KMU in sozialen Netzwerken: Geduld und ein gutes Konzept sind Trumpf

Die professionelle Nutzung von Facebook, Twitter & Co. ist heutzutage für die Kundengewinnung unabdingbar. Noëmi Schöni, Expertin für soziale Medien, gibt im Interview Tipps für eine langfristige und ertragreiche Strategie.

Unternehmen können dank sozialer Netzwerke in kurzer Zeit ein großes Publikum erreichen und somit ihren Bekanntheitsgrad erweitern. Allerdings braucht es eine klare Strategie und etwas Geduld, wie  Noëmi Schöni, Inhaberin der Rechts-und Unternehmensberatung Law Consulting Schöni in Zürich, im Interview erklärt. Sie selbst hat innerhalb eines Jahres durch eine solche auf soziale Netzwerke ausgerichtete Strategie 30 neue Kunden gewonnen.

Wie können KMU langfristig eine Präsenz in den sozialen Netzwerken aufbauen?

Noëmi Schöni: Es ist wichtig, nicht sofort loszulegen, sondern sich ein Konzept zu erstellen. Unternehmende sollten sich die Fragen stellen: Wen möchte ich mit meinen Botschaften erreichen? Was möchte ich zeigen und soll dies in Form von Texten oder in Bildern geschehen? Des Weiteren ist es notwendig, sich klar zu positionieren. In den sozialen Netzwerken wird am besten wahrgenommen, wer als Experte für ein bestimmtes Thema auftritt. Zu beachten ist, dass solche Strategien auf lange Sicht greifen. Es können einige Monate vergehen, bis messbare Resultate zu sehen sind.

Welche Plattformen sind für KMU sinnvoll?

Schöni:
Prinzipiell gilt, dass es gut ist, auf so vielen sozialen Netzwerken wie möglich vertreten zu sein. Sollten auf einer bestimmten Plattform die gewünschten Resultate nicht eintreten, kann man diese nach einer gewissen Zeit wieder verlassen. Wichtig ist, die einzelnen Netzwerke gut zu kennen, da es Unterschiede gibt im Hinblick auf Verwendung von externen Dateien – wie Fotos oder Videos – und bei der Sprache. Bei Facebook, Twitter und Google Plus zum Beispiel ist der Umgangston eher informell und das „Du“ ist weit verbreitet. Auf Plattformen wie Xing oder Linkedin hingegen ist ein formellerer Austausch unter den Mitgliedern zu beobachten.

Welche Art von Inhalten sollten Unternehmen veröffentlichen?

Schöni:
Veröffentlichte Inhalte müssen relevant sein und die Positionierung des Unternehmens innerhalb eines bestimmten Themenfelds widerspiegeln. Interessant ist, dass in sozialen Netzwerken viel mit Bildmaterial kommuniziert wird. Handgefertigte Produkte zum Beispiel - wie Nahrungsmittel oder Dekorationsgegenstände - eignen sich dafür sehr gut und werden von den Internetnutzern gerne geteilt. Daneben gibt es die Möglichkeit, Ereignisse wie Weihnachten oder Ostern als Aufhänger für eine Veröffentlichung zu nehmen. Es kann ebenso von Vorteil sein, regelmässig kleine Verlosungen zu organisieren. Diese Strategie bietet sich allerdings eher im B2C-Bereich an.

Gibt es Branchen, für die soziale Medien weniger geeignet sind als andere?

Schöni: Es gibt keine Branche, bei der ich von sozialen Netzwerken abraten würde, da jede Tätigkeit ihre Interessenten findet und Aufmerksamkeit erregen kann. So kenne ich einen Hersteller von Wellblech, der Fotos von Vogelnestern, die er auf einer Baustelle unter seinen Wellblechdächern entdeckt hatte, auf sozialen Plattformen teilte. Innerhalb von kurzer Zeit hat sich der Beitrag im Internet verbreitet und so den Bekanntheitsgrad des Unternehmens erweitert.

Welchen zeitlichen und finanziellen Aufwand sollten Unternehmende berechnen?

Schöni: Um regelmässig qualitative Inhalte zu veröffentlichen, sollten Unternehmende 4 bis 5 Stunden pro Woche einplanen. Der Aufwand verringert sich nach etwa einem Jahr, weil dann normalerweise genug Material vorhanden ist, das wiederverwertet werden kann. Für Unternehmende mit wenig Erfahrung im digitalen Bereich würde ich Hilfe von aussen empfehlen. Das kann in Form einer Fortbildung geschehen, die wesentliche Grundkenntnisse vermittelt. Solche Angebote sind für etwa CHF 500 bis 1'000 zu bekommen. Natürlich kann man auch mit einem externen Berater eine individuelle Strategie aufgleisen, wobei man allerdings mit mehreren Tausend Franken Investition rechnen muss.

Wie können Unternehmen ihre Präsenz in sozialen Medien in Umsatz verwandeln?

Schöni: Ziel jeder Interaktion in sozialen Netzwerken, muss sein, potentielle Kunden auf die Website des Unternehmens zu holen. Deshalb sollte der Pflege der Unternehmensseite besondere Aufmerksamkeit zukommen. Sie muss optisch ansprechend sein, aktuelle Inhalte und eine Newsletter-Funktion enthalten. Nur mit dieser Funktion können Unternehmende direkt mit den potentiellen Kunden in Kontakt treten. Dabei gilt: je mehr Kontakte, desto besser. Früher haben fünf bis sieben Kontakte gereicht, um einen davon in einen Kunden zu verwandeln. Heute sind mehr als zehn Kontakte nötig. Aber Vorsicht: Der Newsletter muss relevante und interessante Informationen enthalten, sonst melden sich die Leute wieder ab. Ein Newsletter im Monat sollte reichen.

Was sollte ein KMU tun, das in sozialen Netzwerken von unzufriedenen Kunden kritisiert wird?

Schöni: Als erstes sollte es dankbar sein, weil Kritik etwas sehr Wertvolles sein kann: Das KMU erhält dadurch die Chance, sich zu verbessern. Als zweites sollte das Unternehmen auf die Kritik reagieren und das Anliegen ernst nehmen. Bei Beschimpfungen und Beleidigungen sollte auch erwogen werden, Beiträge zu löschen. Alles in allem ist Kritik, die auf sozialen Plattformen geäussert wird, weniger schlimm als man denkt und lässt sich auch nicht vermeiden. Im öffentlichen Raum läuft man als Unternehmen immer Gefahr, auch negativ bewertet zu werden, das gilt aber für alle.


Informationen

Zur Person / Firma

Noëmi Schöni, Inhaberin der Rechts-und Unternehmensberatung Law Consulting Schöni in Zürich

Dr. iur. Noëmi Schöni ist Inhaberin der Rechts- und Unternehmensberatung Law Consulting Schöni, welche sie 2007 gegründet hat. Aufgrund ihrer grossen Affinität zu neuen Technologien hat sie sich auf digitale Expertenpositionierungen spezialisiert: Sie hilft kleinen und mittleren Unternehmen sich im Internet erfolgreich zu positionieren und dadurch Neukunden zu gewinnen.

Letzte Änderung 16.03.2016

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