"Ein Qualitätsprodukt erfordert unermüdlichen Einsatz"

Der zweifache Preisträger des Grand prix du vin suisse, Diego Mathier, übernahm im Jahre 2001 die Leitung des Familienweinguts Adrian Mathier Nouveau Salquenen. Im Interview erzählt er, wie sich die Nachfolge gestaltet hat.

Das Familienunternehmen Adrian Mathier Nouveau Salquenen im Hochwalliser Salgesch beschäftigt 25 Mitarbeitende auf 30 Hektaren Land. Seitdem Diego Mathier im Jahre 2001 die Leitung übernahm, sind die Umsatzzahlen um 35% gestiegen und das Unternehmen hat rund 350 Auszeichnungen erhalten. 2007 und 2011 wurde Diego Mathier im Rahmen des Grand prix du vin suisse zum Winzer des Jahres gekrönt.

Wie gelingt eine Unternehmensnachfolge?

Diego Mathier: Es ist wichtig, sich von den Traditionen des Unternehmens zu lösen und dabei die nützlichen Dinge zu bewahren. Es muss eine Entwicklung geben im Vergleich zu vorher, man muss auch etwas riskieren und sich dabei stets bewusst machen, was die Vorgänger geleistet haben.

Um in unserer Branche erfolgreich zu sein, muss man sein Handwerk beherrschen und Demut vor der Natur zeigen. Wir haben mit grossen Risikofaktoren zu tun, da wir mit einem unberechenbaren und unbeherrschbaren Element arbeiten: der Natur.

Unsere Arbeit besteht letztlich nicht nur darin, Trauben zu ernten, um daraus Wein zu machen. Zunächst gilt es, trotz unvorhersehbarer Witterungsbedingungen die Reblagen so zu bewirtschaften, dass man auf eine gute Ernte hoffen kann. Das ist eine langfristige Aufgabe, die viel Ausdauer und Geduld erfordert.

Wie hat sich die Übernahme damals gestaltet?

Mathier: Als ich den Familienbetrieb übernahm, liess mir mein Vater vollkommen freie Hand und hielt sich im Hintergrund bereit, wenn ich ihn brauchte. Seine Haltung war mir eine grosse Hilfe und hat mir ermöglicht, einiges zu verändern, ohne dabei zu sehr vom Familienerbe abzurücken. Wie so oft, wenn die Unternehmensleitung in der Familie bleibt, habe ich das Weingut sehr jung übernommen - mit 30. Wir haben dann gemeinsam einen Fahrplan für das Unternehmen entwickelt.

Ich teile mit meinen Mitarbeitern dieselben Vorstellungen und Perspektiven für die Entwicklung des Unternehmens. Insofern würde ich sagen, dass wir alle Teil einer grossen Familie sind. Wir teilen nicht nur die Begeisterung für unseren Beruf, sondern auch gemeinsame Vorstellungen und Wünsche. Einen Wein zu kreieren und sich darüber auszutauschen, was man entwickeln möchte, ist eine einzigartige Aufgabe, die von jedem Einzelnen vollstes Engagement erfordert.

Man muss dazu sagen, dass ich schon sehr früh in die Welt des Weines eingetaucht bin. Seit meiner frühen Kindheit habe ich die Entwicklung unseres Weinguts mitverfolgt, habe meinen Eltern zugehört, wenn sie beim Essen darüber sprachen, und habe mitgeredet. Wenn wir über das Weingut sprachen, war es übrigens so, als sprächen wir über einen Menschen, nicht über ein Unternehmen. Die Rebberge waren wie eine Art grosse Schwester.

Was haben Sie konkret im Unternehmen verändert?

Mathier: Ich habe im Laufe der letzten zehn Jahre 15 neue Produkte entwickelt und darüber hinaus neue Mitarbeiter eingestellt. Die Zusammenarbeit mit den Firmen, die seit Jahrzehnten mit unserem Weingut verbunden sind, habe ich natürlich fortgesetzt, denn ich halte stark an den wertvollen Beziehungen zu unseren Partnern fest.

Kurz nachdem ich die Leitung übernommen hatte, entschied ich, die Produktion unserer Spitzenweine zu erhöhen. So baute ich das Barriquelager aus und ersetzte die grossen Edelstahltanks durch kleine. Dadurch hat sich die Arbeit des gesamten Teams verändert und es entstanden höhere Kosten und zusätzlicher technischer Aufwand für die Weinherstellung. Aber ich bereue diese Entscheidung nicht, da sie der Qualität zuträglich war.

Sie haben Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen studiert. Hilft Ihnen das Studium im Alltagsgeschäft?

Mathier: Das Wissen aus dem Studium hilft mir dabei, in Modellen zu denken. Das ist ein nützliches Handwerkszeug für den Anfang. Aber ich bin überzeugt, dass sich die wesentlichen Dinge in der Praxis ergeben, durch die Weitergabe von Kompetenzen von einer Generation zur anderen. Mein Vater und die Natur waren fraglos meine besten Lehrer.

Wie ist der Schweizer Wein heute aufgestellt?

Mathier: In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Weinkultur in der Schweiz unglaublich entwickelt. Nicht nur die Produktionstechnik, sondern auch die Philosophie und die Verfahren der Weinerzeugung haben sich verbessert. Leider wurden diese Entwicklungen von den Verbrauchern nicht immer entsprechend wahrgenommen. Die Weinproduzenten müssten lernen, besser zu kommunizieren, um ein klareres Bild von ihrer Arbeit und der Sorgfalt, die sie in ihre Erzeugnisse stecken, zu vermitteln.

Heute gibt es immer mehr interessante, hochwertige Weine aus dem Wallis mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Schweizer Weine gewinnen langsam an Anerkennung im Ausland. Das ist eine erfreuliche Entwicklung.

Und wie steht es um den Export?

Mathier: Ein Qualitätsprodukt herzustellen, erfordert eiserne Disziplin und unermüdlichen Einsatz. Wie bereits häufig betont, kann ich keine Zwei-Euro-Weine produzieren, und ich will es auch nicht. Im Augenblick steht Qualität bei uns an erster Stelle und wir wollen noch weiter in die Qualität unserer Produkte investieren, nicht in Quantität.

Noch sind unsere Exporte eher bescheiden, aber wir haben einige Auslandskunden in China, Kanada und den Vereinigten Staaten, die unsere Produkte schätzen. Wir bräuchten mehr Ausstellungen, um uns bekannt zu machen. Der Zeit- und Energieaufwand dafür ist allerdings enorm. Und da liegt zur Zeit definitiv nicht unser Fokus.

Welchen Rat würden Sie jungen Unternehmerinnen und Unternehmern mit auf den Weg geben?

Mathier: Ich bin nicht unbedingt ein guter "Schulmeister". Aber davon abgesehen würde ich ihnen wohl in erster Linie raten, sich von den bekannten Wegen zu lösen. Seinen eigenen Weg zu beschreiten ist das sicherste Mittel, um Spuren zu hinterlassen.


Informationen

Zur Person/Firma

Portraitfoto von Diego Mathier, zweifacher Preisträger des Grand prix du vin suisse und CEO des Familienweinguts Adrian Mathier Nouveau Salquenen

Diego Mathier, 41, hat an der Universität St. Gallen ein Lizentiat der Wirtschaftswissenschaften erworben. Er wuchs auf dem Familienweingut auf und stand so seit frühester Kindheit in engem Kontakt zur Welt des Weins. Er ist stolz auf seine jüngsten Erfolge und macht kein Geheimnis aus seinen Zukunftsplänen (neue Weinkreationen, die er bereits gedanklich reifen lässt). Seinen Erfolg empfindet er als grosse Motivation. Diego Mathier ist ein begeisterter Anhänger des Mannschaftssports, spielt selbst Fussball und schätzt gutes Fleisch.  

Letzte Änderung 11.08.2015

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