"Die Hilfestellung von StartBiz wird auf dem Weg in die Selbständigkeit sehr geschätzt"

Seit 2004 stellt der Bund Gründerinnen und Gründern ein kostenloses Internet-Portal für die Abwicklung der administrativen Vorgänge zur Verfügung.

Innert zehn Jahren wurden mit StartBiz rund 34'000 Firmen gegründet. Die Website funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Wer ein Unternehmen gründen will, füllt einen Online-Fragebogen aus, in dem die Rechtsform, die Zahl der Beschäftigten oder auch die anvisierte Branche genannt werden. Auf dieser Grundlage erstellt das System einen Überblick über die Formalitäten, die auf dem Weg zur beruflichen Selbstständigkeit zu erledigen sind. Zudem ist es möglich sich kantonsunabhängig, online, direkt bei den zuständigen Behörden anzumelden wie: Handelsregister, AHV/IV/EO, MWST und Unfallversicherung. Philippe Zimmermann, ist beim SECO für diese Plattform zuständig und erklärt uns, wie diese sich seit 2004 unaufhörlich weiterentwickelt.

Wie hat das Abenteuer StartBiz begonnen?

Philippe Zimmermann: Ausgangspunkt für die Gründung der Plattform war folgende Feststellung: 2001 gab es kein zentrales Portal für die Firmengründung in der Schweiz, sondern eine ganze Reihe von Ämtern auf Bundes- und Kantonsebene, an die man sich wenden musste, um bestimmte Auskünfte zu erhalten. Um den Schweizerinnen und Schweizern den Weg in die berufliche Selbstständigkeit zu erleichtern, entschloss sich das SECO im Netz das KMU-Portal einzurichten, welches alle nötigen Informationen an einem Ort zusammenfasst. Die Firmengründer waren es im privatwirtschaftlichen Bereich schon gewöhnt, viele Dinge online zu regeln, zum Beispiel beim E-Banking. Der öffentliche Sektor stand damit unter einem gewissen Druck. Der Schlüsselmoment war eine Entscheidung des Bundesrates zugunsten der Einrichtung eines elektronischen Portals im Rahmen der "Förderung von Unternehmensgründungen". Deshalb wurde 2004 StartBiz geboren und erlaubte KMU-Gründern nicht nur Auskünfte zu erhalten, sondern sich auch direkt online bei den Behörden anzumelden.

Wie hat sich die Plattform entwickelt?

Zimmermann: Die Grundfunktion, also die Möglichkeit, die Gründung der häufigsten Unternehmensformen online vorzunehmen, hat sich nicht verändert. Dies ist möglich für Einzelfirmen, GmbHs, AGs, Kollektivgesellschaften und Kommanditgesellschaften. Die Verfahren wurden dagegen weiterentwickelt. Anfangs wurde bei der Anmeldung ein E-Mail generiert, welches anschliessend von einem Mitarbeiter bearbeitet wurde. Heute erfolgt die Gründung, dank der Transformation der Plattform und der Einführung der SuisseID, von A bis Z automatisch. Künftig werden wir uns vor allem auf die Benutzerfreundlichkeit der Website konzentrieren, damit die Abläufe für möglichst viele Personen noch verständlicher werden.

Das Ziel von StartBiz ist, die Firmengründung in der Schweiz zu erleichtern und Personen, die sich selbstständig machen wollen, zu unterstützen. Hat die Plattform Ihrer Meinung nach ihr Ziel erreicht?

Zimmermann: 2013 wurden 14% der Eintragungen von Einzelfirmen ins Handelsregister über die Website vorgenommen. Diese Zahl belegt, dass viele Firmengründer und künftige Selbstständige die von StartBiz geleistete Hilfestellung zu schätzen wissen. Hinzu kommen alle anderen, die sich zwar nicht via StartBiz eintragen, aber im Vorfeld Informationen suchen. Anhand von Fragen zur individuellen Situation, erhalten die Gründer eine Übersicht der notwendigen Schritte und wenden sich anschliessend selbst an die entsprechenden Behörden.

Ist der von StartBiz angebotene Service in der Schweiz einmalig?

Zimmermann: Ja, das Angebot ist einmalig, weil wir die nötigen Ressourcen und Kontakte haben, um alle relevanten Ämter die bei der Firmengründung eine Rolle spielen, auf einer einzigen Plattform anzubieten. Sie können sich sicher vorstellen, wie schwierig es ist, eine gemeinsame Schnittstelle einzurichten, die sowohl Bundes- wie auch kantonale Ämter zusammenführt.

Was unterscheidet Sie von privaten Firmen wie startups.ch oder dem IFJ?

Zimmermann: Mit diesen Dienstleistern, die Unterstützung für Firmengründer anbieten, stehen wir nicht in Konkurrenz. Unser Schwerpunkt ist das eGovernment, insofern besteht unser Ziel im Wesentlichen darin, die administrativen Verfahren zu digitalisieren und zu vereinfachen. Abgesehen von den amtlichen Gebühren ist die Benutzung von StartBiz kostenlos. Anders als die Privatfirmen bieten wir keine zusätzlichen Leistungen an. Wir helfen den Firmengründern nicht bei der Eröffnung eines Bankkontos und beraten sie weder zu Risiken oder abzuschliessenden Versicherungen, noch zur Steueroptimierung. Unsere Aufgaben ergänzen sich gegenseitig. Übrigens nutzen auch einige dieser privaten Dienstleister StartBiz und wir stehen regelmässig in Kontakt mit ihnen, um unser Angebot zu verbessern.

Wie sehen Sie die Zukunft von StartBiz?

Zimmermann: Wir denken ständig darüber nach, was wir noch tun können, um für die Unternehmer nützlich zu sein! Heute dient StartBiz der Unternehmensgründung und das war’s. Wir könnten uns aber vorstellen, dass es für weitere Vorgänge genutzt werden kann. Ein paar Beispiele: Änderungen im Handelsregister, Steuererklärungen, die Mehrwertsteuer und vielleicht eines Tages auch für Baubewilligungsgesuche. Das ist auf lange Sicht unsere Vision, um zu vermeiden, dass überall unterschiedliche Logins benötigt werden und Daten mehrfach an verschiedenen Orten gespeichert sind. Dieses Meta-Portal würde die Vorgänge für die KMU wie auch für die grossen Unternehmen vereinfachen und dabei die kantonalen und kommunalen Zuständigkeiten berücksichtigen. Aber es wird Zeit brauchen, ein solches Portal einzurichten, denn nicht alle Behörden, insbesondere auf kommunaler Ebene, haben digitale Schnittstellen.

Haben Sie den Eindruck, bei der Gründung dieses "Meta-Portals" unterstützt zu werden?

Zimmermann: Wir bekommen die notwendigen Ressourcen, die wir für die Einrichtung dieses Portals für Unternehmen benötigen. Bei diesem Projekt herrscht Konsens, weil sich alle einig sind, dass ein solcher Service der Wirtschaft dient. Wir werden uns von im Ausland erprobten Modellen wie den "one-stop-shops" inspirieren lassen und diese an die Rahmenbedingungen der Schweiz anpassen.


Informationen

Zur Person/Firma

Portraitfoto von Philippe Zimmermann, Verantwortlicher beim SECO für das KMU-Portal und die Plattform StartBiz

Philippe Zimmermann ist für das KMU-Portal und die Plattform StartBiz verantwortlich. Er hat an der Universität Bern ein Studium in Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen und arbeitet seit Mai 2013 für das SECO.

Letzte Änderung 27.09.2019

Zum Seitenanfang

https://www.kmu.admin.ch/content/kmu/de/home/aktuell/interviews/2014/hilfestellung-startbiz-wird-weg-selbstaendigkeit-sehr-geschaetzt.html