"Es ist wichtig, dass man an einem Businessplan-Wettbewerb teilnimmt"

Preclin Biosystems, ein Spin-off der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, hat sich in dem Nischenmarkt für klinische Studien etabliert. Gründerin Bettina Ernst spricht über die Gründungsphase vor mehr als acht Jahren. 

Das Unternehmen Preclin Biosystems, das sich auf präklinische Studien spezialisiert hat, bietet seinen Kunden eine Testplattform für die Erforschung und Validierung therapeutischer Wirkstoffe. Die Forschung richtet sich hauptsächlich auf chronische entzündliche und infektiöse Erkrankungen. Bevor Preclin Biosystems zu dem florierenden Unternehmen wurde, das es heute ist, startete es 2008 als Spin-off der ETHZ. Das KMU schaffte den Schritt auf den Markt dank verschiedener Förderprogramme für Start-ups und Spin-offs. Dieses Firmenmodell, das im Hochtechnologiesektor verbreitet ist, wird von der Firmengründerin und Geschäftsführerin Bettina Ernst erklärt. 

Welche Systeme zur Förderung von Start-ups und Spin-offs gibt es? 

Bettina Ernst: An den Universitäten und Hochschulen werden Workshops angeboten, die für die Lancierung eines Start-ups oder Spin-offs sehr wichtig sind. Diese Kurse sind sehr gut aufgebaut, von hoher Qualität und extrem nützlich. Der Nutzen besteht zunächst darin, die nötigen Fähigkeiten für die Gründung eines solchen Unternehmens zu erwerben; aber sie helfen auch beim Networking zwischen Personen mit denselben Ideen und bei der Suche nach möglichen Investoren oder anderen Teilhabern. 

Wie geht man dann bei der Gründung konkret vor? 

Ernst: Es ist wichtig, dass man an einem Businessplan-Wettbewerb teilnimmt. So kann man Kapital einwerben und einen Cashflow ohne verwässernden Effekt erzeugen (Anm. d. R.: Verwässernder Effekt bedeutet eine geringere Kontrolle der derzeitigen Aktionäre oder eine Abnahme der Rendite pro Aktie, der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens oder eines anderen wichtigen Parameters). Solche Wettbewerbe dienen auch dazu, Personen zu vernetzen. Eine der besten Initiativen, die in der Schweiz für die Gründung von Start-ups und Spin-offs entstanden sind, ist zum Beispiel Venture Kick. Das Programm, das 2007 von der Stiftung Venture Kick ins Leben gerufen wurde, soll innovative Geschäftsideen entdecken und fördern, die in der akademischen Forschung in der Schweiz entstehen. Es bietet finanzielle Unterstützung, vor allem aber ein persönliches Coaching und einen Zugang zu diesem Netzwerk von Personen mit denselben Ideen und zu potenziellen Investoren. Auch Innosuisse kann ein äusserst hilfreicher Partner sein. Diese Organisation kann einen durch den gesamten Gründungsprozess hindurch begleiten. 

Sind diese Programme unerlässlich, um das nötige Kapital aufzubringen und sein Start-up/Spin-off zu lancieren? 

Ernst: Es ist sehr wichtig, dass man für die Finanzierung seines Start-ups oder Spin-offs die richtige Strategie findet. Anfangs kann es sehr nützlich sein, eine nicht verwässernde Finanzierung zu suchen, beispielsweise Fördermittel der schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse oder des Programms Eurostars, das innovative KMU in länderübergreifenden Projekten auf europäischer Ebene unterstützt. Man kann auch im Rahmen eines Businessplan-Wettbewerbs Gelder erhalten. Smart Money ist immer äusserst wertvoll. Man muss aber vorsichtig sein, denn einige Investoren verlangen dafür Vorzugsaktien. So gehen mit jeder Finanzierungsquelle gewisse Verpflichtungen einher. Man bekommt nichts umsonst.  

Also gilt mal wieder: Geld regiert die Welt?  

Ernst: Ja, die Bedeutung des Geldes kann gar nicht genug betont werden, genau wie die Notwendigkeit, jeden Tag über seinen Kontostand informiert zu sein.  

Was ist mit dem geistigen Eigentum? Hat das Einfluss auf die Investoren?

Ernst: Grundsätzlich investieren Investoren nur dann in ein Start-up aus dem Hochtechnologiesektor, wenn es seine Innovation schützt. Wie sonst könnte sich dieses zarte Pflänzchen, das über beschränkte finanzielle Mittel verfügt und ganz neu auf dem Markt ist, gegen die grösseren und stärkeren Unternehmen auf dem Markt verteidigen? Natürlich gibt es auch noch andere Erfolgsgeheimnisse und unkonventionelle, intelligente und flexible Unternehmensmodelle. In den meisten Fällen wird der Schutz der Innovation jedoch über die Patentierung als geistiges Eigentum garantiert.

Um Erfolg zu haben, braucht man auch ein gutes Team. Wie findet man das?  

Ernst: Über die fachlichen und beruflichen Kompetenzen hinaus ist die Zusammensetzung des Teams für den Erfolg der Firma ein entscheidendes Element. Die Personen, aus denen das Team besteht, müssen sich gegenseitig ergänzen. Sie müssen Ausdauer und gemeinsame Ziele haben und in der Lage sein, gemeinsam vorwärts zu kommen, durch alle Höhen und Tiefen, die mit der Gründung eines solchen Projekts verbunden sein können.  

Woher weiss man, wann der richtige Zeitpunkt ist?  

Ernst: Das ist alles eine Frage der Intuition, allerdings der richtigen Intuition in Bezug auf die Realität des Marktes und die Chancen, die er bieten kann.


Informationen 

Zur Person/Firma

Bettina Ernst, Gründerin und Geschäftsführerin des Unternehmens Preclin Biosystems

Bettina Ernst ist Gründerin und Geschäftsführerin von Preclin Biosystems mit Sitz in Epalinges (VD). Die promovierte Wissenschaftlerin sammelte in Europa und in den USA sehr viele Erfahrungen im Bereich der Grundlagenimmunologie. Zunächst arbeitete sie in der Biotech- und Pharmaindustrie, bevor sie im Juni 2008 ihr Unternehmen Preclin Biosystems gründete. 2011 wurde die Unternehmerin mit dem "Women's Business Motivationspreis" von VentureLab ausgezeichnet.

Letzte Änderung 05.10.2016

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