Saisonarbeitende im Tourismus: Wohnkosten sind die grössten Herausforderungen
Bern, 11.09.2026 — Saisonarbeitende sind für den Tourismus unverzichtbar. Sie können jedoch nur dort arbeiten, wo ihnen geeigneter Wohnraum zur Verfügung steht. Eine Studie der Universität Lausanne im Auftrag des Bundesamtes für Wohnungswesen (BWO) untersucht erstmals die Wohnsituation aus Sicht der Saisonarbeitenden. Sie zeigt: Die Wohnkosten stellen für sie das grösste Problem im Bereich Wohnen dar.
Die Studie «Wohnbedürfnisse und Wohnsituation von Saisonarbeitenden in Wintersportdestinationen» untersucht die Situation in Adelboden, Leysin, Saas-Fee und Villars-sur-Ollon. Sie wurde von der Universität Lausanne im Auftrag des BWO durchgeführt und von den Kantonen Bern, Waadt und Wallis mitfinanziert. Grundlage sind 95 Interviews, davon 84 mit Saisonarbeitenden. Damit zeigt die Studie die Wohnsituation und die Wohnbedürfnisse erstmals aus Sicht der Saisonarbeitenden.
Wohnraum spielt für sie eine zentrale Rolle. Er beeinflusst nicht nur ihren Alltag, sondern auch den Zugang zu einer Arbeitsstelle, ihre finanzielle Situation und die Frage, ob sie für eine weitere Saison in eine Destination zurückkehren. Geeigneter Wohnraum ist damit auch für die Tourismusdestinationen von Bedeutung: Er trägt dazu bei, Arbeitskräfte zu gewinnen und längerfristig zu halten.
Bei den Wohnbedürfnissen setzen die Befragten vier klare Prioritäten. Die Suche nach einer erschwinglichen Unterkunft hat für Saisonarbeitende oberste Priorität. Sind die Wohnkosten im Verhältnis zum Einkommen hoch, schränken sie die Möglichkeit ein, während der Saison Geld zu sparen. Ebenfalls bevorzugen Saisonarbeitende Wohnraum in der Nähe ihres Arbeitsplatzes und wichtiger Dienstleistungen. Kurze Wege erleichtern den Alltag und reduzieren die Mobilitätskosten – insbesondere angesichts der teilweise unregelmässigen Arbeitszeiten im Tourismus und der winterlichen Verhältnisse.
Bei der Ausstattung und Qualität der Wohnungen stehen nicht hohe Komfortansprüche im Vordergrund. Gefragt sind saubere, ausreichend grosse und zweckmässig ausgestattete Unterkünfte, die ein Mindestmass an Privatsphäre ermöglichen. Dies ist insbesondere bei Wohngemeinschaften von Bedeutung, in denen unterschiedliche Arbeitszeiten und Lebensrhythmen das Zusammenleben erschweren können.
Die vierte Priorität betrifft flexiblere Mietverhältnisse. Die Dauer eines Mietvertrags stimmt heute nicht immer mit jener des saisonalen Arbeitsvertrags überein. Dadurch können zusätzliche Kosten entstehen. Die Befragten wünschen sich deshalb flexiblere Ein- und Auszugstermine und mehr Möglichkeiten, eine Unterkunft von einer Saison zur nächsten wieder nutzen zu können.
Die Situation unterscheidet sich von Ort zu Ort
Wie einfach Saisonarbeitende geeigneten Wohnraum finden, hängt stark von der jeweiligen Destination ab. Eine Rolle spielen unter anderem die Verfügbarkeit und die Preise von Wohnungen, der Anteil an Zweitwohnungen, die Erreichbarkeit der Destination sowie das Wohnungsangebot in umliegenden Gemeinden.
Lösungen gemeinsam entwickeln
Workshops in den vier untersuchten Destinationen sowie ein nationaler Austausch haben gezeigt, dass es keine einheitliche Lösung für die Wohnraumproblematik von Saisonarbeitenden gibt. Gefragt sind auf die lokalen Gegebenheiten abgestimmte Ansätze. Arbeitgeber und Gemeinden sind dabei gefordert, in Zusammenarbeit mit Kantonen, Tourismusorganisationen sowie weiteren Akteuren geeignete Lösungen zu entwickeln. Der vorliegende Bericht zeigt Handlungsmöglichkeiten für die Praxis auf und bietet den beteiligten Akteuren damit eine Grundlage, um geeignete Lösungen für ihre Destination zu entwickeln.
Weitere Informationen:
Wohnraumnutzung und Wohnbedürfnisse von Saisonarbeitenden in Wintersportorten
Wohnraumnutzung und Wohnbedürfnisse von Saisonarbeitenden in Wintersportorten. Zusammenfassung