"Unsere Plattform hilft den KMU bei der Finanzierung ihrer Rechnungen"

Die Firma Advanon hat einen Online-Service für Unternehmen mit Liquiditätsproblemen entwickelt. Ihr innovatives Geschäftsmodell brachte ihr beim Swiss FinTech Award den Publikumspreis ein.

Der Finanztechnologiesektor (FinTech) erlebt in der Schweiz einen rasanten Boom. Immer mehr Unternehmen bieten ihre Dienste in so unterschiedlichen Bereichen wie Crowdfinanzierung, Zahlungsverkehr, Blockchain Technology, virtuelle Währungen, Vergleichs- und Informationsportale, Anlageberatung oder Vermögensverwaltung an.

Eines der vielversprechenden Schweizer Start-ups ist Advanon, das ein Angebot für KMU entwickelt hat. Im August 2015 lancierte es eine Online-Plattform, auf der kleine und mittlere Unternehmen aus der Schweiz Investoren ihre Rechnungen zur Vorfinanzierung anbieten. So können sie das Geld sofort erhalten und müssen nicht warten, bis ihre Kunden die Rechnungen begleichen. Erläuterungen von Phil Lojacono, Mitgründer und CEO des Zürcher Start-ups, das heute 12 Personen beschäftigt.

Können Sie uns Ihr Geschäftsmodell beschreiben?

Phil Lojacono: Wir bieten eine Lösung vor dem Hintergrund immer längerer Zahlungsfristen. Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen an grosse Firmen verkaufen, müssen nicht selten zwei bis drei Monate warten, bis ihre Rechnungen beglichen werden. Unsere Online-Plattform gibt den Schweizer KMU die Möglichkeit, ihre Rechnungen direkt von Investoren vorfinanzieren zu lassen. Die Zahlungsfrist verkürzt sich somit auf nur 24 Stunden.

Welche Vorteile bietet Advanon im Vergleich zu einer klassischen Finanzierung, zum Beispiel über ein Factoring-Unternehmen oder eine Bank?

Lojacono: Eine unserer Stärken ist die Möglichkeit, alles online abzuwickeln. Also ohne dass man seinen Arbeitsplatz verlassen muss. Ein weiterer Vorteil ist, dass unser Angebot total flexibel ist. Ein KMU kann die Finanzierung einmalig für eine Rechnung beantragen oder regelmässig für mehrere Rechnungen. Diese Flexibilität ist sehr wichtig, da einige Unternehmen nur einmal eine Vorfinanzierung brauchen, wenn es um einen sehr grossen Auftrag geht. Ausserdem handelt es sich um eine Hilfe für einen kurzen Zeitraum, zwischen zwei und drei Monaten. Es ist nicht notwendig, ein Jahresabonnement abzuschliessen, wie es bei anderen Firmen der Fall sein kann. Und es ist günstiger.

Und was ist der Vorteil für die Investoren, im Vergleich zu traditionelleren Geldanlagen?

Lojacono: Sie haben die Möglichkeit, kurzfristige Investitionen zu tätigen. Zudem bietet Advanon im Vergleich zu traditionellen Anlagen wie Obligationen interessante Möglichkeiten der Diversifikation und zugleich attraktive Renditen.

Apropos Renditen: Wer legt die Höhe fest?

Lojacono: Wir bewerten alle Unternehmen, die sich auf unserer Plattform anmelden. Wir teilen unser Rating mit und geben dann eine Empfehlung, welchen Prozentsatz man veranschlagen könnte. Letztlich ist unser Portal aber ein Markt. Es ist daher immer Sache des Unternehmens, den Preis für seine Rechnung festzulegen, und der Investor muss entscheiden, ob er sie finanzieren will oder ob es ihm zu riskant erscheint. Bisher haben jedoch alle Rechnungen, die dort angeboten wurden, einen Abnehmer gefunden.

Wie viel bezahlt ein KMU, um diese Dienstleistung zu nutzen?

Die Kosten pro Rechnung variieren stark je nach Risikokategorie. Durchschnittlich kann man von etwa 1,75% des Rechnungsbetrags ausgehen. Gerne helfen wir jedem KMU individuell dabei, eine Offerte zu erstellen, aber schlussendlich ist es das KMU, welches entscheidet, zu welchem Preis es die Rechnung auf der Plattform anbieten will.

Wie gehen Sie mit dem Ausfallrisiko um?

Lojacono: Wir führen eingangs immer eine Due Diligence durch, also eine ausführliche Prüfung der Situation des Unternehmens. Wir versuchen natürlich, dass nur zuverlässige Kunden auf unserer Website landen. Aber wenn tatsächlich einmal eine Rechnung nicht beglichen wird, liegt das Risiko beim Investor. Dieser muss dann entscheiden, ob er ein Betreibungsverfahren einleitet oder nicht.

Für welche Art von Unternehmen ist Ihre Website besonders interessant?

Lojacono: Jedes kleine oder mittelgrosse Unternehmen kann sich dort anmelden. Die Rechnungen, die bisher finanziert wurden, beliefen sich auf Summen zwischen CHF 1'000 und 250'000. Zu unseren Kunden gehören also sowohl Einzelfirmen als auch Firmen mit 200 bis 300 Beschäftigten. Sie sind in sehr unterschiedlichen Branchen tätig, meistens handelt es sich aber um Zulieferer für grosse Konzerne oder Verwaltungen. Sie arbeiten mit Auftraggebern, die ganz einfach die Macht haben, lange Zahlungsfristen auszuhandeln.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Advanon zu gründen?

Lojacono: Ich lernte die beiden Mitgründer von Advanon während meines Praktikums bei Google in Dublin kennen. Wir sprachen über Cash-Flow-Probleme von KMU. Wir kannten mehrere kleine und mittlere Unternehmen, die ein gutes Geschäft mit vielen laufenden Aufträgen hatten, aber aufgrund eines Liquiditätsmangels blockiert waren. Wir hatten dann die Idee, Investoren (die Geld haben) und KMU (die Geld brauchen) zusammenzubringen.

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Registrierung im Januar 2015 entwickelt?

Lojacono: Unsere Wachstumsrate beträgt mehr als 40% pro Monat. Im Laufe eines Jahres ist die Zahl unserer Mitarbeiter von 3 auf 12 gestiegen. Heute sind mehr als 130 Firmen und 180 Investoren regelmässig auf Advanon aktiv. Wir gehören auch zu den Top 4 im Ranking der besten FinTech-Firmen in der Schweiz, das von Swiss FinTech Award erstellt wird. Das ist nicht schlecht für eine Firma, die ihr Produkt vor weniger als einem Jahr lanciert hat!

Wie wird Advanon finanziert?

Lojacono: Hinter uns stehen private Investoren, also Business Angels. Ausserdem haben wir Kooperationen mit mehreren Banken geschlossen. Und wir nehmen eine Provision von 1% des finanzierten Rechnungsbetrags sowie 10% von der Prämie, die der Investor erhält.

Was sind die nächsten Schritte für Ihr Start-up?

Lojacono: In erster Linie wollen wir unser Produkt noch weiter verbessern. Wir arbeiten zum Beispiel an Modellen zu Kreditrisiken und an neuen Schnittstellen, damit die Kunden ihre Rechnungen direkt aus ihrer Buchhaltungssoftware auf die Plattform hochladen können. Der schweizerische Markt hat viel Potenzial. Wir werden uns daher auch auf das Marketing in der Schweiz konzentrieren, um Advanon dort bekannt zu machen.


Informationen

Zur Person/Firma

Phil Lojacono, Mitgründer und CEO des Zürcher Start-ups Advanon

Phil Lojacono absolvierte einen Master in Banking and Finance an der Hochschule Luzern. Nach einer Zeit als Praktikant bei EET Europarts und Google gründete er im Januar 2015 in Zürich gemeinsam mit zwei Kollegen das Start-up Advanon, dessen CEO er heute ist.

Letzte Änderung 01.06.2016

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