"Für einen werdenden Unternehmer ist es entscheidend, den Markt genau zu verstehen"

In nur zehn Jahren wurde aus einem kleinen Spin-off der Universität Zürich ein börsenkotiertes KMU: Molecular Partners. Sein CEO verrät uns das Geheimnis dieses Erfolgs.

Als Spin-off des Instituts für Biochemie der Universität Zürich setzte sich das pharmazeutische Unternehmen Molecular Partners zum Ziel, Therapien für die Behandlung von schwer kranken Patienten zu entwickeln. Die Firma schloss zunächst Kooperationen mit führenden Unternehmen der Pharmaindustrie und ging im November 2014 selbst an die Börse. Ein Gespräch mit CEO und Firmenmitgründer Christian Zahnd.

Molecular Partners hat eine neue Art von therapeutischen Proteinen namens DARPins entwickelt. Durch welche Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten zeichnen sie sich aus?

Christian Zahnd: Wir haben eine Technologie erarbeitet, mit der sich Proteine entwickeln lassen, die in der Lage sind, sich mit der Oberfläche hochspezifischer Strukturen zu verbinden. So kann man in einem komplexen Gesamtprozess mithilfe der DARPins ("Designed Ankyrin Repeat Protein", Anm. d. R.) bestimmte Moleküle ausfindig machen, die ein therapeutisches Potenzial haben. Wir haben die Grundlagen für eine Technologie mit einem breiten Anwendungsspektrum; dieses Potenzial haben wir von Anfang an genutzt. Heute konzentrieren wir uns auf drei grosse Bereiche: die Augenheilkunde, Therapien gegen Krebs und die Immunologie.

Wann werden die ersten Medikamente auf den Markt kommen?

Zahnd: Unsere Technologie kann in einem sehr breiten Rahmen eingesetzt werden. Wir haben verschiedene Moleküle selektiert, die wir entweder selbst oder in Zusammenarbeit mit Pharmakonzernen entwickeln. Das Produkt, das zum jetzigen Zeitpunkt am weitesten fortgeschritten ist, dürfte im ersten Halbjahr 2015 in die dritte klinische Testphase gehen. Die Markteinführung soll in rund drei Jahren erfolgen. In der Pharmazie muss man mit gut zehn Jahren rechnen, die zwischen dem Beginn eines Projekts und der Markteinführung des Produktes liegen.

Sie haben viele Preise gewonnen, unter anderem den Venture 2004. Was hat Ihnen diese Auszeichnung gebracht?

Zahnd: Dieser Preis hat uns die Lancierung des Unternehmens Molecular Partners ermöglicht. Er hat uns Türen zu Netzwerken geöffnet und uns mit Unternehmern sowie mit Experten aus unterschiedlichen Bereichen in Kontakt gebracht. So konnten wir Teams aufbauen, was wir zuvor als Wissenschaftler noch nicht angedacht hatten. Zweitens hat uns die Auszeichnung zu mehr Sichtbarkeit verholfen, insbesondere durch Presseartikel, was uns die Kontaktaufnahme zu unseren Partnern enorm erleichtert hat.

Welche Ziele verfolgen die Partnerschaften, die Molecular Partners mit den Pharmakonzernen Allergan, Roche und Janssen unterzeichnet hat?

Zahnd: Von Anfang an haben wir uns zum Ziel gesetzt, Behandlungen zu entwickeln, die Patienten, denen wenige therapeutische Alternativen zur Verfügung stehen, einen echten Mehrwert bieten. Natürlich haben wir damit begonnen, selbst Produkte zu entwickeln, aber wir stellten schnell fest, dass es sinnvoll wäre, auch mit pharmazeutischen Unternehmen zusammenzuarbeiten. Die Idee dieser Partnerschaften war nicht in erster Linie, Kapital zu beschaffen, sondern von Kompetenzen zu profitieren und die für die Entwicklung solcher Produkte nötige Glaubwürdigkeit zu erlangen. Wir haben unsere Partner von Anfang an sehr sorgfältig ausgewählt, und zwar nicht nach ihren Dienstleistungen, sondern nach ihren ausgeprägten strategischen Kompetenzen.

Molecular Partners ist im November 2014 an die Börse gegangen und hat damit sein Kapital um CHF 106,2 Millionen erhöht. Wozu wird dieses Geld dienen?

Zahnd: Die Entwicklung neuer therapeutischer Produkte erfordert beträchtliche Mengen an Kapital. Die Erlöse aus dem Börsengang bieten uns zusätzliche Mittel, um in Eigenregie neue Produkte zu entwickeln. So können wir Moleküle in klinische Testphasen überführen und die Wertschöpfung in unserer Firma belassen. Die Gelder können auch verwendet werden, um Lizenzen zu kaufen oder eventuell Technologien, die unsere eigenen ergänzen können.

Innert wenigen Jahren hat sich Molecular Partners von einem kleinen Spin-off des Instituts für Biochemie der Universität Zürich zu einem börsenkotierten Unternehmen gewandelt. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?

Zahnd: Um mit der Gründung eines Unternehmens in der Biotech-Branche Erfolg zu haben, ist es nötig, Produkte und technologische Plattformen zu haben, die grundlegend anders, das heisst innovativ sind. Mit den DARPins hat Molecular Partners eine Antwort auf ein echtes Anliegen der Industrie gefunden. Gemeinsam mit den Investoren und Partnern hatten wir die Möglichkeit, die Firma im richtigen Moment zu gründen. Was entscheidend war – und das gilt sicher auch ausserhalb der Biotechnologien –, war die richtige Zusammensetzung eines leistungsfähigen, starken Teams, das in der Lage ist, den Geist des Unternehmens zu verteidigen sowie Gelegenheiten zu erkennen und zu ergreifen.

Was würden Sie jungen Unternehmerinnen und Unternehmern raten, die heute in der Schweiz eine Firma gründen wollen?

Zahnd: In der Schweiz haben wir das Glück, über erstklassige Universitäten und sehr gute internationale Verbindungen zu verfügen. Das Land bietet günstige Rahmenbedingungen - für die Gründung von Unternehmen; für die Suche nach Kapital und talentierten Fachkräften sind sie optimal. Ein Faktor, der mir sehr wichtig erscheint, ist, dass die Jungunternehmer von Anfang an ein gutes Verständnis für den Markt entwickeln, um ihre Produkte richtig zu platzieren. Je schneller die Marktdynamik in das Geschäftsmodell integriert wird, desto besser wird das Unternehmen positioniert sein.


Informationen

Zur Person/Firma

Portraitfoto von Christian Zahnd, CEO und Firmenmitgründer von Molecular Partners

Der 39-jährige Christian Zahnd wuchs in Bern auf und lebt in Zürich. Er studierte Naturwissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) und promovierte anschliessend an der Universität Zürich in Molekularbiologie. 2004 gründete er mit mehreren Kollegen Molecular Partners. Heute ist er CEO der Firma, die mittlerweile 75 Vollzeitkräfte beschäftigt.

Letzte Änderung 30.06.2015

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