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Lernende ausbilden: eine lohnende Investition für KMU

Die Ausbildung von Lernenden zahlt sich für die meisten Schweizer Unternehmen aus. Doch neben dem finanziellen Nutzen ist die berufliche Grundbildung auch eine Investition in den eigenen Fachkräftenachwuchs.

Holzbretter, Schutzhandschuhe, Mann beim Sägen.

"Lohnt sich die Ausbildung von Lernenden?" Der Titel einer Studie der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung (EHB) stellt eine berechtigte Frage. Die im vergangenen Herbst im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) veröffentlichte Studie zeigt, dass die duale Berufsbildung, eine der Säulen der Schweizer Wirtschaft, für Unternehmen in der grossen Mehrheit der Fälle von Vorteil ist.

Im Durchschnitt bringt ein Lehrvertrag einen Nettonutzen von rund 4'500 Franken pro Jahr. In 71 % der Lehrverhältnisse übersteigt die produktive Leistung der Lernenden die Kosten ihrer Ausbildung. "Unsere Untersuchung zeigt, dass Lernende einen wichtigen produktiven Beitrag leisten", betont Alexander Gehret, Mitautor der Studie und Projektleiter an der EHB. "Zu Beginn ihrer Ausbildung übernehmen sie einfache Aufgaben. Nach und nach führen sie Tätigkeiten aus, die denen einer ausgebildeten Fachkraft entsprechen, allerdings noch mit einem geringeren Leistungsgrad."

Zeit und Geld

Die grössten Kosten entstehen durch den Zeitaufwand der Berufsbildnerinnen und Berufsbildner und insbesondere durch die Löhne. Dabei bedeutet ein Lehrverhältnis mit negativem Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht zwingend ein schlechtes Geschäft. Das Unternehmen kann die Differenz als Investition betrachten, insbesondere wenn es die lernende Person nach der Ausbildung übernimmt. Dadurch entfallen die Kosten für die Rekrutierung und Einarbeitung einer externen Fachkraft.

"In den meisten Fällen wird die Investition nach der Ausbildung rentabel", erklärt Alexander Gehret. "Einige Unternehmen nehmen während der Ausbildung bewusst Kosten in Kauf, weil sie anschliessend über Fachkräfte verfügen möchten, die sie selbst ausgebildet haben. Für andere Unternehmen kann es hingegen wichtiger sein, dass sich die Ausbildung bereits während der Lehrzeit rechnet, da sie die Kosten weniger gut auffangen können, wenn die lernende Person nach der Ausbildung nicht im Unternehmen bleibt."

Wie lässt sich erklären, dass Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen nicht immer übereinstimmen? "Der Lehrstellenmarkt ist nach wie vor stark regional geprägt", stellt Alexander Gehret fest. "Jugendliche finden in ihrer Region möglicherweise keine Lehrstelle in ihrem Wunschberuf, während Unternehmen etwas weiter entfernt zu wenige passende Bewerbungen erhalten." Eine grössere geografische Mobilität der Jugendlichen könnte diese Situation daher verbessern. "Eine der möglichen Folgen könnte eine Zunahme der Lehrabbrüche sein, wenn Jugendliche weit entfernt von ihrem familiären Umfeld leben."

Für die Studie der EHB wurden die Antworten von 6'686 Lehrbetrieben und 3'655 Unternehmen, die keine Lernenden ausbilden, ausgewertet. Das grösste Hindernis für die Ausbildung von Lernenden ist demnach nach wie vor der Zeitmangel. Es gibt aber auch Unternehmen, die ihren Bedarf an qualifizierten Fachkräften auf andere Weise decken, insbesondere durch die Weiterbildung bestehender Mitarbeitender.

Klein anfangen und sich beraten lassen

Für KMU, die noch zögern, empfiehlt Joëlle Mathey, Direktorin von ForPro, einer Organisation zur Förderung der Berufsbildung im Kanton Genf, "klein anzufangen", beispielsweise mit der Aufnahme von Praktikantinnen und Praktikanten. "Um ein zweiwöchiges Praktikum zu organisieren, reicht es beispielsweise in Genf, ein Formular auszufüllen, das beim Amt für Berufsberatung, Berufsbildung und Weiterbildung (OFPC) erhältlich ist."

Zudem lohnt es sich, auf die verfügbaren Netzwerke zurückzugreifen und sich beraten zu lassen, etwa durch Dachverbände, OFPC oder ergänzende Organisationen. "Wir organisieren beispielsweise Treffen für Berufsbildnerinnen und Berufsbildner in Unternehmen, die allen offenstehen und für die man nicht über das eigene Unternehmen angemeldet sein muss. Dabei handelt es sich in der Regel um kurze Treffen, die über Mittag oder am Ende des Arbeitstages stattfinden."

Neben den wirtschaftlichen Argumenten betont die Leiterin von ForPro auch die menschliche Dimension. "Eine lernende Person im Unternehmen zu haben, ist etwas Besonderes. Auch wenn viele Mitarbeitende selbst Kinder haben, handelt es sich dabei nicht um dieselbe Art der Weitergabe von Wissen und Erfahrung. Zu sehen, wie jemand wächst und sich von 'Ich kann das nicht' zu 'Ich beherrsche meinen Beruf' entwickelt, ist eine äusserst bereichernde Erfahrung."

Der Fachkräftemangel scheint das Interesse an der Ausbildung von Lernenden zusätzlich zu verstärken. "Der Wunsch, den eigenen Fachkräftenachwuchs zu sichern, ist den Betrieben heute deutlich wichtiger als früher", stellt Alexander Gehret fest. Die befragten Unternehmen nennen häufiger das Ziel, Personen auszubilden, die sie anschliessend langfristig beschäftigen können.

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