Resilienz der Industrie als unzureichend bewertet

(07.01.2026) Den Schweizer Industrieunternehmen mangelt es an Transparenz in ihren Lieferketten. Nur 14% der Unternehmen wollen laut Dun & Bradstreet angesichts zunehmender regulatorischer und geopolitischer Risiken ihrer Widerstandsfähigkeit Priorität einräumen.
Die meisten Unternehmen der Branche (zwischen 85% und 90%) arbeiten noch mit manuellen Prozessen, insbesondere bei der Lieferantenbewertung, der Risikoanalyse und den Kundendaten. Weniger als ein Drittel (29%) von ihnen ist zudem in der Lage, die Daten in ihrer aktuellen Form für fundierte Entscheidungen zu nutzen.
Der integrierte Zugang zu kritischen Informationen ist ebenfalls noch relativ begrenzt. Nur 28% der Industrieunternehmen verfügen über Daten zu Zöllen, 30% zu Sanktionsrisiken und 28% zu Nachhaltigkeitskennzahlen ihrer Geschäftspartner. Die Schweiz liegt damit deutlich hinter den USA, wo 51% der Unternehmen über Zolldaten verfügen, und hinter Grossbritannien, wo dieser Anteil 40% beträgt.
Gleichzeitig zeigen Schweizer Unternehmen eine deutliche Neigung zum "Near-Shoring": 97,8% von ihnen planen, mindestens den Grossteil ihrer Lieferkette in Gebiete in der Nähe der Schweiz zurückzuverlagern. Damit weist das Land europaweit den stärksten Wunsch nach einer Verlagerung Richtung Heimatmarkt auf.
Insgesamt zeigt die Studie eine Diskrepanz zwischen den Absichten und der Praxis vor Ort auf. Die Unternehmen legen zwar viel Wert auf Transparenz in ihren Lieferketten, setzen jedoch nur selten konkrete Strategien zur Optimierung dieser Transparenz um. Dazu gehört insbesondere eine solide Datenbasis, um Risiken gezielt zu erkennen und zu managen. Nach Ansicht der Autoren der Studie beeinträchtigt diese mangelnde Transparenz die Fähigkeit der Wirtschaftsakteure, Krisen vorherzusehen.