsentationen, Entspannung, Inspiration. Der Raum sollte an die Aktivitäten der Nutzer angepasst werden, nicht umgekehrt. Ausserdem lohnt es sich, eine Liste der Werte seiner Marke zu erstellen. Beruht sie auf Tradition, Innovation, Transparenz, Vertrauenswürdigkeit oder Schnelligkeit? Die Atmosphäre der Räume muss zur DNA des Unternehmens passen. Der Raum ist eine Visitenkarte für die Dienstleistungen und Produkte der Firma.

Welche grossen Trends prägen heute die Gestaltung, das Mobiliar oder das Design in den Büros?

Kawamura: Der aktuelle Trend ist der so genannte activity based workplace. Das Prinzip ist einfach: Der Arbeitnehmer von heute ist ein Nomade, er wechselt den Ort in Abhängigkeit von der Aktivität, die er in einem bestimmten Moment auszuüben hat, damit er in einer Umgebung ist, die für diese Aktivität ideale Bedingungen bietet. Die klassische Zweiteilung zwischen Arbeitsraum und Konferenzraum ist heute überholt: Es gibt eine Vielzahl von Zwischenräumen von der Cafeteria über Telefonkabinen bis hin zu Brainstorming-Zimmern.

Open Innovation ist eine Kreativitäts- und Innovationsmethode, die auf Kooperation und Ideenaustausch basiert. Dazu braucht es einen Raum, der Austausch, Kommunikation, Visualisierung usw. fördert. Eine weitere derzeit sehr verbreitete Methode ist das Design Thinking. Sie stammt von der Stanford University und ermöglicht die Entwicklung innovativer Ideen in Rekordzeit. Beide Methoden wirken sich auf die Einrichtung und Gestaltung des Raumes aus. Unsere Büroräume in Lausanne sind dafür ein gutes Beispiel, aber auch der Inkubator Fintech Fusion in Genf und das Experience Center von Ernst & Young in London, das wir vor Kurzem entworfen haben.

Was ist mit Grossraumbüros? Glauben Sie, dass sich das Open-Space-Modell in den kommenden Jahren weiter entwickeln wird und Probleme berücksichtigt, die beispielsweise für die Konzentration entstehen können?

Kawamura: Open Space hat viele Vorteile, ist aber keine Patentlösung. Die komplette Öffnung eines Arbeitsraumes bringt grosse Herausforderungen mit sich. Wichtig ist, dass man die optimale Grösse der Bezugsgruppen findet, die Abgrenzungen also an den richtigen Stellen aufstellt. Das können undurchsichtige Trennwände sein, aber auch verglaste Zwischenwände, niedrige Möbel oder solche, die niemandem die Sicht versperren. Darüber hinaus muss es zusätzlich zum Open Space immer geschlossene Räume geben, in denen man sich punktuell konzentrieren kann.

Gibt es eine optimale Personenzahl für das Arbeiten in einem Grossraumbüro?

Kawamura: In wissenschaftlichen Studien heisst es, dass Gruppen von 40 Personen und eine Distanz von 2,5 Metern um jede Person als Indikatoren für eine positive Nähe innerhalb grosser Arbeitsgemeinschaften gelten. Das ist in grossen Büros in etwa die Distanz, bei der man die Vornamen aller Kollegen kennt. Wir glauben, dass die Stärke einer Gemeinschaft nicht nur eine Frage der Personenzahl und der Grösse des Raumes ist, sondern vielmehr von der Qualität der Beziehungen zwischen den Beschäftigten abhängt Der Raum spielt hier eine entscheidende Rolle als begünstigender Faktor.

Welche Parameter können die Kreativität und die Produktivität in den Büroräumen fördern?

Kawamura: Austausch, informelle Gespräche und Serendipität (Anm.d.R.: das zufällige Entdecken einer Innovation) sind wichtige Elemente, ebenso die Visualisierung der Arbeit, die Offenlegung von "Work in progress" im Kontakt mit den Kollegen oder das Stimulieren des Querdenkens, indem man Objekte oder Tools einbringt, die uns anregen, gewohnte Denkmuster zu verlassen. Und natürlich der Powernap! Aber Vorsicht: Kreativität und Produktivität vertragen sich nicht immer gut. Man muss die goldene Mitte finden.

Manchmal spricht man über die Vorteile von Büros, in denen man im Stehen am Schreibtisch arbeiten kann. Ist das Ihrer Meinung nach eine gute Idee?

Kawamura: Ja, aus ergonomischer Sicht ist das eine interessante Lösung, aber nicht für alle. Es gibt auch einen neuen Trend zu mobilen Schreibtischen auf Rollen, mit denen es möglich ist, beim Arbeiten zu gehen, und sogar den Treadmill Desk (Schreibtisch mit integriertem Laufband).


Informationen

Zur Person/Firma

Key Kawamura, Mitgründer der Agentur Studio Banana aus Lausanne

Key Kawamura wurde 1979 in Oviedo in Spanien geboren und hat spanische und japanische Wurzeln. Er absolvierte ein Architekturstudium an der Architectural Association in London. 2008 gründete er gemeinsam mit Ali Ganjavian die Agentur Studio Banana. Sie beschäftigt sich mit der Schaffung von Räumen, Coworking-Methoden, Innovationsförderung durch Design sowie Multimedia-Storytelling. Heute hat die Firma Büros in Lausanne, Madrid und London.

Letzte Änderung 02.03.2016

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