Unternehmensstrategien planen und digital abbilden: Chancen und Hindernisse

Strategien zu entwickeln gehört zu den entscheidenden Aufgaben eines Unternehmens, um sich auf dem Markt behaupten zu können. Wie diese digital abgebildet werden können erklärt Ignaz Furger, Inhaber von Furger und Partner, im Interview.

Zu den Herausforderungen eines Unternehmenden gehört es, die Stärken eines Unternehmens zu bündeln und zu einer Strategie zusammenzufassen. Die Digitalisierung kann helfen, diesen komplexen Prozess zu vereinfachen, indem wichtige Etappen und Konfigurationen zentral und für alle beteiligten Personen einsehbar verwaltet werden können. Ignaz Furger, Inhaber von Furger und Partner in Zürich, hat ein digitales Tool entwickelt, welches sich speziell an KMU richtet. Im Interview erläutert er, wie es funktioniert und wo die Herausforderungen bei der Ausarbeitung einer Strategie liegen.

In welchen Situationen ist es für KMU wichtig, Unternehmensstrategien auszuarbeiten?

Ignaz Furger: Strategien werden entwickelt, wenn es droht, gemütlich zu werden. Wenn es für ein Unternehmen anfängt ungemütlich zu werden, ist es vielfach zu spät, denn in Krisenzeiten fehlen dafür erfahrungsgemäss die Zeit und die Kapazitäten. Einmal im Jahr wird die strategische Ausrichtung überprüft, die Kontrolle der Umsetzung der einzelnen Massnahmen geschieht hingegen kontinuierlich. Bei unvorhergesehenen Ereignissen, wie zum Beispiel im letzten Jahr die Aufhebung des Mindestkurses gegenüber dem Euro, ist das Unternehmen somit in der Lage, die Strategie anzupassen, vorausgesetzt es hat in guten Zeiten eine solche definiert.

Gibt es konkrete Anlässe, die eine strategische Neuausrichtung erfordern?

Furger: Klassische Situationen sind Führungswechsel, Technologieveränderungen, Anzeichen grösserer Umwälzungen im Markt- oder Wettbewerbsumfeld oder auch der Kauf oder Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen. Unabhängig von solchen Szenarien kann die strategische Ausrichtung alle paar Jahre überarbeitet werden.

Welche Schritte sollte ein Unternehmen bei der Ausarbeitung einer Strategie berücksichtigen?

Furger: Am Anfang steht immer die Frage „Wo stehen wir heute?“, um die Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren des Unternehmens auszumachen (Dieses Verfahren wird als „SWOT-Analyse“ bezeichnet). Als zweiter Schritt wird geklärt, in welche Richtung es für die Firma gehen soll. Darauf aufbauend werden dann die einzelnen Massnahmen für die Umsetzung festgelegt.

Welche Herausforderungen stellen sich heutzutage für Unternehmen im Bereich digitale Strategieentwicklung?

Furger: Eine der grossen Herausforderung besteht darin, dass es in diesem Bereich keinen standardisierten Prozess gibt. Im Finanzwesen, im Controlling und in der Buchhaltung gibt es definierte Kennzahlen und Kontenpläne. Diese können in den Informationssystemen des Unternehmens digital abgebildet werden. In der Strategieentwicklung aber wird die SWOT-Analyse immer wieder neu erstellt, während die Massnahmenpläne das erste Jahr oft nicht überdauern. Ein einheitliches und beständiges Format ist aber die Voraussetzung für die Digitalisierung dieses Prozesses.

Bei welchen Schritten ist es sinnvoll, diese digital auszuführen?

Furger: Alles, was potentiell digital abgebildet werden kann, wird über kurz oder lang digitalisiert. Im Bereich Strategieentwicklung sind dies vorerst das Datenmanagement sowie die Kontrolle der Umsetzung der Massnahmen. Wie weit digitale Anwendungen in Zukunft dank intelligenter Systeme eine kreative Rolle übernehmen, bleibt abzuwarten. Deshalb stellt die Erarbeitung von Ideen in Workshops weiterhin einen wichtigen Prozess dar.

Ist es für ein Unternehmen ratsam, bei der Ausarbeitung einer Strategie mit externen Partnern zusammenzuarbeiten?

Furger: Es gibt zwei Arten von externer Unterstützung bei der Strategieentwicklung, die sinnvoll sein können: Zum einen ist es die methodische Begleitung im Sinne eines Coaches oder eines Moderators, zum anderen ist es die inhaltliche Unterstützung durch Experten. Bei externen Beratern ist zu beachten, dass ihr Wissen auch der Konkurrenz zugänglich ist. Dazu kommt, dass dieses Wissen, welches für die Ausarbeitung einer Strategie notwendig ist, in den meisten Fällen grossenteils bereits im Unternehmen vorhanden ist. Allerdings bringen Experten zu spezifischen Themen durchaus einen Mehrwert.

Sie haben das digitale Tool „Strategy4ever“ entwickelt. Können Sie uns kurz erläutern, wie dieses Tool funktioniert und an welche Unternehmen es sich im speziellen wendet?

Furger: Strategy4ever ist eine Server-basierte Applikation, die den gesamten Strategieentwicklungs- und Planungsprozess abbildet. Damit wird ein interaktives Arbeiten im Team möglich. Strategy4ever führt durch den Prozess, hat eine zentrale Datenbasis, erstellt automatisch Berichte und hilft mit einem stringenten Massnahmencontrolling, die Umsetzung jederzeit unter Kontrolle zu halten. Zudem zeigt der Abgleich mit den Daten der Vorjahre den „strategischen Fortschritt“ auf. Während dies in der operativen Führung mit standardisierten Kennzahlen seit langem gemacht wird, wird dies mit Strateg4ever nun auch für die strategische Führung möglich.


Informationen

Zur Person / Firma

Ignaz Furger, Inhaber von Furger und Partner in Zürich

Ignaz Furger hat an der ETH Zürich Mathematik studiert und einen Executive Master in Business Administration (EMBA) an der Universität St. Gallen absolviert. Seit 20 Jahren ist er auf die Unterstützung von Unternehmen und Organisationen in strategischen Fragestellungen spezialisiert. Ignaz Furger ist Inhaber der Firma Furger und Partner in Zürich.

Letzte Änderung 03.02.2016

Zum Seitenanfang

https://www.kmu.admin.ch/content/kmu/de/home/aktuell/interviews/2016/unternehmensstrategien-planen-und-digital-abbilden--chancen-und-.html