"Mit einem MBA lassen sich einige Türen öffnen"

Ist der "Master of Business Administration" für eine Karriere im oberen Management oder als Firmenchef immer noch unverzichtbar? José M. San José sagt uns, worauf es ankommt.

Der MBA gehört in der Berufswelt seit Langem zu den Abschlüssen, die besonders gefragt und überall anerkannt sind. Ist er aber heute, wo das Weiterbildungsangebot immer vielseitiger wird, immer noch unerlässlich für einen Karrieresprung? Die Antworten liefert José Maria San José, Chief Marketing Officer bei dem Personaldienstleister Adecco Switzerland.

Ist der MBA (Master of Business Administration) weiterhin eine unabdingbare Voraussetzung für eine Karriere im Management?

José M. San José: Ein Universitätsabschluss ist für die Karriere immer ein Pluspunkt und erhöht die Chancen eines Bewerbers auf dem Arbeitsmarkt. Ein eidgenössischer Fachausweis oder ein Berufsdiplom bieten eine gewisse Garantie und belegen, dass die betreffende Person ihr Fach beherrscht. Von diesem Standpunkt aus bleibt der MBA ein gefragter Abschluss. Entscheidend ist aber weiterhin, wo dieser erworben wurde: Der Wert eines MBA hängt häufig vom Ranking oder vom Ruf des Instituts ab, das ihn verliehen hat. Ausserdem spielen die Abschlüsse je nach Land eine unterschiedliche Rolle. In den USA beispielsweise hat die Berufserfahrung einen höheren Stellenwert als die Zeugnisse. Anders ist es in der Schweiz, wo Universitätsabschlüsse bei der Einstellung nach wie vor ein ausschlaggebender Faktor sind, selbst bei Stellen, die nur eine relativ geringe Qualifikation erfordern.

Welche konkreten Vorteile bringt ein Abschluss vom Typ MBA für die berufliche Laufbahn?

M. San José: Mit einem MBA lassen sich einige Türen öffnen. Dennoch ist es nicht so, dass von zwei Bewerbern, die sich auf eine Stelle bewerben, am Ende immer derjenige genommen wird, der einen MBA hat. Manchmal kann er vielleicht das entscheidende Element sein, manchmal einfach einer von mehreren Vorzügen. Aber mit einem MBA ist die Schwelle für einige Positionen niedriger und man erhält Zugang zu besser bezahlten Stellen im mittleren oder oberen Management.

Kann ein Abschluss vom Typ MBA auch für einen Unternehmer oder eine Unternehmerin nützlich sein?

M. San José: Das hängt von der Branche ab. Es gibt durchaus Branchen, in denen man durch einen Doktortitel oder einen MBA eine gewisse Legitimität gegenüber seinen Partnern oder Kunden erhält, insbesondere im internationalen Business. Andererseits ist aber auch die Praxiserfahrung enorm wichtig. Nehmen wir zum Beispiel ein Start-up. Bestimmte Abschlüsse wie ein MBA sind auf keinen Fall hinderlich und können bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten bei Banken oder Investoren eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Aber weil diese Firmen in der Regel in einem Nischenmarkt angesiedelt sind, fallen die Punkte Erfahrung und Spezialisierung oft viel stärker ins Gewicht als die Abschlüsse.

Kann es für die Karriere auch schädlich sein, noch einmal die Schulbank zu drücken?

M. San José: Auf keinen Fall. Wir beobachten im Gegenteil, dass diejenigen Bewerber besonders schwer zu vermitteln sind, die vor zehn oder fünfzehn Jahren aufgehört haben, sich weiterzubilden, selbst wenn diese eine Promotion oder ein MBA-Studium abgeschlossen haben. Die Philosophie unseres Unternehmens ist die des lebenslangen Lernens. Wir raten allen Berufstätigen, mindestens alle zwei Jahre eine neue Weiterbildung zu machen. Das kann zum Beispiel ein Seminar sein oder eine Spezialisierung oder eine Fachkonferenz innerhalb der eigenen Branche. Weiterbildung ist auf dem Arbeitsmarkt von heute ein grosses Thema. Je älter man wird, desto wichtiger wird dieser Aspekt. Ab 50 oder 55 können Arbeitnehmer in die Kritik geraten, indem ihnen mangelnde Kompetenzen unterstellt werden. Die Teilnahme an einer Weiterbildung ist ein ausgezeichnetes Argument, um dieser Kritik etwas entgegenzusetzen, und sie zeugt von Offenheit und Flexibilität, was auf dem Arbeitsmarkt sehr geschätzt wird.

Was würden Sie einem Manager oder einem Unternehmer raten, der über ein Weiterbildungsprogramm einen MBA-Abschluss erwerben will?

M. San José: Zunächst sollte man eine Analyse seiner beruflichen Situation, seiner Stärken und Schwächen und seiner Ziele vornehmen. Abhängig vom Alter kann es ganz unterschiedliche Wege geben. Einige möchten noch einmal studieren, um einen bestimmten Posten besetzen zu können, andere haben bereits eine interessante Stelle, merken aber, dass ihnen einige Fertigkeiten fehlen. Dann muss man das Angebot der verschiedenen Institute auf dem Markt genau prüfen. Das heisst Preise vergleichen, Referenzen suchen, im beruflichen und privaten Umfeld um Rat fragen. Man sollte wissen, dass es an jeder guten Schule möglich ist, das Seminarprogramm zu studieren, die Räumlichkeiten zu besichtigen und sich mit den Professoren oder dem Dekan der Schule zu unterhalten. Hinzufügen würde ich, dass man einen MBA nicht überbewerten darf. Er kann es leichter machen, eine Stelle zu bekommen, aber es gibt etliche weitere Faktoren, die bei der Auswahl berücksichtigt werden. Wir versuchen, die Schweizer Unternehmen davon zu überzeugen, dass bei der Suche nach einem kompetenten Mitarbeiter nicht nur die Abschlüsse eine Rolle spielen. Der Mangel an einheimischen Fachkräften ist ein Thema, das immer wieder in die öffentliche Diskussion gebracht wird, aber man kann dieses Problem auch künstlich aufrechterhalten.


Informationen

Zur Person/Firma

Portraitfoto von José M. San José, Chief Marketing Officer bei Adecco Switzerland

José Maria San José absolvierte die Handelsschule der St. Galler Business School und erwarb dort ein eidgenössisches Diplom als Marketingplaner und Verkaufsleiter. Anschliessend nahm er ein Studium an der Universität Bern auf und schloss dieses mit dem Master-Zertifikat "Dienstleistungs- und Internationales Marketing" ab. Am IMD in Lausanne nahm er am Adecco Leadership-Programm teil. Seit 2006 ist er Chief Marketing Officer bei Adecco Switzerland.

Letzte Änderung 27.09.2019

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