"Sich seine Zeit gut einzuteilen, kann man lernen"

Ein immer stärker vom Stress bestimmter Lebensrhythmus bringt viele Unternehmen dazu, sich an einen Coach zu wenden – jemanden wie Caroline Bernardi, Expertin im Bereich Persönlichkeitsentwicklung.

Mit dem Coaching begonnen hat Caroline Bernardi als Leiterin des Career Centers der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur. Sie arbeitete dort mit Studierenden und Businessleuten und fand grossen Gefallen an dieser Tätigkeit. Seit 2006 hat die junge Frau ihre eigene Firma, Bernardi, die Coachings und Seminare anbietet, seit letztem Jahr aber auch weitere Leistungen im Programm hat, zum Beispiel Wellness, Outdoor-Aktivitäten oder Business Feng Shui. Das Ziel: Gesündere Angestellte, die sich mit mehr Motivation und Teamgeist ins Unternehmen einbringen.

In welchen Fällen nimmt man einen Coach in Anspruch?

Caroline Bernardi: Wie jeder sehen kann, geht heute alles immer schneller. Es gibt immer mehr zu tun, wir stehen ständig unter Stress. Die grösste Schwierigkeit besteht darin, ein Gleichgewicht zu finden und den Kopf freizubekommen. Das bedeutet, dass wir lernen müssen, die Dinge zu trennen und die Arbeit während unserer Freizeit zu vergessen. Ausserdem muss man sich erlauben, kleine Pausen einzulegen. Es ist nicht Aufgabe der Firmenchefs, sich an unserer Stelle darum zu kümmern! An einen Coach wenden sich einerseits Menschen, die sich zu gestresst fühlen, die kurz vor dem Burnout stehen oder sich persönlich weiterentwickeln und ihre Probleme bewältigen wollen. Zum anderen gibt es Firmenchefs, die möchten, dass wir einen ihrer Mitarbeiter oder ein komplettes Team coachen, um die allgemeine Effizienz, die Motivation, die Produktivität oder auch den Teamgeist zu optimieren. Häufig bekommen wir Anfragen für Seminare zu den Themen Zeitmanagement, Team, Stressmanagement oder Work-Life-Balance.

Was beinhaltet das Coaching, das Sie durchführen?

Bernardi: Unsere Experten haben jeweils unterschiedliche Schwerpunkte, aber alle sind sowohl in Ökonomie als auch im Coaching ausgebildet. Anschliessend werden Sie intern in den speziell von Bernardi entwickelten Methoden weitergebildet. Die Besonderheit unseres Teams besteht darin, dass es bei uns genauso viele Coachs wie Therapeuten bzw. Masseure gibt.

Wie läuft so eine Sitzung im Unternehmen ab?

Bernardi: Wir bieten eine breite Palette an Seminaren (Stressmanagement, Creative Thinking, Persönlichkeit ...) an, die in der Regel einen Tag oder drei halbe Tage dauern. Die Übungen in der Gruppe zielen darauf ab, einen Denkprozess anzustossen, um neue Kompetenzen zu entwickeln. Konkret sieht es so aus, dass wir nach einer kurzen Einführung direkt zu praktischen Übungen mit besonders interaktivem Charakter übergehen.

Die Coachings sind intensiver und umfassen über ein halbes Jahr verteilt sechs bis acht Sitzungen zu je zwei Stunden.

Worin bestehen die Vorteile für das Unternehmen?

Bernardi: Die Angestellten sind weniger gestresst und stärker motiviert und folglich seltener krank. So werden die Gesundheitsausgaben gesenkt, die Produktivität wird verbessert und am Ende steigen die Gewinne!

Bringt es schon etwas, einmal an einem Seminar teilzunehmen?

Bernardi: Das Seminar schafft gewisse Grundlagen, die dann im Coaching vertieft werden. Aber für uns ist es äusserst wichtig, zwei oder drei Monate nach dem Seminar einen Auswertungsbogen zu verschicken. Dadurch haben die Seminarteilnehmer die Möglichkeit, sich an bestimmte Dinge, die sie während des Treffens gelernt haben, zu erinnern. Einige entscheiden sich dann dafür, ein persönliches Coaching-Projekt in Angriff zu nehmen.

Grossen Firmen haben immer häufiger einen eigenen Coach unter ihren Angestellten. Welchen Mehrwert kann eine unabhängige Firma wie Bernardi bieten?

Bernardi: Bei den firmeninternen Coachs besteht die Gefahr, dass sie zu wenig Distanz zu den anderen Mitarbeitern haben, während wir einen neutralen Blick bieten. Und einen ganzheitlichen. Unternehmen wenden sich nicht nur für Coachings an uns, sondern auch für die Organisation von Freizeitaktivitäten in der Natur oder für Wellness-Angebote, zum Beispiel Massagen. Ich denke, dass diese Art von Dienstleistungen mit der Zeit immer stärker nachgefragt werden wird.

Und was haben die KMU davon?

Bernardi: In kleinen Firmen wie den Start-ups ist die Beratung durch einen Coach besonders zu begrüssen. Da sie weniger gut organisiert sind und auf dem Markt erst Bekanntheit erlangen müssen, sind kleine Firmen einem besonders hohen Mass an Stress ausgesetzt. Ein Coach kann ihnen dabei helfen, sich besser zu strukturieren und Methoden zu entwickeln, die das Wachstum vorantreiben.

Welche Art von Unternehmen wenden sich an Sie?

Bernardi: Unternehmen aller Art, sowohl Versicherungen als auch Industrieunternehmen und auch mehrere Hochschulen.

Was kosten die Leistungen eines Coachs?

Bernardi: Unsere Preise sind variabel. Für ein halbtägiges Seminar muss man zwischen CHF 2'000 und CHF 2'600 einkalkulieren. Für ein kurzes Teamcoaching (6 x 3 Stunden) liegen die Preise, abhängig von der Unternehmensgrösse, zwischen CHF 260 und CHF 760 pro Stunde.

Planen Sie, Ihr Tätigkeitsfeld noch weiter auszubauen?

Bernardi: Die Welt verändert sich rasant, und wir bekommen die Veränderungen immer stärker zu spüren. Das Ziel von Bernardi ist die Verbindung von Ökonomie und Spiritualität, ein Begriff, für den man sich seit etwa drei Jahren in allen Milieus zunehmend interessiert. Deshalb veranstalten wir im April eine Tagung mit dem Titel "Spiritualität küsst Wirtschaft". Wir werden dort Strategien vorstellen, mit denen sich eine spirituelle Dimension in das Unternehmen integrieren lässt. Anders gesagt geht es darum, den Menschen wieder ins Zentrum zu rücken.

Was würden Sie, ausgehend von Ihrer Erfahrung als Coach, jungen Unternehmerinnen und Unternehmern raten?

Bernardi: Ich würde sie ermuntern herauszufinden, was sie beruflich wie auch persönlich wollen, und dann loszulegen. Die Visionen und Ziele geben die Richtung vor, und es ist wichtig, stets auf diese Richtung fokussiert zu bleiben.


Informationen

Zur Person/Firma

Portraitfoto von Caroline Bernardi, Business Coach und Expertin im Bereich Persönlichkeitsentwicklung

Caroline Bernardi gründete 2006 ihre eigene Firma für Business Coaching. Zuvor war sie für das Marketing der Institute der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur zuständig und leitete dort unter anderem das von ihr initiierte Career Center.

Letzte Änderung 11.08.2015

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