"Wir träumen davon, neue Lösungen für den Mobilitätssektor auf den Markt zu bringen"

Die Firma Bcomp, die innovative Produkte auf Basis von Flachsfasern verkauft, hat 2013 ihren Umsatz verdreifacht. Ein Bericht über den rasanten Erfolg des Freiburger KMU.

Dank ihrer Verbundwerkstoffe aus Flachsfasern kann die Freiburger Firma Bcomp ultraleichte Materialien für Hersteller von Skiern, Designobjekten oder auch Musikinstrumenten anbieten. Zu ihren Kunden gehören Schweizer Marken wie Stöckli und Faction sowie viele ausländische Marken wie Black Diamond, Nordica oder Blackbird Guitars. Das Unternehmen wurde 2011 gegründet und hatte nach dem ersten Betriebsjahr einen Umsatz von CHF 200'000 erzielt. 2013 konnte sie diesen verdreifachen und will dies im laufenden Jahr erneut tun. Mitgründer und CEO Christian Fischer erklärt, wie es zu dieser Entwicklung kam.

Könnten Sie uns bitte kurz Ihr Geschäftsmodell beschreiben?

Christian Fischer: Unsere Firma konzentriert sich auf die Entwicklung und den Patentschutz von Technologien im Bereich der Verbundwerkstoffe aus Flachsfasern, auf das Marketing und den Verkauf der Produkte an unsere Kunden sowie auf die Koordination unserer Wertschöpfungskette. In unsere Produktion sind nämlich europäische Partner als Subunternehmer eingebunden (insgesamt ein halbes Dutzend), was ein gutes Fernmanagement der Produktströme und der Lagerbestände erfordert.

An wen richten sich Ihre Produkte und Dienstleistungen und welche konkreten Anwendungen gibt es bereits?

Fischer: Heute ist Bcomp vor allem auf den Märkten Sport, Freizeit, Luxus, Design und Musikinstrumente präsent. Wir verkaufen unsere ultraleichten "bCores" an Hersteller von Skiern oder Surf- und Kiteboards und unsere faserverstärkten Gewebe "ampliTex" an Sportartikelhersteller – für den Ski-, Surf- und Radsport –, aber auch an Musikinstrumentenbauer und Hersteller von Designobjekten. Seit einigen Monaten arbeiten wir auch an Projekten in der Sparte Mobilität und an Anwendungen für die ESA im Bereich Raumfahrt.

Worum geht es da?

Fischer: Unsere "powerRibs"-Technologie ermöglicht extrem flache Strukturen, die genau so fest und leicht sind wie Strukturen aus Karbonfasern, aber Vibrationen etwa dreimal so gut dämpfen. Für viele Bauteile ist diese Kombination aus Festigkeit, Leichtigkeit und Dämpfung während der Startphase sehr wichtig. Genau diese Eigenschaften machen unsere Lösungen auch für die Automobilindustrie attraktiv, vor allem im Kontext der Elektromobilität, bei der jedes eingesparte Kilogramm die Autonomie erhöht und wo die Behörden von den Herstellern eine stärkere Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen fordern.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in dieser Branche aktiv zu werden?

Fischer: Wir hatten den Eindruck, dass die Skier der 2000er Jahre, vor allem für Freeride und Freeride-Touren, viel zu schwer sind. Auch wenn Karbonfasern für eine Verringerung des Gewichts sorgten, blieb doch der nötige Komfort aus und ausserdem waren sie zu teuer. Mit unseren Verbundwerkstoffen aus Flachsfasern konnten wir Produkte entwickeln, die auch diese Bedürfnisse erfüllen.

Welche Besonderheiten weist Ihre Branche in der Schweiz auf und was sind die aktuellen Trends auf dem Markt?

Fischer: Wir haben wenige Kunden in der Schweiz, weil es für unser Angebot zwingend erforderlich war, von Anfang an international zu agieren. Auf dem Markt für Verbundwerkstoffe geht es um immer leichtere Materialien, die zugleich aber auch immer spezifischer auf den Bedarf des Kunden zugeschnitten werden. Ein grosser Trend ist die Kombination aus Funktionalität, Komfort und Ästhetik.

Könnten Sie uns die wichtigsten Schritte in der Entwicklung Ihrer Firma und Ihre geplanten Projekte beschreiben?

Fischer: Im Startjahr 2011 waren wir vor allem mit der Suche nach Räumlichkeiten und Finanzierungsmöglichkeiten beschäftigt sowie mit der Entwicklung von Produkten auf der Grundlage unserer ersten Ideen. 2012 konnten wir Kooperationen für die Produktion, die Kommunikation und die internen Verfahren abschliessen. Ausserdem erzielten wir da bereits erste Umsätze in der Sport- und Freizeitbranche. Im folgenden Jahr konnten wir uns der Akquise von Grosskunden widmen, die einen Ausbau unseres Geschäfts ermöglichen sollte. Zugleich haben wir mehrere langfristige F+E-Projekte mit verschiedenen akademischen Partnern ins Leben gerufen. Dank all dieser Elemente können wir dieses Jahr den Verkauf unserer etablierten Produkte erheblich steigern und parallel dazu neue Märkte erschliessen und Technologien für die Zukunft entwickeln. Wir träumen davon, neue Lösungen für den Mobilitätssektor auf den Markt zu bringen. Damit könnten wir uns mit Blick auf die Umsätze ein zusätzliches Standbein aufbauen, was das Wachstum des Unternehmens erheblich beflügeln würde.

Was waren die grössten Schwierigkeiten, auf die Sie als Unternehmer gestossen sind?

Fischer: Insgesamt haben wir in hohem Masse unterschätzt, wie lange es dauert, bis ein neues Produkt die nötige industrielle Reife erlangt und bis neue Produkte in der Industrie etabliert sind. Und wie in jedem Team gab es auch bei uns mitunter Spannungen, aber wir haben gelernt, gut damit umzugehen.

Was würden Sie jungen Unternehmerinnen und Unternehmern raten, die heute in der Schweiz eine Firma gründen wollen?

Fischer: Nicht zu lange nachdenken – machen! Das Ökosystem des Schweizer Unternehmertums hat sich positiv entwickelt und ist in einem guten Zustand. Wenn Ihr Projekt und Ihr Team nicht die erforderliche Qualität aufweisen, werden Sie das sehr schnell merken. Wenn hingegen alles passt, werden Sie rasch die nötige Unterstützung und die finanziellen Mittel erhalten, um Ihr Projekt umsetzen zu können.  


Informationen

Zur Person/Firma

Portraitfoto von Christian Fischer, Mitgründer und CEO der Firma Bcomp in Freiburg

Vor der Lancierung von Bcomp im Jahr 2011 war Christian Fischer drei Jahre lang als Projektmanager bei Alcan Innovation Cells tätig. Sein Studium in Material- und Ingenieurwissenschaften absolvierte er an der EPFL.

Letzte Änderung 27.09.2019

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