"Die langfristigen Beschäftigungsaussichten sind weiterhin gut"
Nicola Tettamanti ist Präsident des Branchenverbands Swissmechanic. Er äussert sich zu den Herausforderungen und Stärken der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM).
Die Schweizer Maschinenbauindustrie durchläuft eine schwierige Phase, geprägt vom starken Franken, geopolitischen Spannungen und dem Fachkräftemangel. Trotz dieser Herausforderungen setzt die Branche weiterhin auf Innovation und Produkte mit hoher Wertschöpfung. Swissmechanic-Präsident Nicola Tettamanti analysiert die Veränderungen in der Branche, die Entwicklung der Berufe und die Gründe, optimistisch in die Zukunft dieses für die Schweiz wichtigen Wirtschaftszweigs zu blicken.
Was sind die grössten Herausforderungen und Stärken der Branche?
Tettamanti: Zu den grössten Herausforderungen zählen die unsichere Wirtschaftslage, der starke Schweizer Franken, steigende Kosten, der Fachkräftemangel und zunehmende regulatorische Anforderungen. Diese Faktoren sind für KMU besonders anspruchsvoll. Gleichzeitig verfügt die Schweizer Maschinenbauindustrie über grosse Stärken: eine hohe Innovationskraft, erstklassige Qualität, Präzision, Zuverlässigkeit und eine starke Berufsbildung. Unsere Unternehmen zeichnen sich durch eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit aus. Sie sind flexibel, reagieren schnell auf neue Marktbedürfnisse und entwickeln kundenspezifische Lösungen mit hoher Wertschöpfung. Die Industrie steht unter Druck, aber sie bleibt nicht untätig.
In welchen Bereichen verfügen Schweizer Unternehmen international weiterhin über einen Wettbewerbsvorteil?
Tettamanti: Die Schweiz ist besonders dort stark, wo höchste Präzision, Qualität und technisches Know-how gefragt sind. Das gilt beispielsweise für den Werkzeug- und Maschinenbau, die Automation, die Medizinaltechnik, den Präzisionsmaschinenbau sowie für spezialisierte Zulieferbetriebe. Viele Schweizer KMU sind in ihren Nischen weltweit führend. Ihren Erfolg verdanken sie dabei nicht ihrer Grösse, sondern ihrer Innovationskraft und ihrer Fähigkeit, für anspruchsvolle Kunden massgeschneiderte Lösungen zu entwickeln.
Wie verändern neue Technologien die Branche? (Robotik, KI usw.)
Tettamanti: Robotik, Automatisierung, künstliche Intelligenz und datenbasierte Prozesse verändern die Branche nachhaltig. Diese Technologien ersetzen den Menschen jedoch nicht, sondern unterstützen ihn. Sie tragen beispielsweise dazu bei, Produktionsprozesse effizienter zu gestalten, Qualitätskontrollen zu verbessern oder Wartungsarbeiten frühzeitig zu planen.
Auch bei Swissmechanic beschäftigen wir uns intensiv mit diesem Wandel. Gemeinsam mit Partnern entwickeln wir derzeit eine digitale Branchenlösung für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Ziel ist es, Unternehmen im Arbeitsalltag zu entlasten, Prozesse zu vereinfachen und Sicherheitsmassnahmen einfacher und effizienter umzusetzen. Dies zeigt beispielhaft, wie die Digitalisierung ganz konkrete Vorteile für KMU schaffen kann.
Wie entwickeln sich die Berufe in der MEM-Branche?
Tettamanti: Die klassischen Berufe verschwinden nicht, sondern entwickeln sich weiter. Polymechanikerinnen und Polymechaniker, Konstrukteurinnen und Konstrukteure sowie Produktionsfachleute arbeiten heute zunehmend mit digitalen Systemen, Robotern und vernetzten Maschinen.
Dadurch gewinnen Kompetenzen in den Bereichen Automation, Robotik, Datenanalyse, Programmierung und Prozessverständnis an Bedeutung. Gleichzeitig bleiben klassische Fähigkeiten wie Präzision, Problemlösungskompetenz, handwerkliches Geschick und Teamarbeit unverzichtbar. Die Verbindung von technischem Know-how und digitalen Kompetenzen wird künftig immer wichtiger.
Wie sehen die Beschäftigungsaussichten aus? Haben die Unternehmen Schwierigkeiten, bestimmte Profile zu rekrutieren?
Tettamanti: Die langfristigen Beschäftigungsaussichten bleiben gut. Trotz der schwierigen Wirtschaftslage entscheiden sich viele Unternehmen bewusst dafür, ihre Mitarbeitenden zu halten, da qualifizierte Fachkräfte nur schwer zu finden sind. Besonders gefragt sind Polymechanikerinnen und Polymechaniker, Automatikerinnen und Automatiker, Konstrukteurinnen und Konstrukteure sowie Fachkräfte in den Bereichen Produktion, Automation und Digitalisierung. Der Fachkräftemangel bleibt deshalb eine der grössten Herausforderungen unserer Branche.
Bleiben Sie optimistisch für die Zukunft der Schweizer Maschinenbauindustrie?
Tettamanti: Im Laufe ihrer Geschichte hat die Schweizer Maschinenbauindustrie immer wieder bewiesen, dass sie sich erfolgreich an neue Rahmenbedingungen anpassen kann. Unsere Unternehmen verfügen über eine ausgeprägte Innovationskultur, hochqualifizierte Fachkräfte und einen hohen Spezialisierungsgrad.
Ich bin überzeugt, dass die Kombination aus technologischem Fortschritt, unternehmerischer Flexibilität und unserem bewährten Berufsbildungssystem auch künftig ein entscheidender Erfolgsfaktor sein wird. Wenn wir gleichzeitig gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen und weiterhin in Bildung, Innovation und Digitalisierung investieren, hat die Schweizer Maschinenbauindustrie ausgezeichnete Zukunftsperspektiven.
